Washington – Schon lange bevor Pete Hegseth überhaupt den Sitzungssaal betrat, lag über dem Kapitol diese gereizte Stimmung, die in Washington meist dann entsteht, wenn selbst die eigene Partei beginnt, nervös zu werden. Vor den Türen standen Demonstranten gegen den Krieg. Einige hielten Schilder hoch, andere schrien Parolen gegen Donald Trump. Im Saal selbst saßen Aktivisten mit pinken Shirts in den hinteren Reihen. Als Hegseth schließlich gemeinsam mit General Dan Caine und Pentagon-Controller Jay Hurst Platz nahm, stand plötzlich eine Frau auf, hob ihre mit Kunstblut beschmierten Hände in die Luft und schrie dem Verteidigungsminister entgegen, die amerikanische Bevölkerung unterstütze diesen Krieg nicht. Sekunden später führten Sicherheitskräfte sie aus dem Raum. Weitere Demonstranten verließen später demonstrativ die Anhörung.
Eigentlich hätte es an diesem Tag um den Pentagon-Haushalt gehen sollen – fast 1,45 Billionen Dollar für das kommende Jahr. Doch schon nach wenigen Minuten war klar, dass praktisch niemand mehr ernsthaft über normale Haushaltszahlen sprechen wollte. Der gesamte Tag drehte sich um Iran, die explodierenden Kriegskosten, die blockierte Straße von Hormus, erschöpfte Waffenlager, beschädigte US-Basen, eine Regierung ohne klaren Finanzierungsplan und die immer größere Frage, ob das Weiße Haus den Kongress inzwischen praktisch vollständig umgeht.
Auffällig war bereits Hegseths Auftakt. Anders als noch vor zwei Wochen erwähnte er den Krieg gegen Iran in seiner vorbereiteten Eröffnungsrede kaum noch. Das Weiße Haus versucht seit Tagen sichtbar, den Eindruck zu erzeugen, die Kampfhandlungen seien weitgehend vorbei. Erst vor kurzem hatte die Regierung dem Kongress offiziell erklärt, die Feindseligkeiten seien beendet.
Doch im Kapitol glaubten daran inzwischen selbst viele Republikaner nicht mehr.
Denn während Washington öffentlich von Waffenruhe spricht, stehen weiterhin rund 15.000 amerikanische Soldaten in der Region. Mehr als 20 Kriegsschiffe operieren weiter rund um die Straße von Hormus. Die amerikanische Seeblockade gegen Iran läuft unverändert. Amerikanische Kriegsschiffe mussten erst vergangene Woche erneut iranische Angriffe abfangen. Gleichzeitig spricht das Pentagon offen über neue Eskalationspläne, zusätzliche Truppenbewegungen und weitere militärische Optionen.
Und mit jeder Woche steigen die Kosten.
Pentagon-Controller Jay Hurst erklärte vor den Ausschüssen, die bisherigen Kriegsausgaben lägen inzwischen bei rund 29 Milliarden Dollar. Vor gerade einmal zwei Wochen hatte dieselbe Regierung noch von 25 Milliarden gesprochen. Vier Milliarden zusätzliche Kosten innerhalb weniger Tage. Doch selbst diese Zahl ist offenbar nur ein Teil der tatsächlichen Belastung.
Denn Hurst räumte offen ein, dass die 29 Milliarden noch nicht einmal die Schäden an amerikanischen Militärbasen im Nahen Osten enthalten. Mehr als ein Dutzend Anlagen wurden bei iranischen Raketen- und Drohnenangriffen beschädigt. Welche Basen überhaupt vollständig wiederhergestellt werden sollen, wie teuer die Reparaturen werden und ob Verbündete einen Teil der Kosten übernehmen, könne das Pentagon derzeit nicht beantworten.
Diese Aussagen sorgten im Kongress sichtbar für Unruhe.
Denn parallel dazu fordert die Regierung weiterhin zusätzliche Milliarden, ohne einen vollständigen Nachtragshaushalt vorzulegen. Demokraten und Republikaner drängten Hegseth deshalb immer wieder, endlich konkrete Zahlen einzureichen.
Der republikanische Vorsitzende des Verteidigungshaushaltsausschusses im Repräsentantenhaus, Ken Calvert, erklärte offen, der Kongress müsse endlich mit der Arbeit an einem zusätzlichen Kriegshaushalt beginnen. „Je früher, desto besser“, sagte Calvert sinngemäß. Doch Hegseth wich praktisch jeder konkreten Antwort aus.
„Was immer wir brauchen, werden wir beantragen“, erklärte er lediglich.
Wann genau. In welcher Höhe. Über welchen Mechanismus. Nichts davon beantwortete er. Immer wieder entstand dabei derselbe Eindruck – die Regierung versucht sichtbar, möglichst wenig konkrete Informationen preiszugeben, obwohl sie gleichzeitig weitere Milliarden fordert.
Besonders deutlich wurde das, als Senatorin Patty Murray Hegseth direkt fragte, wie teuer der Wiederaufbau der beschädigten Militärbasen werde. Hegseth antwortete nicht mit Zahlen. Stattdessen stellte er eine Gegenfrage: „Was kostet es, wenn Iran eine Atomwaffe bekommt?“
Im Raum wurde es kurz still.
Diese Art der Antwort zog sich später durch beinahe den gesamten Tag. Immer dann, wenn konkrete Zahlen, Zeitpläne oder strategische Details gefordert wurden, wechselte Hegseth sofort zurück zu allgemeinen Aussagen über nationale Sicherheit, amerikanische Stärke oder die Gefahr eines nuklear bewaffneten Iran. Gleichzeitig geriet die Regierung zunehmend in Widersprüche.
Denn einerseits versucht das Weiße Haus weiterhin, die Lage als Waffenruhe darzustellen. Andererseits sprach Hegseth offen darüber, dass die Vereinigten Staaten bereits neue Eskalationspläne vorbereitet hätten.
„Wir haben einen Plan zur Eskalation, falls nötig“, sagte er. Gleichzeitig habe man Pläne für Rückzüge und die Verlagerung militärischer Kräfte.
Kurz darauf bestätigte Hegseth außerdem, dass auch die amerikanischen Begleitmissionen für Handelsschiffe – das sogenannte „Project Freedom“ – jederzeit wieder vollständig aufgenommen werden könnten, falls Donald Trump dies anordne. Damit wirkte die Behauptung einer beendeten militärischen Operation immer absurder.
Besonders peinlich wurde die Situation, als Hegseth versuchte, die Waffenruhe selbst zu erklären.
„Eine Waffenruhe bedeutet größtenteils, dass das Feuer aufhört“, sagte er.
Die Aussage sorgte selbst unter Journalisten im Saal für sichtbare Irritationen. Denn gleichzeitig bestätigte das Militär längst neue Zwischenfälle, iranische Angriffe und laufende Operationen in der Region. Senatorin Lisa Murkowski sprach diesen Widerspruch schließlich direkt an.
Wenn weiterhin 15.000 amerikanische Soldaten stationiert seien, mehr als 20 Kriegsschiffe operierten und eine aktive Seeblockade laufe, könne man kaum behaupten, die Feindseligkeiten seien beendet.
„Mit anderen Worten – es sieht nicht so aus, als wären die Feindseligkeiten beendet“, sagte sie.
Murkowski gehört inzwischen zu den Republikanern, die offen kritisieren, dass die Trump-Regierung den Kongress bei diesem Krieg praktisch umgeht. Nach amerikanischem Recht benötigt ein Präsident spätestens nach 60 Tagen eigentlich eine Genehmigung des Kongresses, wenn militärische Operationen fortgesetzt werden. Das Weiße Haus argumentiert inzwischen jedoch, die Waffenruhe setze diese Frist faktisch außer Kraft. Hegseth machte dabei völlig klar, dass die Regierung keine neue Genehmigung einholen will.
Sollte Donald Trump entscheiden, den Krieg erneut massiv auszuweiten, verfüge er bereits jetzt über alle notwendigen Befugnisse. Trump habe „alle Autoritäten, die er unter Artikel Zwei braucht“. Genau diese Haltung sorgt inzwischen selbst unter Republikanern für Nervosität. Denn gleichzeitig wächst die Sorge, dass die Vereinigten Staaten militärisch immer tiefer in einen Konflikt geraten, dessen langfristige Folgen kaum noch jemand sauber erklären kann.
Besonders heftig verlief deshalb die Debatte über die Straße von Hormus.
Senatorin Susan Collins sprach offen darüber, dass amerikanische Verbraucher die Auswirkungen längst spüren. Benzinpreise steigen. Dieselpreise steigen. Heizöl wird teurer. Gleichzeitig wirke es auf sie, als ändere die Regierung beinahe täglich ihren Plan. Dann stellte Collins die Frage, die im Raum praktisch jeder hören wollte.
Hatte die Regierung überhaupt einkalkuliert, dass Iran die Straße von Hormus blockieren könnte?
General Dan Caine antwortete minutenlang, ohne die Frage tatsächlich zu beantworten. Er erklärte lediglich, das Militär prüfe grundsätzlich viele Szenarien und er wolle öffentlich nicht über Gespräche mit dem Präsidenten sprechen.
Eine direkte Antwort verweigerte er vollständig.
Später verschärfte Hegseth die Situation noch weiter.
Vor Senatoren behauptete er, die Vereinigten Staaten würden die Straße letztlich kontrollieren, weil „nichts hindurchgeht, was wir nicht zulassen“.
Die Aussage wirkte bemerkenswert, weil die Realität weiterhin anders aussieht.
Iran kontrolliert weiterhin große Teile der Bewegungen in der Region. Die Handelsroute bleibt massiv gestört. Tankerversicherungen steigen drastisch. Internationale Reedereien verändern ihre Fahrtrouten. Energiepreise reagieren beinahe täglich auf neue Zwischenfälle.
Senator Chris Coons griff Hegseth deshalb ungewöhnlich scharf an.
Immer wieder fragte Coons, wie die Regierung die Handelsroute überhaupt wieder vollständig öffnen wolle. Gleichzeitig warnte er davor, taktische Einzelerfolge mit einer funktionierenden Gesamtstrategie zu verwechseln. „Sie haben vielleicht taktische Erfolge erzielt, stehen aber kurz vor einem strategischen Verlust“, machte Coons deutlich. Hegseth reagierte zunehmend gereizt und warf Kritikern vor, amerikanische militärische Erfolge absichtlich kleinzureden.
Auch Senatorin Jeanne Shaheen geriet mit Hegseth aneinander.
Shaheen verwies darauf, dass Iran weiterhin Drohnenangriffe durchführen könne. Hegseth versuchte das herunterzuspielen und erklärte sinngemäß, es sei etwas völlig anderes, alte Drohnen „aus eingestürzten Höhlen zu ziehen“, als neue Waffen zu produzieren. Shaheen ließ das nicht gelten. Wenn Iran weiterhin über nahezu die Hälfte seiner Kapazitäten verfüge und amerikanische Soldaten oder Verbündete verletzen könne, dann habe die Regierung den Krieg eben nicht gewonnen, machte sie deutlich.
Parallel dazu wuchs auch die Sorge über die amerikanischen Waffenlager.
Hegseth behauptete mehrfach, die Diskussion über Munitionsprobleme sei „unnötig aufgeblasen“ worden. Die Vereinigten Staaten hätten genug von allem, was sie benötigten.
Doch gleichzeitig bestätigten Regierungsvertreter erneut, dass große Mengen an Raketen, Bomben und militärischer Ausrüstung aus Europa und Asien in den Nahen Osten verlegt wurden. Dadurch sinkt die Einsatzbereitschaft anderer Regionen – insbesondere mit Blick auf China und Russland.

General Caine versuchte zwar mehrfach zu beruhigen und erklärte, die Vereinigten Staaten verfügten weiterhin über genügend Munition für aktuelle Einsätze. Gleichzeitig wurde jedoch klar, dass Washington seine Produktionskapazitäten massiv ausbauen muss, um die Verluste überhaupt ausgleichen zu können.
Auch außenpolitisch zeigten sich während der Anhörungen tiefe Spannungen.
Senator Mitch McConnell hielt eine ungewöhnlich offene Rede über die Bedeutung amerikanischer Bündnisse. Ohne Donald Trump direkt zu nennen, warnte er davor, traditionelle Partner in Europa zu beschädigen. Die NATO bleibe weiterhin die wichtigste militärische Allianz der Welt.
McConnell verteidigte außerdem erneut die Unterstützung für die Ukraine und erklärte ausdrücklich, die Vereinigten Staaten könnten viel von ukrainischen Erfahrungen im Drohnenkrieg lernen.
Kurz darauf wurde auch die geplante Verlegung von 5.000 amerikanischen Soldaten aus Deutschland Thema.
Chris Coons erklärte offen, die Vereinigten Staaten sendeten damit im falschen Moment ein gefährliches Zeichen an europäische Verbündete.
Auch Senator John Kennedy meldete sich zu Wort.
Kennedy unterstützte zwar grundsätzlich den Kurs der Regierung, warnte aber gleichzeitig davor, Amerika außenpolitisch zu isolieren.
„America First muss nicht America Alone bedeuten“, erklärte er sinngemäß. Verbündete müssten ihren Anteil leisten, aber die Vereinigten Staaten bräuchten Partner.
Zusätzliche Spannungen entstanden schließlich wegen Pakistan.
Senator Lindsey Graham reagierte sichtbar wütend auf Berichte, wonach Iran Militärflugzeuge auf pakistanischen Flugfeldern untergebracht haben soll, um sie vor amerikanischen Luftangriffen zu schützen.
„Ich vertraue Pakistan nicht weiter, als ich das Land werfen kann“, sagte Graham.
Als Hegseth und General Caine jede Stellungnahme verweigerten und erklärten, sie wollten laufende Verhandlungen nicht gefährden, platzte Graham beinahe der Kragen.
„Kein Wunder, dass diese verdammte Sache nirgendwohin führt“, sagte er frustriert.
Doch nicht nur der Krieg selbst sorgt inzwischen für Streit. Auch die Finanzierung des Pentagon-Haushalts entwickelt sich zu einem politischen Risiko. Hegseth versucht weiterhin, große Teile des Verteidigungshaushalts über ein sogenanntes Reconciliation-Verfahren durchzusetzen – also über einen Mechanismus, mit dem Republikaner Demokraten im Senat umgehen können.
Doch selbst Republikaner warnen inzwischen davor. Tom Cole erklärte offen, das sei eine riskante Strategie. Sollte die Republikanische Partei künftig ihre Mehrheit verlieren, könne dieser gesamte Finanzierungsweg zusammenbrechen. Auch McConnell kritisierte den Ansatz indirekt und warnte davor, dauerhafte Militärausgaben über kurzfristige Sondermechanismen abzuwickeln. Parallel dazu erschütterte noch eine weitere Nachricht die Regierung.
FDA-Chef Marty Makary trat nach massivem Druck zurück. Hintergrund war offenbar ein Streit über die Zulassung aromatisierter E-Zigaretten. Makary soll sich geweigert haben, entsprechende Produkte zu genehmigen, weil sie besonders junge Menschen ansprechen. Die Nachricht lief während der Anhörungen beinahe nebenbei durch Washington – verstärkte aber zusätzlich den Eindruck einer Regierung, in der Konflikte inzwischen an mehreren Fronten gleichzeitig eskalieren.
Gegen Ende der Anhörungen blieb deshalb vor allem ein Eindruck zurück.
Die Trump-Regierung versucht gleichzeitig, diesen Krieg politisch als beendet darzustellen und militärisch jederzeit weiter eskalieren zu können. Genau dieser Widerspruch dominiert inzwischen Washington. Offiziell spricht das Weiße Haus von Waffenruhe.
Praktisch reden Pentagon und Militär längst wieder über neue Angriffe, weitere Milliardenkosten, zusätzliche Truppenbewegungen, beschädigte Basen, erschöpfte Waffenlager und dauerhafte militärische Präsenz im Nahen Osten. Und genau deshalb wurden die Fragen im Kongress am Ende immer schärfer. Viele Senatoren und Abgeordnete wollen längst nicht mehr nur wissen, ob die Vereinigten Staaten militärisch erfolgreich sind.
Sie wollen wissen, wie lange dieser Krieg noch dauert. Wie teuer er am Ende wird. Wie weit Donald Trump bereit ist zu gehen. Und ob in Washington überhaupt noch jemand einen politischen Plan besitzt, der über Bombardierungen, Blockaden und immer neue Milliardenforderungen hinausgeht.
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Der Preis für all diese Verantwotungslosigkeit wird für die Menschen in USA und für die Welt ungemein hoch werden. Das menschliche Elend was dabei entsteht kann ich mir kaum vorstellen. Ich denke USA hat in allem verloren.
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👍
1,45 Billionen Dollar…. diese Zahl muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen.
Eine Summe, die sich ein Normalbürger kaum vorstellen kann.
Es ist kein Geld für Medicaid, SNAP, Schulbildung, Veteranenhilfe etc da.
Aber Hegseth will 1,45 Billionen Dollar ohne ein einziges Mal konkret zu beziffern wofür.
Keiner vorm Ausschuss hat eine klare Antwort gegeben, nicht Einer.
Stattdessen blabla mit Nebelkerzen.
So etwas passiert, wenn man einen mittelmäßigen FOX Moderator zum Verteidigungsminister macht, der sich dann selber im Kriegsminister umbenennt.
Wer braucht denn den Kongress dazu?
Man braucht den Kongress ja auch nicht für den Irankrieg….🤬🤬🤬
Das Schlimmste ist, dass Trump trotz allem noch knapp 40% Unterstützung hat.
Und die Republikaner werden, wenn es um die Filibuster Abstimmung herum, für die 1,45 Billionen Dollar für Trump stimmen…. das zieht sich wie ein roter Faden.
Bisschen Kritik, aber dann doch der Trump Sache die Stimme geben.