An der Kreuzung East Colfax Avenue und North Washington Street in Denver stand man an einem ganz normalen Wochenende an einer ganz normalen Ampel. Man drückte den Knopf. Die roboterhafte Stimme meldete sich. „Das Gehsignal ist an.“ Pause. Dann: „F*ck Trump. Das Gehsignal ist an. Trump ermordet Kinder.“ Die Anwohner mussten kurz innehalten. Er brauchte einen Moment. Dann waren fast alle begeistert. Viele sagten, es sei genau das gewesen, was man an diesem Tag gebraucht habe.
Was war passiert? Zwei neu installierte Ampelknöpfe an der East Colfax Avenue – einer an der North Pearl Street, einer an der North Washington Street – waren noch nicht offiziell in Betrieb. Sie hatten Strom bekommen, waren aber noch mit ihren Werkseinstellungen eingetütet. Inklusive eines Standardpassworts, das sich, wie Nancy Kuhn von Denvers Verkehrsbehörde DOTI später einräumte, problemlos online finden lässt. Jemand hatte es gefunden. Und genutzt. Daniel Pittman, Cybersicherheitsexperte an der Metropolitan State University of Denver, war nicht überrascht. Er sagte, das passiere ständig. Standardpasswörter, öffentlich zugänglich, seit Jahrzehnten bekannt als Problem – und trotzdem immer wieder dieselbe Geschichte. Es gebe sogar Websites, die automatisch nach Geräten mit Standardzugangsdaten suchen. Türklingeln, Babymonitore, Verkehrsschilder – alles dabei. Die Verteidiger müssten immer perfekt sein. Der Angreifer müsse nur einmal recht haben.
In diesem Fall hatte jemand einmal recht – und Denver hatte ein Wochenende, über das die Nachbarschaft noch lange reden wird. Die Botschaft selbst kam nicht aus dem Nichts. Kurz zuvor hatten Medien berichtet, dass US-Militärermittler es für wahrscheinlich halten, dass amerikanische Streitkräfte für einen Einschlag auf eine Mädchenschule im Iran verantwortlich sind. Das Pentagon hat die Untersuchung inzwischen ausgeweitet, ein abschließendes Ergebnis steht noch aus. Ob die Person hinter dem Hack diesen Zusammenhang herstellen wollte, bleibt offen. Die Ampel hat es jedenfalls getan.
Es ist nicht das erste Mal, dass öffentliche Lautsprecher für politische Botschaften genutzt wurden. Im Oktober sendete das Harrisburg International Airport in Pennsylvania etwa zehn Minuten lang eine Nachricht über sein Lautsprechersystem – mit pro-palästinensischen Parolen und Beschimpfungen gegen Trump und den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu. Verkehrsminister Sean Duffy nannte es damals inakzeptabel und verwies auf verstörte Reisende.
In Denver fanden es die meisten einfach gut.
DOTI hat die Passwörter inzwischen geändert und erwartet keine Wiederholung. Die Polizei ermittelt, äußert sich aber nicht dazu, ob jemand identifiziert wurde oder Anklage droht. Kaizen Blog hat beim Bezirksstaatsanwalt in Denver nachgefragt, ob strafrechtliche Schritte geplant sind – ebenso beim Weißen Haus. Antworten stehen noch aus.
Was bleibt, ist das Bild. Eine Ampel in Denver, frisch installiert, noch eingetütet, mit einem Standardpasswort und plötzlich einer Meinung. Irgendwo zwischen Sachbeschädigung und Zeitgeist. Die Stadt hat das Problem behoben. Die Frage, die die Ampel gestellt hat, steht noch im Raum.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English