Amerika 2026: Trump ehrt Microsofts Chef mit einem Orden, Vance wirft Microsoft gleichzeitig aus dem Visa-Programm

byTEAM KAIZEN BLOG

9. October 2026

Am Donnerstag verlieh Donald Trump im US-Institut für Frieden in Washington die höchsten Auszeichnungen des Landes für Wissenschaft und Technik. Er nannte die geehrten Milliardäre „Nationalschätze“. Wenige Stunden zuvor hatte sein Vizepräsident JD Vance dieselbe Branche vor Kameras abgekanzelt und ausländische Fachkräfte „Leibeigene“ genannt. 5 der 6 Geehrten sind Einwanderer. Der einzige gebürtige Amerikaner unter ihnen ist Michael Dell.

Noch vor der Zeremonie für Microsoft-Chef Satya Nadella trat Vance vor die Presse und verkündete, das Unternehmen werde aus einem Programm ausgeschlossen, über das Firmen Green Cards für ausländische Fachkräfte mit H-1B-Visum beantragen. Microsoft habe das Visa-System missbraucht. „Unsere Botschaft an Microsoft lautet: Ihr seid ein großartiges amerikanisches Unternehmen, aber ihr müsst großartige amerikanische Arbeiter einstellen“, sagte er. Man könne nicht erst amerikanische Beschäftigte entlassen und sie dann durch „ausländische Leibeigene“ ersetzen. Im Vorjahr habe die Firma 6.000 Amerikaner entlassen und sich zugleich 6.300 H-1B-Visa gesichert. Dazu kamen nach seinen Angaben fast 3.000 Green Cards.

Microsoft habe das US-Visaprogramm missbraucht, sagte Vizepräsident Vance. „Man holt Vertragsknechte aus dem Ausland ins Land, entlässt amerikanische Arbeitnehmer, und wenn man ein Unternehmen ist, verdient man eine Menge Geld damit, die Löhne amerikanischer Arbeitnehmer zu unterbieten und sie durch Menschen zu ersetzen, die, offen gesagt, von Anfang an gar nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika sein sollten“, sagte er.

Er spricht von ausländischen Beschäftigten als „indentured servants“ und sagt, sie hätten „von Anfang an“ nicht in den USA sein sollen. Man sollte ihm vielleicht ein amerikanisches Geschichtsbuch zum Lesen geben.

Das Unternehmen aus Redmond im Staat Washington, 223.000 Beschäftigte weltweit, wies das zurück. Die Mehrzahl seiner Anträge im vergangenen Geschäftsjahr habe nur dazu gedient, den Status bereits angestellter Mitarbeiter zu verlängern oder zu ändern.

Trump ließ im Saal nichts davon anklingen. Er überreichte Nadella die Nationale Medaille für Technik und würdigte ihn als Schlüsselfigur im Wandel von Microsoft, der Unternehmen und Nutzer in aller Welt „mit der leistungsfähigsten Software, die je gebaut wurde“, ausgestattet habe. Nadella bedankte sich artig in den sozialen Medien, er sei demütig, neben so vielen Größen amerikanischer Innovation zu stehen, und freue sich auf das, was man gemeinsam für Amerikas Wohlstand noch tun könne. Am selben Nachmittag straft der Vize die Firma ab, lobt der Präsident ihren Chef. Ein Mund der Regierung schilt, der andere preist.

Das eigentliche Highlight dieser Show war, dass Trump sich zur Abwechslung keinen Orden selbst umgehängt hat.

Auf die Widersprüchlichkeit angesprochen, wich Vance aus. Man werde Microsoft weiter unterstützen und ein gutes Verhältnis pflegen, sagte er. Trumps Leute halten sich zugute, die eingewanderte Spitzenkraft von der gewöhnlichen zu unterscheiden, und behaupten, die Einstellung mittelmäßiger Ausländer habe amerikanischen Arbeitern geschadet. Der Schlag gegen Microsoft legte offen, wie sehr die Regierung hin- und hergerissen ist zwischen dem Ruf nach weniger Einwanderung und den Firmen, die das Wachstum tragen. So bekommt die Einwanderung einen Preis. Für den Milliardär öffnet sich dieselbe Tür, die sich für den Mann ohne Vermögen schließt, und ein Pass wird in Dollar gezählt.

Die Nationale Medaille für Wissenschaft ging an Elon Musk und Sergey Brin, dazu an Jensen Huang und Lisa Su, die Chefin des Halbleiterherstellers AMD. Musk kam aus Südafrika, Brin aus Russland. Huang und Su wurden beide in Taiwan geboren. Die Medaille für Technik erhielten neben Nadella, der aus Indien stammt, auch Dell aus Texas, der die staatlichen Kindersparkonten mit dem Namen „Trump-Konten“ gefördert hat. Seit 1959 ging dieser Wissenschaftspreis fast immer an Forscher und Hochschullehrer. Geschäftsleute standen selten auf der Liste. In derselben Woche werden anderswo die Nobelpreise vergeben. Ein Preis, der jahrzehntelang dem Labor galt, wandert an die Reichsten des Landes, und niemand im Saal fragt, wofür genau.

Trump sprach vom „größten Tag, den es gibt“, die Geehrten würden „in die Annalen der Geschichte eingehen“. Er verglich sie mit seinem Onkel John Trump, Elektroingenieur und Professor am Massachusetts Institute of Technology, der die Medaille 1983 erhalten hatte. Die Ehrung gehörte zu einem Treffen, das ein neues „goldenes Zeitalter“ der Wissenschaft feiern sollte, und baute auf Trumps Lob für die Beschleunigung der künstlichen Intelligenz, die er Superintelligenz nennt. Vor Leitplanken, die das Wachstum bremsen könnten, scheut er zurück. „Wir haben ein Publikum mit extrem hohem IQ, zur Abwechslung“, scherzte er in den Saal.

Die Geehrten gehen in diesen Wochen im Weißen Haus ein und aus. Beim Staatsbankett für Chinas Staatschef Xi Jinping saßen einige von ihnen nahe beim Präsidenten, Musk und Huang darunter. Dell saß am Mittwoch im Oval Office und sprach über seine Kindersparkonten. In der Vorwoche unterzeichneten Musk und Huang mit anderen eine freiwillige Vereinbarung zur Entwicklung der künstlichen Intelligenz, nachdem neue Modelle Sorgen um die Sicherheit geweckt hatten. Weniger als einen Monat vor den Zwischenwahlen wirbt Trump damit, dass die Milliarden für Rechenzentren die Börse auf Rekordhöhen getrieben und das Vermögen der Reicheren gemehrt hätten. Die Botschaft verfängt nicht überall. Umfragen zeigen quer durch die Lager die Sorge, die künstliche Intelligenz komme zu schnell, und die hohen Preise für Benzin und Lebensmittel drücken die Stimmung.

Vance ließ nebenbei wissen, auch Stanford und das MIT gehörten wegen Visa-Betrugs untersucht. Huang und Brin haben in Stanford studiert, Su mehrfach am MIT. Dieselben Universitäten, die seine Nationalschätze ausgebildet haben, sollen also unter Verdacht stehen. Das Weiße Haus lobte die Preisträger, sie sicherten Amerikas Führung in der Innovation, erklärte die Sprecherin Liz Huston. So feiert ein goldenes Zeitalter jene, die längst aus Gold sind, und buchstabiert Zugehörigkeit in Zahlen mit vielen Nullen.

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