Die Rückkehr des Zweifels – Wie Donald Trump die Millennials verliert

VonRainer Hofmann

Juni 12, 2025

Donald Trump hatte sie fast für sich gewonnen – die Millennials, jene größte Generation im US-Wahlvolk. Zwischen 2020 und 2024 schrumpfte der demokratische Vorsprung in der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen auf wenige Prozentpunkte. Doch nun, ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus, kippt die Stimmung.

Laut einer neuen YouGov/Economist-Umfrage unterstützen nur noch 40 Prozent der Millennials den Präsidenten, 53 Prozent lehnen ihn ab. Noch in der Vorwoche war das Verhältnis fast ausgeglichen. Den Ausschlag gab offenbar Trumps Entscheidung, die Nationalgarde und Marines nach Los Angeles zu schicken – als Reaktion auf Proteste gegen ICE-Razzien in migrantischen Vierteln. Bilder von schwer bewaffneten Soldaten, Tränengas und verletzten Journalist:innen verbreiteten sich rasant. Für viele junge Menschen war das der Moment, in dem Hoffnung in Misstrauen umschlug.

Auch Trumps wirtschaftliche Glaubwürdigkeit schwindet. Die Zustimmung zur Wirtschaftspolitik des Präsidenten fiel unter Millennials binnen einer Woche von 43 auf 38 Prozent, beim Thema Inflation gar von 39 auf 33 Prozent – trotz stabiler Verbraucherpreise. Was zählt, ist das Gefühl: Unsicherheit, Zukunftsangst, das diffuse Empfinden, dass Trumps Versprechen auf „Erneuerung“ ins Leere laufen.

Besonders deutlich wird der Stimmungswandel bei der Einwanderungspolitik. Während sich die Gesamtbevölkerung laut Umfragen mit Trumps harten Maßnahmen arrangiert, halten 48 Prozent der Millennials seinen Kurs für überzogen. Für sie ist es keine ideologische Frage, sondern eine persönliche: Was, wenn es einen selbst trifft? Einen Freund, eine Kommilitonin, den Nachbarn?

Politikwissenschaftler sprechen von einer „Rückkehr zur Mitte“ – viele junge Wähler:innen, die 2024 Trump wählten, reagieren heute mit Ernüchterung. Seine großen Versprechen – niedrige Preise, mehr Jobs, nationale Einigkeit – stehen im Kontrast zu einer Realität aus Gewalt, Repression und Unruhe. Der Soziologe Lucas Walsh nennt es „eine stille Desillusionierung“.

Noch zeigen andere Umfragen stabile Werte für Trump, teils sogar leicht steigende. Doch in der Generation, die künftig den Ton angeben wird, verliert er spürbar an Boden. Vielleicht ist es nur eine Momentaufnahme. Vielleicht ist es aber auch der Anfang jener Bewegung, die Trump am meisten fürchtet: eine Generation, die sich abwendet – nicht aus Wut, sondern aus Enttäuschung.

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