Es gibt Drohungen, die weniger über ihr Ziel verraten als über den, der sie ausspricht. Am Dienstag kündigte Donald Trump an, den Krieg gegen den Iran dorthin zurückzuführen, wo er begann, mit einem bunkerbrechenden Schlag gegen eine Nuklearanlage. Man werde dieses Gebiet wohl bald treffen, sagte er beim Besuch des libanesischen Präsidenten Joseph Aoun, und der Iran könne nicht das Geringste dagegen tun. Der Berg, den er meint, trägt bei westlichen Diensten den Namen Pickaxe Mountain, und das Bemerkenswerteste an ihm ist, dass er leer sein dürfte.
Frage: „Glauben Sie, dass der Iran Nuklearzentrifugen in den Pickaxe Mountain verlegt hat?“
Trump: „Alles, was wir tun, ist, die Fake News zu lesen. Vielleicht haben sie dieses Mal recht. Aber das ist schon in Ordnung. Das bedeutet gar nichts, solange sie nicht das Material haben. Wir werden dieses Gebiet schon sehr bald und mit voller Härte angreifen.“
Kein Experte glaubt, dass unter diesem Berg jene Anlagen arbeiten, die Uran anreichern und in Bombenstoff verwandeln, wie in den 3 großen Nuklearanlagen, die Trump im Juni 2025 bombardieren ließ. Internationale Inspektoren halten es für unwahrscheinlich, dass dort nennenswertes Uran lagert. Bestenfalls, so die Einschätzung, liegen unter dem Gestein Teile von Zentrifugen oder komplette Maschinen, ein hartes Ziel selbst für die größten bunkerbrechenden Bomben des amerikanischen Arsenals. Ein tiefes Lager also, kein Herzstück. Doch für einen Präsidenten, der an einem Wendepunkt seines Krieges steht, macht es kaum einen Unterschied, ob der Berg leer ist oder nicht. Es geht ihm nicht um das Uran, es geht ihm um die Botschaft, dass seine Bereitschaft zur Eskalation keine Grenze kenne.
Diese Botschaft aber verdeckt eine Ratlosigkeit, die sich am selben Nachmittag im Senat zeigte. Denn der Krieg, seit dem 28. Februar geführt, hat die bedingungslose Kapitulation, die Trump einst verlangte, nicht erzwungen. Dieselbe Strategie, die Blockade im Persischen Golf, die Schläge gegen Brücken, Kraftwerke und Küstenstellungen, war schon in den ersten 38 Kriegstagen gescheitert, und niemand in der Regierung kann erklären, warum sie beim zweiten Mal gelingen sollte. Verteidigungsminister Pete Hegseth wich vor dem Ausschuss den Fragen der demokratischen Senatoren aus und drohte stattdessen. Schieße der Iran auf Handelsschiffe, werde man ihn zehnmal härter treffen.
An dieser Stelle lohnt ein alter Gedanke über die Natur der Drohung. Wer stark ist, muss nicht drohen, er handelt. Die Drohung ist die Sprache dessen, der wirken will, ohne die Kraft zum Wirken zu besitzen, ein Ersatz der Tat durch das Wort. Je lauter einer ankündigt, was er dem anderen antun werde, desto deutlicher gesteht er, dass die Tat allein nicht mehr genügt. Trumps Berg ist das steinerne Sinnbild dieser Schwäche. Man bombardiert ein leeres Lager, um die Illusion einer Stärke zu nähren, die auf dem Schlachtfeld längst zerbröselt ist.
Peters: „Gewinnen Sie diesen Krieg! Unsere Soldatinnen und Soldaten brauchen Führung! Wann werden Sie endlich Führungsstärke zeigen?!“ Hegseth: „Warum zeigen nicht Sie endlich Führungsstärke und stellen sich Ihren demokratischen Kollegen entgegen, die unseren Soldatinnen und Soldaten die Finanzierung verweigern? Die parteipolitische Spielchen spielen, während Sie uns das Geld vorenthalten!“ Peters: „Sie sind das Versagen. Wann werden Sie endlich Führungsstärke zeigen?“ Hegseth: „Sie leiden am Trump-Derangement-Syndrom und sind nicht einmal in der Lage, sich zu irgendetwas Sinnvollem zu bekennen. Dafür mache ich Sie verantwortlich.“
Auch die Zahlen, die Hegseth vorlegte, sprechen ihre eigene Sprache. Die bisherigen Kosten des Krieges bezifferte er auf 37,5 Milliarden Dollar, verlangte für die Fortsetzung aber beinahe das Doppelte. Und er nutzte den sich ausweitenden Konflikt, um eine Erhöhung des Verteidigungshaushalts auf 1,5 Billionen Dollar zu fordern, ein Sprung von mehr als 50 Prozent in einem einzigen Jahr. Eine breitere Begründung dafür blieb er schuldig. Stattdessen schob er die Schuld auf die Regierung Bidens, er wisse nicht, was sein Vorgänger Lloyd Austin 4 Jahre lang getan habe, das Ausmaß an Vernachlässigung sei erschütternd gewesen. Es ist ein seltener Angriff eines Ministers auf den anderen, und ein pikanter dazu. Austin schied als Viersternegeneral und Befehlshaber des Regionalkommandos, das die amerikanischen Anstrengungen im Nahen Osten leitete. Hegseth verließ das Militär als Major der Reserve. Der Senator Jack Reed nannte die Ausflüchte eine sehr offensichtliche Ausrede für das, was wohl grobe Fahrlässigkeit sei.
Wie brüchig die eigenen Erfolgsmeldungen sind, offenbarte eine weitere Frage. Die Senatorin Patty Murray erinnerte Hegseth an seine Aussage vor Monaten, ein Großteil des iranischen Raketenarsenals sei praktisch zerstört. Wie das zu den fortgesetzten Angriffen auf Jordanien, die Emirate, Kuwait und sogar Katar passe, das zwischen beiden Seiten vermittelt. Hegseth wich aus, nannte den Iran einen Terrorstaat und beteuerte, die Iraner seien in ihrer schlechtesten Lage aller Zeiten. Zugleich räumte er ein, sie verfügten zweifellos noch über Fähigkeiten. Ein Arsenal, das zerstört ist und dennoch feuert, ist entweder nicht zerstört oder das Feuer kommt von woanders. Beides wäre eine Auskunft.
Trump selbst suchte die Rechtfertigung in der Geschichte, und geriet dabei an ihre Ränder. Auf den sozialen Netzwerken rief er den Amerikanern Geduld zu und rechnete vor, der Afghanistankrieg habe 20 Jahre und 2.000 Tote gekostet, der Irakkrieg 9 Jahre und 4.600, Vietnam mehr als 19 Jahre und 58.220. Dagegen stellte er seinen eigenen Feldzug gegen Venezuela, 1 Tag, 0 Tote, obwohl die Ergreifung des Präsidenten Nicolás Maduro kaum ein Krieg zu nennen ist. Es ist die Buchhaltung eines Mannes, der den Tod in Spalten sortiert und hofft, die eigene Spalte bleibe leer.
Wie weit dieser Mann sich von der Wirklichkeit entfernt hat, offenbarte ein Wortwechsel mit einem Reporter, der schärfer wirkt als jede Analyse. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass der Iran bereit sei, die Kämpfe einzustellen, hielt der Journalist ihm vor, wie also sehe der Plan aus. Trumps Antwort war eine Gegenfrage. Woher Sie wüssten, dass es keine Anzeichen gebe, wissen Sie etwas, was ich nicht weiß. Der Reporter blieb hart. Der Iran greife weiter die Verbündeten an und töte Amerikaner. Und Trump, ungerührt: Sie wollten sich unbedingt mit uns treffen, um den Krieg zu beenden, das bekomme man eben nicht mit, wenn man seinen Fake-Sender schaue, man wisse überhaupt nichts.
Frage: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Iran bereit ist, die Kämpfe einzustellen. Wie sieht also der Plan aus?“
Trump: „Woher wissen Sie, dass es keine Anzeichen gibt? Wissen Sie etwas, was ich nicht weiß?“
Frage: „Sie greifen weiterhin unsere Verbündeten an und töten Amerikaner.“
Trump: „Sie wollen sich unbedingt mit uns treffen, um den Krieg zu beenden. Das bekommen Sie eben nicht mit, wenn Sie Ihren Fake-Sender schauen. Sie wissen überhaupt nichts.“
Man lese diesen Austausch neben die Wirklichkeit derselben Woche, die 10. Angriffsnacht, die toten Soldaten, die beschossenen Golfstaaten. Ein Reporter nennt dem Präsidenten die Anzeichen des Krieges beim Namen, und der Präsident bestreitet sie, beruft sich auf ein Treffen, das niemand bestätigt, und weicht in die Beschimpfung eines Senders aus. Es ist der Moment, in dem die Drohung nicht mehr nur die Schwäche verdeckt, sondern den Verlust jeder Bodenhaftung. Die halbe Welt hängt an den Entscheidungen eines Mannes, der den Streit mit einem Journalisten für dringlicher hält als die Frage, wie sein Krieg enden soll.
Sollte Trump seine Drohung wahr machen, wäre es der erste Schlag gegen eine bedeutende Nuklearanlage seit dem 28. Februar. Bislang blieben diese Anlagen verschont, vielleicht weil ihre weitere Zerstörung es nur erschweren würde, das angereicherte Uran je aus dem Land zu schaffen, sollte es den Vereinigten Staaten damit ernst sein. So bliebe am Ende ein Angriff auf einen Berg, unter dem kaum etwas liegt, geführt von einem Präsidenten, dem die Drohung zur letzten Waffe geworden ist. Der Berg heißt Spitzhacke. Man schlägt auf Stein, weil das eigentliche Ziel sich nicht treffen lässt.
Am Ende bleibt ein Donfather, der auf einen leeren Berg schießt, um zu verbergen, dass er den Krieg, den er begann, nicht mehr zu beenden weiß.
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Ich fürchte, die Eskalationsspirale wird kein Ende nehmen. Trump ist offenbar in der selben Lage wie Putin mit dem Krieg in der Ukraine. Beide sitzen in ihrem goldenen Palast und haben irgendwelche Knallchargen um sich, die ihnen nach dem Mund reden und nur das sagen, was sie hören wollen. Die Realität wird ausgeblendet, die Nation leidet darunter. Die Frage ist nur, wer in seinem Wahn zuerst den roten Knopf drückt.
…aktuell ein verzwickte situation, aber es ist viel Gegenwehr – das läuft in US anders und mittlerweile, so traurig das klingt, ist das schon fast Untergrundarbeit