Donald Trump stand am Mittwoch, dem 1. April, im Cross Hall des Weissen Hauses und sprach zur Nation. Es war seine erste Liveansprache seit Kriegsbeginn, fünf Wochen nach dem ersten Einschlag. Er sagte, die USA hätten Iran geschlagen und vollständig dezimiert – militärisch, wirtschaftlich, in jeder Hinsicht. Irans Radar sei zu hundert Prozent vernichtet. Amerika sei als Militärmacht unaufhaltbar. Er sprach mit der Ruhe eines Mannes, der überzeugt ist, dass die Wirklichkeit ihm zuhört.

Siehe auch unseren Artikel: Trump spricht 19 Minuten über einen Krieg, den er nicht erklären kann
Zwei Tage später wurde ein amerikanischer Kampfjet über Iran abgeschossen. Ein zweites Flugzeug wurde von iranischer Luftabwehr getroffen. Trump hatte wenige Tage zuvor erklärt, Iran habe keine Flugabwehr mehr.

So läuft dieser Krieg in seiner sechsten Woche. Der Präsident spricht, und die Realität antwortet mit anderen Nachrichten – still, ohne Kommentar, aber unübersehbar.
Am Samstag wurde das Atomkraftwerk Bushehr zum vierten Mal angegriffen. Ein Wachmann starb, ein Nebengebäude wurde beschädigt. Die Internationale Atomenergiebehörde meldete keine erhöhten Strahlungswerte. Das Kraftwerk, betrieben mit russischem Uran und russischen Technikern, liegt 750 Kilometer südlich von Teheran – näher an den Küsten des Golfs als an der iranischen Hauptstadt. Irans Aussenminister Abbas Araghchi schrieb, radioaktiver Fallout aus weiteren Angriffen würde keine Auswirkungen auf Teheran haben, sondern auf die Hauptstädte der Golfstaaten ringsum. Es war keine Warnung an die eigene Bevölkerung. Es war eine Warnung an die Nachbarn Irans, die bisher vor allem als Opfer iranischer Raketen in Erscheinung getreten sind.

Das Atomkraftwerk Bushehr – Ein Nebengebäude wird getroffen. Die Angriffe gleichen einem Tanz auf der Rassierklinge
Gleichzeitig schlug ein Luftangriff in der petrochemischen Sonderzone Mahshahr in Khuzestan ein, ein weiterer traf eine Anlage des iranischen Landwirtschaftsministeriums in Mehran. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten an diesem Samstag 23 ballistische Raketen und 56 Drohnen aus Iran – einer der höchsten Tageswerte seit Kriegsbeginn. Bahrain zählte acht Drohnenangriffe in den letzten 24 Stunden, seit dem 28. Februar insgesamt 188 Raketen und 453 Drohnen auf das kleine Inselkönigreich, das die 5. Flotte der US-Marine beherbergt. Trümmer abgefangener Geschosse beschädigten Gebäude in Abu Dhabi, sechs Menschen wurden verletzt. Aluminiumwerk Alba in Bahrain getroffen, zwei Mitarbeiter leicht verletzt. Das Aluminium-Werk Emirates Global Aluminium in Abu Dhabi meldete erhebliche Schäden.
Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Qalibaf stellte am Freitag in einem Post auf sozialen Medien eine Frage, die keine Frage war. Er fragte, wie stark die Meerenge Bab el-Mandeb frequentiert sei. Die Strasse verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden – ein Zehntel des weltweiten Seeöls und ein Viertel aller Containerschiffe passieren sie täglich. Die Huthis aus dem Jemen, die bereits eine Rakete auf Israel abgefeuert und ihren Eintritt in den Krieg erklärt haben, kontrollieren die Küste auf der jemenitischen Seite dieser Meerenge. Sollte Bab el-Mandeb gesperrt werden, während die Strasse von Hormus bereits weitgehend geschlossen ist, stünden zwei der wichtigsten Seestrassen der Welt gleichzeitig unter Feuer. Was das für die Weltwirtschaft bedeuten würde, muss man nicht erklären. Qalibaf hat es auch nicht erklärt. Er hat nur gefragt.
Trump reagiert auf diese Lage so, wie er immer reagiert – mit Selbstgewissheit, die keine Zweifel zulässt und keine Korrekturen kennt. Er hat sieben Länder gebeten, ihm bei der Sicherung der Strasse von Hormus zu helfen. Die meisten warten ab. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte diese Woche, die USA könnten sich kaum beklagen, nicht unterstützt zu werden in einer Operation, die sie allein begonnen hätten. Britischer Premierminister Keir Starmer weigert sich weiterhin, in den Krieg hineingezogen zu werden. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach von 35 Ländern, die eine koordinierte Schutzmission für die Meerenge diskutierten – aber nach Kriegsende, nicht jetzt.
Trump drohte diese Woche mit dem Austritt aus der NATO. Senatsmehrheitsführer John Thune, Republikaner aus South Dakota, sagte trocken, dafür gebe es im Senat keine Mehrheit. „Wir brauchen Verbündete“, sagte Thune. John Bolton, einst Trumps nationaler Sicherheitsberater und längst sein Gegner, sagte, wer keine Koalition vor dem Krieg aufbaue, werde sie während des Krieges nicht mehr zusammenbekommen. Julian Zelizer, Geschichtsprofessor in Princeton, formulierte es so: Man könne der aggressivste Präsident der Welt sein – aber man kontrolliere nicht, was im Ausland passiert.
Trump selbst sagte beim Osteressen im Weissen Haus, vor Kabinettsmitgliedern und Geistlichen, er sei so ein grosser König, dass er nicht einmal einen Ballsaal genehmigt bekomme. Die Anwesenden lachten. Trump lachte auch.
„Sie nennen mich jetzt KÖNIG, kannst du das glauben? Kein König. Ich bin so sehr ein König, dass ich nicht einmal einen Ballsaal genehmigt bekomme!“Wenn ich ein König wäre, würden wir viel mehr machen!“
Italiens Premierministerin Giorgia Meloni war in dieser Woche die erste Regierungschefin eines EU-, G20- und NATO-Landes, die seit Kriegsbeginn den Golf besucht hat. Der Beginn ihrer Reise blieb aus Sicherheitsgründen unangekündigt. In Saudi-Arabien sprach sie mit Kronprinz Mohammed bin Salman über militärische Defensivhilfe, die Italien gegen iranische Angriffe leistet – Details nannte ihr Büro nicht. In Katar traf sie Emir Sheikh Tamim bin Hamad Al-Thani und sicherte zu, Italien werde zur Wiederherstellung der durch iranische Bomben beschädigten Energieinfrastruktur des Landes beitragen. Katars Gasproduktion gilt als kritisch für die globale Energieversorgung. Österreichs Aussenministerin Beate Meinl-Reisinger sprach am Samstag mit Araghchi und betonte die humanitäre Bedeutung einer Öffnung der Strasse von Hormus – für Lebensmittellieferungen, für Düngemittel, für die Versorgung von Ländern, die mit dem Krieg nichts zu tun haben und trotzdem seine Folgen tragen.
Fünf europäische Finanzminister – aus Spanien, Deutschland, Italien und Portugal – forderten in einem gemeinsamen Brief eine EU-weite Sondersteuer auf die Gewinne von Energieunternehmen, die vom Krieg profitieren, während Haushalte unter steigenden Preisen ächzen.
In Islamabad arbeiten Pakistan, die Türkei und Ägypten weiter an einem Kompromissvorschlag, der Washington und Teheran an einen Tisch bringen soll. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hat in der vergangenen Woche mit mindestens zwanzig Staatsführern telefoniert und sprach am Samstag über eine Stunde mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian. Zwei regionale Diplomaten sagten, der noch nicht abgeschlossene Plan sehe eine zeitlich begrenzte Einstellung der Kampfhandlungen vor, um diplomatischen Raum zu schaffen. Araghchi bekräftigte am Samstag die Bereitschaft Irans zu Gesprächen in Pakistan – aber nur unter der Bedingung eines abschliessenden und dauerhaften Kriegsendes. Wann oder ob diese Gespräche stattfinden, weiss niemand.

In Jakarta landeten am Samstagabend drei Särge. Drei indonesische UN-Blauhelmsoldaten, getötet bei einem israelischen Angriff im Südlibanon während einer Eskorte für UN-Operationen. Die Särge lagen in der rot-weissen Nationalflagge Indonesiens. Präsident Prabowo Subianto empfing sie persönlich am Flughafen Soekarno-Hatta, beugte den Kopf, schwieg. Frauen lehnten die Stirn gegen die Flaggen, ihre Tränen brachen die Stille der Militärzeremonie. Jakarta hat die israelischen Angriffe im Südlibanon offiziell verurteilt.
Irans Regierung geht inzwischen auch gegen Iraner im Ausland vor. Aktivisten berichten, dass Familienangehörige in Iran festgenommen und mit Beschlagnahmung von Immobilien gedroht wird – um Menschen im Exil zum Schweigen zu bringen, die über die Lage im Land berichten. Das Internet ist seit Wochen weitgehend abgeschaltet, die Menschenrechtslage im Land im Dunkeln.
Aserbaidschan schickte am Samstag zehn Lastwagen mit 200 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischen Hilfsgütern nach Iran. Präsident Ilham Aliyev schrieb, beide Länder stünden füreinander ein – in guten wie in schlechten Zeiten.
„Diesen Krieg haben wir gewonnen … Wir haben buchstäblich Flugzeuge, die über Teheran und andere Teile ihres Landes fliegen – sie können absolut nichts dagegen tun.“ (Ob die Bezeichnung „unglückliche Aussage“ dem noch gerecht wird, mögen wir bezweifeln – Anmerkung der Redaktion)
Irgendwo über dem Golf, in den Tagen nach Trumps Siegesrede, flog ein amerikanisches Flugzeug in iranischen Luftraum. Es kam nicht zurück. Iran, das laut Trump kein Radar und keine Flugabwehr mehr hat, hatte es abgeschossen.
Der Krieg geht weiter, und dazwischen stirbt Abolfazl Dehnavi – Rotkreuzmitarbeiter, getötet am Samstag in der Provinz Isfahan bei einem Luftangriff. Er ist der vierte Hilfsarbeiter, der in diesem Krieg sein Leben verliert. Ob er im Einsatz war, ist noch unklar. Es ändert nichts. In Ramat Gan, Givat’aim, Bnei Brak und Petach Tikwa schlugen iranische Raketen in Wohngebiete ein. Ein 52-jähriger Mann wurde verletzt. Ein Sanitäter, beschrieb die Szene: Zerstörung, Feuer, Scherben auf dem Boden, viel Rauch. Ein brennendes Auto, ein auseinandergefallenes Gebäude, Trümmer auf der Strasse.
Indiens Aussenministerium bestätigte derweil den Kauf iranischen Öls – möglich geworden durch die vorübergehende Aussetzung amerikanischer Sanktionen bis zum 19. April. Washington lockert Sanktionen auf das Öl eines Landes, das es gleichzeitig bombardiert. Die Logik dieses Krieges folgt keiner geraden Linie.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Samstag mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte und sagte, die Lage in Iran steuere auf eine geopolitische Sackgasse zu. In Islamabad sagt Pakistans Aussenministeriumssprecher Tahir Andrabi, die Vermittlungsbemühungen für einen Waffenstillstand seien auf Kurs. Araghchi bekräftigte die Bereitschaft Irans zu Gesprächen. Pakistans Aussenminister Ishaq Dar schrieb Araghchi auf X: „Ich schätze Ihre Klarstellung sehr, mein lieber Bruder.“ Der Krieg läuft. Die Diplomatie auch – irgendwo dazwischen, noch ohne Ergebnis.
Der Krieg läuft weiter. Trump spricht von Vollendung. Und die Welt wartet auf Islamabad.
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