Spannungen hinter verschlossenen Türen – Treffen zwischen Trump-Vertretern und Vatikan eskaliert

VonRainer Hofmann

April 10, 2026

Papst Leo XIV. empfing am Donnerstag David Axelrod im Vatikan. Der Vatikan sagte dazu nichts. Axelrod sagte dazu nichts.

Wer nichts sagt, sagt manchmal am meisten.

Axelrod ist kein Diplomat, kein Kirchenmann. Er ist der Mann, der Barack Obama 2008 ins Weiße Haus gebracht hat. Obama hatte im Februar in einem Podcast gesagt, er habe als Präsident und Ex-Präsident fast jeden getroffen. Den neuen Papst aus Chicago noch nicht. Aber er freue sich darauf, ihn irgendwann zu treffen.

Zwei Monate später sitzt Axelrod dem Papst gegenüber.

Christopher Hale, der ein Buch über Leo XIV. und amerikanische Politik schreibt, sagt, der Zeitpunkt sei vielsagend. Man sei nicht hundertprozentig sicher, ob das Treffen mit einem geplanten Obama-Besuch zusammenhänge. Aber die Umstände deuteten stark darauf hin.

Leo XIV. wurde in Chicago geboren, wuchs in Dolton südlich der Stadt auf. Er konsumiere amerikanische Medien intensiv, habe ein iPhone, sei nicht von der Realität abgeschnitten, sagt Hale. Das ist die ungewöhnlichste Beschreibung eines Papstes seit Langem. Trump hat Leo XIV. bis heute nicht getroffen. Illinois-Gouverneur JB Pritzker war im November im Vatikan. Mehrere Bürgermeister aus Illinois haben den Papst besucht. Der amtierende amerikanische Präsident nicht. Insider sagen, der Papst wisse genau, wie politische Winde wehen und wie Treffen wahrgenommen werden.

Parallel wurde bekannt, dass ein Treffen im Pentagon zwischen Vertretern der Trump-Regierung und dem ranghöchsten amerikanischen Diplomaten des Vatikans erheblich härter verlaufen ist als öffentlich dargestellt. Eine vatikanische Quelle beschrieb das Gespräch als äußerst unangenehm und konfrontativ. Details über den Inhalt blieben unbekannt.

Leo XIV. hatte in seiner Osterbotschaft dazu aufgerufen, den Frieden zu suchen und den Krieg abzulehnen – besonders einen Krieg, den viele als ungerecht bezeichneten, der weiter eskaliere und nichts löse. Trump hat darauf nicht geantwortet.

Das Obama Presidential Center auf der South Side von Chicago öffnet in zwei Monaten. Der Vatikan hat gesagt, Leo XIV. werde 2026 nicht in die USA reisen, weil es ein Wahljahr sei.

Ob der Papst aus Chicago seinen Nachbarn Obama trifft, bevor er Trump trifft, fragt gerade niemand laut.

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Sabine
Sabine
6 Stunden vor

Gerüchteweise hat man angedroht, den Vatikan zu vernichten, den Papst zu exekutieren oder einen amerikanischen Gegenpapst zu benennen. Die sind doch echt alle gaga.
Aber der Papst ist klasse. genau der richtige für diese merkwürdigen Zeiten.

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