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Er war Tourist, kein Migrant: Der Mann, den ICE in Florida in den Tod trieb, hatte ein Visum und ein Rückflugticket

VonTEAM KAIZEN BLOG

22. Juli 2026

St. Augustine, FL (KB) – Wir haben vor einigen Tagen auch über diesen Todesfall am 14. Juli in Florida berichtet, damals noch als längere Meldung über einen namenlosen Mann, der auf der Flucht vor Einwanderungsbeamten von einem Sattelzug erfasst wurde. Unsere Recherchen waren zu jenem Zeitpunkt nicht abgeschlossen, und die Behörden hüllten sich in Schweigen. Inzwischen hat der Tote einen Namen, eine Familie und eine Geschichte, und diese Geschichte stellt die amtliche Version auf den Kopf.

Der Mann war kein Migrant. Er war Tourist.

Juan Jairo Coronilla Durán, 28 Jahre alt, stammte aus San Luis de la Paz im mittelmexikanischen Bundesstaat Guanajuato, wo er ein Restaurant führte. Am 14. Juli starb er in St. Augustine an der Ostküste Floridas, nachdem er nach Angaben der Behörden über eine belebte Straße gerannt und in die Bahn eines Lastwagens geraten war. Nach Recherchen ist jetzt klar, Juan Jairo Coronilla Durán hielt sich mit einem gültigen Touristenvisum im Land auf und hatte für den folgenden Samstag den Rückflug in seine Heimat gebucht. Er wollte nicht in den Vereinigten Staaten bleiben. Er wollte weder seine Kinder noch seine Frau verlassen.

Lesen Sie auch unseren Artikel: In Florida stirbt der 3. Mensch binnen einer Woche bei einem ICE-Einsatz

Man muss sich die Zeitrechnung dieses Lebens vor Augen führen, um die Ungeheuerlichkeit zu ermessen. 3 Wochen war Coronilla im Land, zunächst bei Freunden in Georgia, dann für wenige Tage an den Stränden Floridas. 2 Tage vor seinem geplanten Rückflug war er tot. Ein Mann, der gekommen war, um Verwandte zu besuchen und das Meer zu sehen, verendete unter einem Sattelzug, gejagt von Beamten eines Staates, in dem er zu Gast war. Er hinterlässt eine Frau, mit der er 10 Jahre verheiratet war, und 2 kleine Kinder, einen 7-jährigen Sohn und eine erst 7 Monate alte Tochter.

Was an jenem Morgen geschah, bleibt in einigen Zügen unscharf, doch die Umrisse sind deutlich. Kurz vor 7 Uhr hielt ein Wagen mit 4 Insassen auf dem Parkplatz einer Tankstelle, einer Filiale der Kette Wawa. Bei einer Begegnung mit Beamten der Einwanderungsbehörde ICE und Ermittlern des Heimatschutzes flohen alle 4 zu Fuß. Coronilla rannte über die Straße, in den Tod. Was die Begegnung auslöste und was aus den 3 anderen wurde, ist bis heute nur teilweise bekannt. Unsere Recherchen und die Befragung von Zeugen ergaben jedoch, dass er die Lage und die Anweisungen nicht verstand, während die Beamten zusehends aggressiv auftraten. „Juan Jairo Coronilla Durán sei sehr verängstigt gewesen, und darum sei er gerannt“, sagten Augenzeugen unabhängig aus. Trotz seines gültigen Visums fürchtete er, man werde ihn irrtümlich festnehmen. Es ist eine Angst, die der Logik nicht folgt, und gerade darin liegt ihre Wahrheit. Wer im Recht ist und dennoch bedroht wird, verliert oft ebenjene Ruhe, die ihn schützen würde. Dass selbst Menschen mit gültigen Papieren unter Druck in blinde Flucht geraten, ist uns wieder und wieder begegnet, und je härter die Beamten auftreten, desto sicherer treiben sie den Unschuldigen genau in das Verhalten, das ihn verdächtig erscheinen lässt. Die Behörden schweigen und verweisen auf die laufenden Ermittlungen.

Sara Atkinson, 42 Jahre alt und Tiermedizinische Fachkraft, sah den Mann an ihrem Auto vorbeirennen, ehe ihn der Lastwagen auf der Gegenfahrbahn erfasste. Sie hielt an, eilte zu ihm, versuchte verzweifelt eine Herzdruckmassage und flehte ihn an, weiterzukämpfen, bis die Sanitäter kamen und er seinen Verletzungen erlag. Seine Familie solle wissen, dass er nicht allein gestorben sei, sagte sie unter Tränen, sie sei bei ihm gewesen. Und sie berichtete etwas, das die behördliche Erzählung von der bloßen Flucht ergänzt. Ein uniformierter Deputy des St. Johns County habe den Mann in seinem Streifenwagen verfolgt, als dieser über die Straße lief. Auf die Frage, ob ein Beamter beteiligt war, antwortete die Polizei des Countys nicht.

Seine Ehefrau Yésica Alamilla López reiste nach Florida, um den Leichnam ihres Mannes zu identifizieren und die Rückführung nach Mexiko zu organisieren. Unterstützt wird sie dabei vom Colectivo Árbol und dem mexikanischen Konsulat.

An dieser Stelle lohnt ein Gedanke, der älter ist als jede Einwanderungspolitik. Es geht um die Figur des Gastes, und der Umgang mit ihr galt lange als Gradmesser einer Zivilisation. In den alten Kulturen des Mittelmeers stand der Fremde, der an die Tür klopfte, unter dem Schutz der Götter selbst, und ihn zu misshandeln war Frevel. Wer einen Gast aufnimmt, übernimmt eine Pflicht, ihm nichts geschehen zu lassen, solange er unter dem eigenen Dach weilt. Ein Staat, der einen Touristen mit gültigem Visum und Rückflugticket über eine Schnellstraße hetzt, bis ihn ein Lastwagen tötet, hat diese uralte Pflicht nicht nur verletzt. Er hat sie vergessen. Und ein Gemeinwesen, das den Gast nicht mehr vom Eindringling zu unterscheiden vermag, hat aufgehört, zwischen Recht und Verdacht zu trennen.

Coronillas Witwe, hier am Flughafen Orlando, kam aus Mexiko, um den Leichnam ihres Mannes zu holen, und richtet nun mit dem mexikanischen Konsulat in Orlando die Überführung her. Sie versteht nicht, was geschah.

Juan Jairo Coronilla Durán

Denn Coronillas Tod steht nicht allein, er ist der dritte binnen einer Woche, und die anderen 2 waren keine Unfälle, sondern Schüsse. In Houston im Bundesstaat Texas erschoss ein Beamter der ICE am 7. Juli den mexikanischen Bauunternehmer Lorenzo Araujo Salgado bei einer Verkehrskontrolle, in Biddeford im Bundesstaat Maine traf es kurz darauf einen Kolumbianer. In beiden Fällen sprach der Heimatschutz von Notwehr, in beiden Fällen existiert bis heute kein Video, keine Beweise. Recherchen decken knallhart jede Lüge der Behörden auf, und es sind mittlerweile sehr viele. So häuft sich in wenigen Tagen eine Reihe von Toten, die die Behörden als Kette bedauerlicher Einzelfälle darstellen, und die doch die Handschrift einer Methode trägt. Wie sehr es eine Methode ist, verrät eine einzige Zahl.

Im Juni nahm ICE 43.138 Migranten fest, so viele wie in keinem Monat zuvor, und die Mehrheit von ihnen hatte kein Vorstrafenregister.

Wer in solchem Tempo greift, greift nicht mehr gezielt, sondern in die Menge, und wer in die Menge greift, trifft mehr und mehr die Falschen. Coronilla, der Tourist, und Johan Sebastián Durán Guerrero und Araujo Salgado, die man mit anderen verwechselte, sind die Namen, die dieser Statistik aktuell ihr Gesicht geben. Aktuell bearbeiten wir 18 Todesfälle und mehr als 1.500 Fälle inhaftierter Menschen. Jeder einzelne Fall wirft neue Fragen auf. Denn was in Amerika geschieht, ist keine ferne Angelegenheit. Es ist die Vorführung einer Methode, die auch in Europa viele Anhänger hat, dort, wo Parteien den Schutz des Rechts an die Herkunft knüpfen wollen. Man muss diese Bilder nur einmal gesehen haben, um zu wissen, dass die Hand, die so regiert, das Zepter nie hätte bekommen dürfen. Und in Europa liegt es noch bei den Wählern, das zu verhindern. Auch aus diesem Grund dokumentieren wir unsere Arbeit für europäische Leserinnen und Leser.

Joan Sebastian Guerrero, seine Ehefrau Karolina Rojas und ihre Tochter

Lesen Sie auch unsere Artikel: ICE: Sie wussten ganz genau, wen sie bewaffnen. Sie taten es trotzdem

Lorenzo Salgado Araujo

„Ihr wolltet abhauen, was?“ sagte der Beamte, während der Mann verblutete

Der Fall aus Houston erreichte einen weiteren traurigen Höhepunkt, weil sich dort die Wahrheit gerade gegen ihre Verdunkelung wehrt. Araujo Salgado, 52 Jahre alt und Vater von 3 Kindern, lebte seit 35 Jahren im Land, stand kurz vor der Legalisierung seines Aufenthalts und hatte kein bekanntes Vorstrafenregister. Der Heimatschutz behauptete, er habe versucht, einen Beamten zu überfahren. Ein Bundesstaatsanwalt in Texas erklärte hingegen, die Beamten hätten in Wahrheit 2 guatemaltekische Männer im Visier gehabt, die einen ähnlichen Wagen fuhren. Man tötete einen Unschuldigen – wobei selbst Schuld das Töten nicht rechtfertigt.

Wie sehr die Behörden in diesem Fall nach Belastungsmaterial suchten, zeigt eine Einzelheit, die schwer zu ertragen ist. Das FBI durchsuchte Araujo Salgados Fahrzeug nach verbotenen Substanzen und behauptete, mehrere kleine Tüten enthielten ein weißes Pulver, das wie Methamphetamin aussehe. Der Anwalt seines Bruders klärte auf, es habe sich um eine Salzmischung gehandelt, mit der die Männer bei der harten Arbeit in der texanischen Hitze ihren Elektrolythaushalt aufrechterhielten. Aus dem Schweiß von Bauarbeitern wurde so beinahe ein Drogenfund.

Nun aber konnte erreicht werden, dass ein Gericht dem Vorgehen eine Grenze gesetzt hat. Der Bundesrichter Keith Ellison untersagte am Montag die Abschiebung von Jose Trinidad Rojas Pliego, einem der 3 Mitfahrer und Zeugen der Erschießung. Rojas Pliego müsse im südlichen Bezirk von Texas bleiben, solange seine Haftbeschwerde anhängig sei, denn er sehe sich verfassungswidrig in Gewahrsam der ICE. Das Heimatschutzministerium erklärte, man werde der Anordnung folgen. Es ist die schlichte Logik des Rechtsstaats, die hier obsiegt. Man kann einen Zeugen nicht außer Landes schaffen, dessen Aussage die eigene Version widerlegen könnte. Ein zweiter Mitfahrer, Daniel Tirado Pantoja, reichte am selben Tag ebenfalls Beschwerde ein, und die sehr kooperative Staatsanwaltschaft von Harris County hilft den 3 Zeugen, ein besonderes Visum für Menschen zu beantragen, die eine Ermittlung unterstützen. Ob die Einwanderungsbehörde es gewährt, steht dahin.

Wie tief die Angst inzwischen sitzt, offenbart ein letztes Detail. Der Bruder des Getöteten aus Houston, Victor Salgado, steht diese Woche selbst vor einer Anhörung zu seinem Aufenthalt. Seine Anwältin bat darum, seine noch nicht eingereichte Haftbeschwerde unter Verschluss zu halten, aus Furcht vor Vergeltung und Einschüchterung gegen seine Familie und Freunde. In einem Rechtsstaat sollte niemand fürchten müssen, dass die Suche nach Gerechtigkeit für den erschossenen Bruder zur Gefahr für den eigenen Verbleib wird.

Edgar Olalde aus Jacksonville, der Juan Jairo Coronilla Durán aus dessen Restaurant kannte

So fügen sich die drei Enden dieser Geschichte zusammen. In Florida stirbt ein Tourist, den man für einen Migranten hielt, in Texas stirbt ein Bauunternehmer, in Biddeford ein 25-jähriger Familienvater, die man mit anderen verwechselte, und in drei Fällen antwortet der Staat zuerst mit Schweigen, dann mit einer Version, die sich bei näherem Hinsehen auflöst. Juan Jairo Coronilla Durán sei sehr verängstigt gewesen, und darum sei er gerannt. Es ist der Satz, der über allem bleibt. Ein Gast, zu Tode erschreckt in einem Land, das er nur besuchen wollte. Und noch ein Satz wird Amerika 2026 prägen:

„Bitte keine Blumen mehr, denn Blumen sterben.“ Amerika, wie tief bist du gesunken.

Fortsetzung folgt …

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Observer
Observer
1 Monat vor

US sind nur noch zum 🤮! Feiges Volk von bequemen Mitläufern und Wegschauern. US wird tief, tief fallen.

Rainer Hofmann
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Observer

… das ist Amerika schon …

Köln
Köln
1 Monat vor

Es ist nur noch zum Weinen, was in diesem Land geschieht.

Ich habe die USA vor Jahren einige Male bereist, dort interessante, nette Menschen kennengelernt und die wunderschönen Landschaften und Städte bewundert und, ja, lieben gelernt.
Heutzutage???
Es ist so traurig, was aus diesem Staat in so kurzer Zeit geworden ist!

Rainer Hofmann
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Köln

…ja, das ist schon alles erschütternd

Ela Gatto
1 Monat vor

Was unterscheidet die USA 2026 von Deutschland 1936?
Kaum noch etwas.

Menschenrechte? Wer braucht die schon.
Verfassung? Nur wenn sie nützt
Gesetze, nur zum eigenen Vorteil.

Wenn ein Mensch aus Angst vor ICE sich in Gefahr begibt, dann stimmt etwas mit dem Land nicht.
Nicht mit dem Menschen, dem Touristen.

Wer eigene US-Bürger erschießt, der macht vor Migranten und Touristen nicht halt.

Echte Konsequenzen mussten weder die ICE Mitarbeiter noch die ICE Leitung tragen.

Wenn Trump es durchsetzt, dass ICE künftig ICE Vorfälle untersucht, wird es noch schlimmer.
Trumps SS wird größer, mächtiger und immer brutaler.
Dort leben viele Sadisten sich so richtig aus.

Erschreckend, wieviele moralisch degenerate Menschen es gibt.
Auch hier in Europa.
Rechtsextremismus mit all seinen furchtbaren Facetten ist auf dem Vormarsch.

Noch konnen wir aufklären und wählen gehen.

Rainer Hofmann
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Ela Gatto

… und daher muss man die schlagzahl weiter erhöhren

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