Im Europaparlament in Straßburg ist seit dieser Woche ein nackter, vergoldeter Donald Trump zu sehen. Die Figur trägt den Titel „Die orange Pest, König der Ungerechtigkeit“ und stammt vom dänischen Bildhauer Jens Galschiøt. Rund 2,4 Meter hoch, von oben bis unten mit 23-karätigem Blattgold überzogen, steht der Präsident auf den Schultern eines viel kleineren Mannes, der unter der Last zusammensackt. In der einen Hand hält der goldene Trump einen Golfschläger und dazu eine Weltkugel. In der anderen eine Waage. Der Mann, der über Recht und Unrecht wachen sollte, spielt mit dem Planeten Golf. Die Waage, das alte Zeichen der Gerechtigkeit, hängt dekorativ daneben, als bloßes Zubehör.
Ausgerechnet das Gold trifft. Trump lässt seine Türme und Amtszimmer vergolden, und hier wird ihm die Vorliebe zurückgeworfen, diesmal als Urteil. Der Glanz, den er sucht, legt sich über eine Figur, die auf einem anderen lastet. Prunk und Schaden tragen dieselbe Oberfläche.

Auf dem Sockel ist ein Versprechen eingelassen, das die Figur dem „König der Ungerechtigkeit“ in den Mund legt. „Ich sitze auf dem Rücken eines Mannes. Er sinkt unter meiner Last. Ich werde alles tun, um ihm zu helfen. Nur nicht von seinem Rücken steigen.“ Vier Sätze, die die ganze Logik einer Herrschaft fassen, die sich für Fürsorge hält, solange der andere trägt. Galschiøt, seit Jahrzehnten bekannt für politische Skulpturen, nennt das Werk einen satirischen Aufschrei gegen die Sprunghaftigkeit amerikanischer Klima- und Außenpolitik. Trump sei „eine der größten Gefahren für die regelbasierte Weltordnung, die demokratischen Werte und unseren gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise“, erklärte er. Man müsse das benennen und sich gemeinsam gegen einen derart zerstörerischen Einfluss stellen.
Die Figur greift eine ältere Arbeit des Künstlers auf, „Survival of the Fattest“. Dort trägt ein ausgehungerter Junge eine überernährte Frau, ein Bild für die Ungleichheit der Welt. In Straßburg hat die Frau einen Namen bekommen und ein Amt dazu. Die Erde liegt oben als Spielball, die Rechnung dafür reicht nach unten durch, zu dem, der sie schleppt. Der Hunger unten bleibt, nur das Gewicht oben glänzt jetzt. Der dänische Europaabgeordnete Per Clausen begrüßte die Enthüllung. Einer, den eine Skulptur derart überfordere, sei in der Welt der Politik fehl am Platz, meinte er. Eine Spitze gegen die bekannte Dünnhäutigkeit des Mannes, den sie hier in Gold zeigen und der jede Kränkung heimzahlt. Dass ein gewähltes Haus in Europa einen amtierenden amerikanischen Präsidenten so ausstellt und ein Abgeordneter es offen lobt, sagt über das Verhältnis zu Washington mehr als manche diplomatische Erklärung.
Neu ist der nackte Trump nicht. Vor der Wahl 2024 tourte eine rund 13 Meter hohe Figur des Republikaners durch die umkämpften Bundesstaaten Nevada, Arizona, Wisconsin und Michigan. Damals war es Wahlkampf von unten, Spott als Gegengewicht zur Macht. Jetzt rückt die kleinere Fassung ins Herz europäischer Gesetzgebung, und das trägt den Spott vom Straßenrand in den Saal, in dem über die Beziehungen zu den USA entschieden wird.
Eine vergoldete Figur verändert keine Politik. Sie zwingt nur für einen Moment zum Hinsehen, ehe der Blick weiterzieht. Der Mann unten trägt weiter, der Mann oben glänzt weiter. Und irgendwo zwischen dem Golfschläger und der ungenutzten Waage liegt die Frage, wie lange ein Rücken hält, auf dem eine ganze Ordnung ihr Gewicht abgelegt hat.
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