Bodentruppen im Anflug, Raketen bereit – Iran droht offen, Pakistan sucht den Ausweg

VonTEAM KAIZEN BLOG

März 29, 2026

Die Drohung ist eindeutig und sie kommt ohne Umweg. Mohammad Bagher Qalibaf, Parlamentspräsident im Iran, richtet sie direkt an die USA. Man warte auf amerikanische Bodentruppen, um sie „in Brand zu setzen“ und deren Partner „für immer zu bestrafen“. Dazu der nächste Satz, der zeigt, wie weit die Lage eskaliert ist: Das Feuer gehe weiter, die Raketen seien bereit, Entschlossenheit und Glaube seien gewachsen.

Während diese Worte fallen, verschiebt sich die Realität weiter in Richtung eines offenen Krieges am Boden. Rund 2.500 US-Marines sind in der Region eingetroffen. Die Huthi greifen weiterhin an und sind inzwischen fester Teil dieses Konflikts. Israel spricht davon, dass noch viele Ziele offen seien, insbesondere bei der Produktion ballistischer Raketen. Gleichzeitig arbeiten die USA und Israel eng zusammen, auch militärisch.

Der Druck steigt an mehreren Fronten gleichzeitig.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden innerhalb von 24 Stunden 16 Raketen und 42 Drohnen abgefangen. Die Luftabwehr lief durchgehend. Geräusche über dem Land waren keine Übungen, sondern Abfangversuche. Parallel verschärft sich der Ton in der Region. Ein Berater der Emirate, Anwar Gargash, nennt den Iran die „zentrale Bedrohung“ für die Sicherheit am Golf und fordert klare Garantien, dass Angriffe auf Nachbarstaaten nicht wiederholt werden.

Und während militärisch weiter eskaliert wird, versucht ein Land, den entgegengesetzten Weg zu gehen.

Während über Raketen und Truppen gesprochen wird, zeigt sich an der Grenze eine andere Realität. Nach einem nächtlichen Luftangriff nahe der iranischen Seite des Übergangs Shalamcha fiel der Strom aus, der Handel kam für Stunden zum Stillstand. Am Morgen lief vieles wieder an, doch die Störungen sind inzwischen Teil des Alltags geworden. Einige Dutzend Menschen überqueren weiterhin die Grenze in den Irak, holen günstigere Lebensmittel, nutzen das Internet, besuchen kurz Familie und kehren dann zurück in Städte wie Abadan oder Ahvaz. Die Angriffe seien dauerhaft und beängstigend, sagen viele, doch gehen wollen sie nicht. Es gibt kaum noch Sicherheit, niemand weiß, wann das eigene Haus getroffen werde. Angst ist inzwischen normal.

Pakistan hat Außenminister aus mehreren Schlüsselstaaten nach Islamabad gebracht. Hakan Fidan aus der Türkei, Badr Abdelatty aus Ägypten und Faisal bin Farhan aus Saudi-Arabien sitzen am selben Tisch. Gastgeber ist Außenminister Ishaq Dar. Ziel ist es, einen Ausweg zu finden, während der Krieg weiterläuft.

Die Gespräche kommen nicht aus dem Nichts. Premierminister Shehbaz Sharif hat kurz zuvor mit Irans Präsident Masoud Pezeshkian gesprochen. Intensive Gespräche, so wird es beschrieben. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass Iran Pakistan bewusst ein Signal sendet. 20 zusätzliche Schiffe unter pakistanischer Flagge durften durch die Straße von Hormus fahren. Ein Schritt, der zeigt, dass Teheran selektiv Vertrauen setzt, obwohl die Lage insgesamt weiter eskaliert.

Die Straße von Hormus bleibt dabei der empfindlichste Punkt.

Iran kontrolliert den Zugang. Jeder Eingriff dort wirkt sofort auf die Märkte. Öl, Gas, Transportwege. Die Folgen sind bereits sichtbar. Preise steigen, Lieferketten geraten ins Stocken, Flugrouten werden angepasst. In vielen Ländern müssen Treibstoffe rationiert oder subventioniert werden, um soziale Unruhe zu verhindern.

Ein Energieökonom aus den USA bringt es auf den Punkt. Noch vor wenigen Tagen hätte man die langfristigen Folgen als begrenzt eingeschätzt. Jetzt werden Anlagen zerstört. Raffinerien, Pipelines, Terminals. Das bedeutet, dass die wirtschaftlichen Schäden nicht kurzfristig verschwinden werden. Sie bleiben.

Parallel entstehen politische und religiöse Spannungen, die weit über die Region hinausreichen.

In Rom widerspricht Papst Leo XIV offen der Vorstellung, Krieg könne religiös gerechtfertigt werden. Gott sei ein König des Friedens, nicht des Krieges, sagt er. Gebete von Menschen, die Krieg führen, würden nicht gehört. Gleichzeitig wird in Jerusalem berichtet, dass katholische Kirchenführer erstmals seit Jahrhunderten nicht zur Palmsonntagsmesse in die Grabeskirche gelassen wurden. Ein Vorgang, der zeigt, wie stark selbst religiöse Räume inzwischen unter Druck stehen.

Zur gleichen Zeit verschärft sich die Rhetorik zwischen den Hauptakteuren weiter.

Qalibaf lehnt den von den USA eingebrachten 15-Punkte-Plan ab und nennt ihn nichts anderes als Wunschdenken. Solange Washington auf Kapitulation setze, werde Iran nicht nachgeben. Erniedrigung werde man nicht akzeptieren. Damit stehen zwei Linien nebeneinander, die kaum weiter auseinanderliegen könnten.

Hier die Drohung mit einem Bodenkrieg und offener Gewalt gegen amerikanische Soldaten. Dort Gespräche in Islamabad, getragen von Staaten, die wissen, dass eine weitere Eskalation die gesamte Region destabilisieren kann. Die Frage ist nicht mehr, ob sich die Lage zuspitzt. Das ist längst passiert.

Die Frage ist, wer schneller ist.

Die Truppen, die bereits angekommen sind, die immer noch nicht wissen, wie ihr Auftrag ist. Oder die Diplomatie, die noch versucht, hinterherzukommen.

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Ela Gatto
2 Stunden zuvor

Danke für diesen Bericht.

Ungewöhnlich klare Worte vom Papst.
Eindeutig an den evangelikalen Zirkus gerichtet.

Auf dem Treffen in Islamabad, wo es um die Zukunft des Nahen Osten geht, lachen mir die Teilnehmer zu sehr.
Ich hoffe, dass das täuscht und sie das nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Heike Sander
Heike Sander
1 Stunde zuvor

Und wieder frage ich mich : Warum? Warum ist es uns Menschen nicht möglich in Frieden zu leben? Ich bin traurig für alle Opfer dieses sinnlosen Tötens auf dieser Welt. Alle Opfer, egal welcher Herkunft, welches Glaubens. Das ist alles so unnötig.

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