Trump redet von Mission Accomplished. Iran feuert weiter Raketen. Wer verliert diesen Krieg, wird es als letzter merken.
Zwei Wochen. So lange läuft der amerikanisch-israelische Krieg gegen Iran jetzt schon. Und Donald Trump steht vor republikanischen Abgeordneten in Florida und sagt: „Wir haben in vielerlei Hinsicht bereits gewonnen.“ Gleichzeitig schlägt die Islamische Revolutionsgarde neue Salven auf Tel Aviv und auf das Hauptquartier der US-Navy in Bahrain ab.
Das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain, das von einer iranischen Rakete getroffen wurde.
Das ist keine Ironie. Das ist Krieg. Die IRGC hat durch ihren Sprecher Ali Mohammad Naini unmissverständlich mitgeteilt, dass Iran in der Lage sei, diesen Krieg noch mindestens sechs weitere Monate mit gleicher Intensität zu führen. Was mehr ist als eine Drohung: Es ist eine Lagebeschreibung. Überprüfbar? Kaum. Naini erklärte zudem, dass Iran in den ersten Kriegstagen überwiegend Raketen aus den Jahren 2010 bis 2014 eingesetzt habe. Was in den letzten zehn Jahren produziert wurde, wurde noch nicht gebraucht. Wie viel es sich hierbei um Propaganda handelt und wie viel um Wahrheit, lässt sich schwer überprüfen. Was wir jedoch sehen, ist, dass das Regime fest im Sattel sitzt – leider.“
Trump hingegen behauptete vor Journalisten, Irans Raketenkapazität sei auf etwa zehn Prozent reduziert worden, möglicherweise weniger. Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei antwortete darauf lapidar aus Teheran: „Sie sollen ruhig in ihren Illusionen verweilen.“

Das ist nicht nur Rhetorik. Das ist ein Hinweis auf etwas Strukturelles, das man nicht mit Arroganz abtun sollte. Iran hat diesen Krieg nicht improvisiert. Das ist der entscheidende Punkt, den Washington offenbar nie wirklich ernst genommen hat. Nach dem Zwölf-Tage-Krieg vom Juni 2025 hat Teheran seine Vergeltungsszenarien detailliert durchgespielt. Als die USA und Israel am 28. Februar angriffen, funktionierte die iranische Gegenstrategie wie ein vorbereitetes System: Befehlsgewalt wurde tief in die Hierarchie delegiert, sodass Kommandeure der Luft- und Raumfahrtabteilung der Revolutionsgarde innerhalb von Stunden Raketen und Drohnen auf vorher festgelegte Ziele abfeuern konnten – unabhängig davon, ob Kommunikationslinien unterbrochen oder Führungspersonen ausgeschaltet wurden.
Spricht man mit Einheimischen, hört man immer wieder diesen Satz: „Dies sei der Krieg, auf den Iran eine Generation lang hingearbeitet habe“.

Die Angst ist in jeder Ecke gegenwärtig
Die Trump-Regierung habe Iran behandelt, als könnte man alle paar Monate zurückkommen, das Land verwüsten und den Regimewechsel erzwingen. Irans Vorbereitung ist anderen Kalibers. Über das gesamte Gebiet verteilt befinden sich autonome Einheiten, die weiter operieren, wenn andere ausfallen. Irans unterirdische Infrastruktur besitzt zwischen 70 und 100 unterirdische Startanlagen für ballistische Raketen, viele davon in Berge eingebettet, mit schienengeführten Raketensystemen, die wie automatische Magazine funktionieren. Eine Rakete fährt in Stellung, wird abgefeuert, die nächste rückt nach. Manche dieser Anlagen verfügen über Bulldozer, die Trümmer am Eingang wegräumen, sollte dieser durch Luftangriffe blockiert werden. Fakt ist, ob es einem gefällt oder nicht gefällt: Belege hat man bisher keine dafür gesehen, die überzeugen würden, dass diese Kapazitäten ernsthaft beschädigt seien.
US-Streitkräfte haben am 10. März mehrere iranische Marineschiffe ausgeschaltet, darunter 16 Minenleger nahe der Straße von Hormus.
Die größte Überraschung dieses Krieges liegt jedoch nicht bei den Raketen. Sie liegt auf dem Wasser, genauer: an der Straße von Hormus. Sheikh Nawaf Al-Sabah, Vorstandsvorsitzender der Kuwait Petroleum Corporation, erklärte in einem Interview Anfang März, er habe nicht erwartet, dass Kuwait so konsequent ins Ziel genommen würde, und er habe auch nicht erwartet, dass Iran imstande wäre, die Straße von Hormus effektiv zu schließen. Physisch sei sie nicht blockiert, aber es fahre nichts mehr durch, weil Iran jedes Schiff bedrohe, das es versuche. Die KPC habe Tanker bereits vor dem Angriff aus dem Golf herausgezogen und Öl in der Nähe von Japan und Korea gelagert. Aber das seien Überbrückungsmaßnahmen, keine Lösung.

Die Folgen für Gesundheit und Umwelt sind überhaupt noch nicht absehbar – Schwarzer Regen über Teheran
Seit über 80 Jahren, so Al-Sabah, habe der Ölverkehr durch die Straße von Hormus nie für einen einzigen Tag aufgehört. Jetzt gebe es fünf oder sechs Tage praktisch null Verkehr. Zwanzig Prozent des weltweiten Ölangebots fließen durch diese Meerenge. Anusar Farooqi, Geopolitik- und Verteidigungsanalytiker des Policy Tensor-Newsletters, benennt das strategische Problem: Wenn die Straße von Hormus nicht wiedereröffnet werden kann, kann der Krieg nicht beendet werden. Die Vektoren, durch die Iran wirtschaftlichen Schaden zufügen kann, seien dann praktisch unbegrenzt. Die Modellrechnungen für eine dreimonatige Schließung sind katastrophal.

Was Iran dazu in die Lage versetzt, sind im Wesentlichen Shahed-Drohnen. Einfache, billige Einwegdrohnen, die für einige Zehntausend Dollar produziert werden können und von mobilen Startplattformen aus operieren. Sie haben das Sicherheitsgefüge im Golf verändert, weil sie Iran erlauben, Ziele in einem Ausmaß zu treffen, das den wirtschaftlich lebenswichtigen Seeraum faktisch lahmlegt. Die ursprüngliche US-Strategie zur Sicherung der Region, erklärt Farooqi, basierte auf der Annahme, dass man Iran die Möglichkeit nehmen könne, die Straße zu schließen. Diese Annahme ist falsch.
Die Kosten des Krieges auf amerikanischer Seite summieren sich still, aber stetig. Iran hat Radaranlagen beschädigt oder zerstört, die das Rückgrat des amerikanischen Raketenabwehrsystems bilden – AN/TPY-2- und PAC-3-Systeme für THAAD und Patriot an US-Stützpunkten in Bahrain, Kuwait, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien und Saudi-Arabien. Recherchen zeigen auf, dass die USA begonnen haben, THAAD-Komponenten aus Südkorea in den Nahen Osten zu verlagern. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung erklärte, Seoul habe Widerspruch eingelegt, könne sich aber letztlich nicht durchsetzen.
Mindestens elf MQ-9 Reaper-Drohnen wurden offiziell als über Iran abgeschossen bestätigt. Iran selbst behauptet, über 80 Drohnen abgeschossen zu haben. Das spiegelt unserer Meinung nach mehr Wunschdenken als Realität wider. Jede verlorene Drohne verringert die Fähigkeit, iranische Raketenstarts frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden. Ein Blick sollte auch auf die Logistik geworfen werden: Mit Zerstörern bestückte Abfangraketen sind endlich. Sind sie verbraucht, muss das Schiff zur Basis, neue laden – ein mehrtägiger Prozess. Iran verteilte sein Verteidigungspotenzial bewusst auf autonome Einheiten, sodass der Ausfall einer Einheit den Gesamtbetrieb nicht zum Erliegen bringt.
Irans Außenminister Abbas Araghchi hat Trumps Position in einem Satz zusammengefasst: Die USA hätten geglaubt, in zwei oder drei Tagen einen sauberen Sieg zu erringen, möglicherweise einen Regimewechsel. Das sei gescheitert, ist seine Meinung. Plan A sei gescheitert. Alle weiteren Pläne ebenfalls. „Ich glaube nicht, dass sie einen realistischen Ausweg im Kopf haben. Ich glaube, sie sind ziellos.“ Mohammad Bagher Ghalibaf, Parlamentssprecher Irans, ließ keinen Zweifel: „Wir suchen absolut keinen Waffenstillstand. Wir glauben, dass der Aggressor so getroffen werden muss, dass er eine Lektion lernt.“
Trump spricht inzwischen von einem „kurzfristigen Ausflug“. Ob er den Krieg beenden will, ist eine Frage. Ob Iran zu seinen Bedingungen zustimmt, eine ganz andere. Iran hat zweimal erlebt, wie Trump Verhandlungen ankündigte und dann massiv angriff. Ein kurzfristiger Waffenstillstand nach dem Muster des Zwölf-Tage-Krieges, so iranische Führungspersonen, kommt nicht in Frage.
Die wohl schwersten Angriffe auf Teheran fanden in der letzten Nacht statt
Und während draußen die Raketen zählen und die Strategen ihre Modelle verfeinern, leben drinnen Menschen. Und noch etwas nimmt man wahr: Es ist etwas Kleineres, Alltäglicheres, deshalb Schwereres: dass man kaum einen Schritt tun kann, ohne beobachtet zu werden. Dass die Angst, die früher schon kaum noch Grenzen kannte, diese Grenzen längst verloren hat. Das ist das Schockierende. Was als Befreiung versprochen wurde – von wem auch immer, in welcher Sprache auch immer –, hat sich in eine neue Form der Knechtschaft verwandelt. Das Regime der Mullahs ist nicht gebrochen. Es hat sich, unter dem Druck von außen, nach innen verhärtet. Und die Zivilbevölkerung trägt das, was kein Satellit aufnimmt und keine Abfangrakete trifft: die täglich wachsende Last, in einem Land zu leben, das seinen eigenen Menschen nicht traut. Der Krieg geht weiter. Und wer ihn zuerst zu erklären suchte, sucht jetzt einen Ausweg.
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