Der Champion der schönen Kohle

VonRainer Hofmann

Februar 12, 2026

Es gibt diese Momente, in denen sich ein Land selbst lächerlich macht – ganz ohne Hilfe von außen. Der Präsident der Vereinigten Staaten steht im Weißen Haus, zwischen Flaggen, Scheinwerfern und lächelnden Lobbyisten, und nimmt eine Trophäe entgegen, die eigens für ihn erfunden wurde: „Undisputed Champion of Beautiful Clean Coal“. Unangefochtener Champion der schönen, sauberen Kohle. Auf der Spitze thront ein bronzener Bergmann. Unten glänzt die Gravur. Und irgendwo zwischen Applaus und Blitzlicht stirbt der letzte Rest Selbstironie.

„Glückwunsch, Donald Trump, zum Gewinn der ersten Trophäe als ‚Unangefochtener Champion der wunderschönen, sauberen Kohle

„Saubere, schöne Kohle. Wir lieben saubere, schöne Kohle, nicht wahr?“ fragt er in den Raum, als handele es sich um eine neue Eissorte. Vanille, Schokolade, Klimakrise. Die Männer mit den Helmen nicken. Sie heizen unsere Häuser, befeuern unsere Fabriken, verwandeln Natur in Reichtum und Träume, sagt er. Und man fragt sich kurz, ob Träume inzwischen auch Feinstaubwerte haben. Er habe den Krieg gegen die Kohle beendet, verkündet er stolz. Ein Krieg, den vor allem die Physik führt. Moleküle lassen sich nicht per Dekret umbenennen. CO₂ bleibt CO₂, auch wenn man „beautiful“ davorsetzt. Aber in diesem Saal genügt ein Adjektiv, um aus einem Auslaufmodell eine Heldensaga zu machen. Wer braucht Paris, wenn man Bronze hat?

„Ich bin stolz, offiziell zum undithput = ?????… also zum – wann kam das eigentlich raus, Herr Speaker?“

Überreicht wird die Trophäe von einem Energie-CEO, umringt von einem Club, der sich der Liebe zur Kohle verschrieben hat. Ein Förderverein für fossile Nostalgie. Man hätte fast erwartet, dass noch ein Orden folgt: Ritter vom Heiligen Schornstein. Es ist nicht die erste Auszeichnung dieser Art. Da war dieser eigens geschaffene FIFA-Friedenspreis, überreicht im Glanz eines Galaabends, kurz nachdem der echte Nobelpreis wieder einmal woanders gelandet war. Fotos zeigten einen Präsidenten, der lächelt wie ein Kind mit Zuckerwatte. „Eine schöne Medaille, die Sie überall tragen können“, sagte der Funktionär. Man stellte sich vor, wie sie klimpert, wenn er die nächste Zollankündigung unterschreibt.

„Der vermutlich peinlichste Moment der FIFA-Geschichte“

Und dann die Sache mit dem echten Nobelpreis. Die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado bot ihm ihren an. Ein Angebot wie ein diplomatischer Blumenstrauß. Die Nobel-Stiftung erklärte nüchtern, Preise seien weder übertragbar noch widerrufbar. Manche Dinge bleiben endgültig. Physik zum Beispiel. Und Entscheidungen aus Oslo.

Inzwischen wächst die Sammlung. Glasplaketten mit Goldsockel. Friedensmedaillen. Kohle-Trophäen. Eine Vitrine voller Selbstbestätigungen. Es fehlt nur noch der „„Großmeister der alternativen Luft““. Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: Während Wälder brennen, Meere steigen und Städte sich auf Hitzerekorde einstellen, feiert man im Weißen Haus die Ästhetik eines Brennstoffs aus dem 19. Jahrhundert. Man poliert eine Statue, während draußen die Welt lüftet. Und irgendwo in einem Kohlekraftwerk dreht sich eine Turbine und denkt sich wahrscheinlich: Wenn das hier schön sein soll, möchte ich nicht wissen, wie hässlich aussieht.

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Dan Dare
Dan Dare
4 Stunden zuvor

Das ist keine Demokratie mehr, das ist ein Arschleckerwettbewerb!

Carolina
Carolina
2 Stunden zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Ich hab mir heute mal den Ausschuss mit Pam Bondi angesehen. Da hat man das Gefühl in einer Parallel Welt zu leben. Donald Trump wäre der beste Präsident und die Regierung die Transparenteste ever. Die sind alles so Trump affine, sowas muss doch man in der Bevölkerung bemerkt werden.

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