Pete Hegseth hat eine Antwort auf seine drohende Amtsenthebung gefunden: Er beschimpft den Abgeordneten, der sie betreibt. Am 5. November 2026 veröffentlichte der amerikanische Verteidigungsminister eine Videobotschaft, in der er den Iran-Krieg als historische Leistung feiert und mindestens 350 Milliarden Dollar zusätzliche Militärausgaben verlangt. Zwei Tage zuvor hatten die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kongresskammern verloren. Hegseth spricht über diese politische Katastrophe mit der Selbstgewissheit eines Feldherrn, der die Schlacht gewonnen hat. Die Wirklichkeit scheint im Pentagon inzwischen eine Frage der persönlichen Zustimmung zu sein.
Ein Minister zwischen Größenwahn und Amtsenthebung
Sein besonderer Zorn gilt Thomas Massie. Den republikanischen Abgeordneten aus Kentucky bezeichnet Hegseth als „verbitterten, abgewählten Kongressabgeordneten“, der gemeinsam mit seinen demokratischen Verbündeten völlig haltlose Amtsenthebungsanträge gegen ihn eingebracht habe. Dieselbe Methode hätten die Demokraten bereits 2 Mal gegen Donald Trump angewandt. Ihre Politik funktioniere nicht, deshalb versuchten sie, ihre Gegner persönlich zu vernichten. Bei Trump sei das gescheitert, bei ihm werde es ebenfalls scheitern. So einfach lässt sich parlamentarische Kontrolle zur persönlichen Verfolgung erklären, wenn man sich selbst für unantastbar hält.
Massie hat allerdings einen 34 Seiten umfassenden Antrag mit acht Anklagepunkten vorgelegt. Darin wirft er Hegseth unter anderem vor, den Krieg gegen Iran ohne die erforderliche Zustimmung des Kongresses geführt und nach Ablauf gesetzlicher Fristen fortgesetzt zu haben. Weitere Vorwürfe betreffen militärische Angriffe in internationalen Gewässern und die Missachtung des Schutzes von Zivilisten. Auch die Einschüchterung politischer Kritiker wird angeführt. Über diese Anschuldigungen müsste sich ein Minister verantworten, dessen Amt an die amerikanische Verfassung gebunden ist. Hegseth zieht es vor, den Mann zu beleidigen, der ihre Einhaltung verlangt.
Während Massie Rechtsverletzungen geltend macht, erklärt Hegseth seinen Krieg gegen Iran zum historischen Unternehmen. Die militärische Kampagne sei mutig und werde gewährleisten, dass Teheran niemals Atomwaffen erhalte. Vizepräsident JD Vance hatte unmittelbar nach den Wahlen den Krieg als Ursache der republikanischen Niederlage bezeichnet. Hegseth lässt sich davon nicht beeindrucken. Was das Land politisch erschüttert, erscheint in seiner Darstellung als persönlicher Triumph. Der Unterschied zwischen militärischer Macht und politischer Vernunft könnte kaum deutlicher ausfallen.
Und der Minister hat eine weitere Forderung. Mindestens 350 Milliarden Dollar zusätzlich soll der Kongress für die amerikanischen Streitkräfte bewilligen. Zugleich wirbt Hegseth für einen Verteidigungshaushalt von insgesamt 1,5 Billionen Dollar. Die Vereinigten Staaten müssten ihre militärische Überlegenheit sichern. Ausgerechnet jenes Parlament, dessen Kontrollversuche er als zerstörerische Politik verunglimpft, soll ihm dafür gewaltige Summen anvertrauen. Bei der Finanzierung ist die Volksvertretung willkommen. Sobald sie Fragen zur Rechtmäßigkeit seines Handelns stellt, wird sie zum Feind.
Auch seine Bilanz des Umbaus der Streitkräfte trägt Hegseth mit demonstrativem Stolz vor. Die Entfernung hoher Militärführer und die Abschaffung von Programmen für Vielfalt und Gleichberechtigung zählt er zu seinen Erfolgen. Derartige Programme bezeichnet er als marxistisch. Transgeschlechtlichkeit erklärt er zur psychischen Erkrankung, die mit dem Militärdienst unvereinbar sei. Männer und Frauen hätten im Militär dieselben Maßstäbe zu erfüllen. Klimapolitik gehöre dort ebenfalls nicht hin. Seine Vorstellung militärischer Stärke beginnt mit der Entscheidung, welche Menschen er aus den Streitkräften ausschließen will.
Seinen Soldaten empfiehlt Hegseth, sich durch die politischen Auseinandersetzungen nicht ablenken zu lassen. Das Ministerium habe unter Trump seine Stärke zurückgewonnen. Die Angriffe gegen ihn seien gerade der Beweis, wie erfolgreich seine Arbeit sei. Zum Abschluss beruft er sich auf Trumps Verhalten nach dem Attentatsversuch von 2024 und verspricht, weiterzukämpfen.
Massie will den Amtsenthebungsantrag kommende Woche erneut zur Abstimmung bringen. Trump hält vorerst an seinem Minister fest. Ab Januar erhalten die Demokraten die parlamentarische Macht, Hegseths Entscheidungen umfassend untersuchen zu lassen. Seine Videobotschaft verrät bereits, wie er sich diese Auseinandersetzung vorstellt: Der Minister verlangt Gehorsam, während er sich selbst über jede Kritik erhebt. Die Verfassung der Vereinigten Staaten enthält für diese Art von Selbstverständnis allerdings keine Ausnahme.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English