Am 28. Februar traf eine Rakete eine Grundschule in der iranischen Stadt Minab. Mindestens 175 Menschen wurden nach iranischen Angaben getötet, die meisten von ihnen Kinder. Wochenlang blieb unklar, wer für den Angriff verantwortlich war. Präsident Donald Trump erklärte öffentlich, Iran selbst könne hinter dem Angriff stehen. Belege legte er dafür nicht vor. Jetzt hat Verteidigungsminister Pete Hegseth eine umfassende Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Auf einer Pressekonferenz im Pentagon sagte er, die Wahrheit müsse ans Licht kommen. Eine direkte Verantwortung der Vereinigten Staaten sprach er nicht aus. Doch allein die Entscheidung, eine solche Untersuchung einzuleiten, deutet darauf hin, dass in Washington inzwischen ernsthaft geprüft wird, ob amerikanische Streitkräfte hinter dem Angriff standen. Siehe auch unseren Artikel: Minab, 175 Tote und eine Tomahawk – ein Video und 116 Meter
Mehrere Hinweise weisen inzwischen in diese Richtung. Videoaufnahmen des Einschlags zeigen nach Einschätzung von Waffenexperten eine Marschflugkörper-Explosion, die zu einer Tomahawk-Rakete passt. Diese Waffe wird von der amerikanischen Marine eingesetzt und von Kriegsschiffen aus abgefeuert. Nur wenige Staaten verfügen über dieses System. Iran gehört nicht dazu. Israel, das ebenfalls Angriffe gegen iranische Ziele fliegt, nutzt diese Raketen ebenfalls nicht.
Die Schule, die getroffen wurde, trägt den Namen Shajarah Tayyebeh. Sie liegt in Minab im Süden Irans. Das Gebäude stand früher auf einem Gelände der iranischen Marine, wurde jedoch bereits 2015 vom militärischen Bereich getrennt und von einer Mauer umgeben. Satellitenbilder zeigen seit Jahren einen Schulhof mit Spielplatz. Trotzdem tauchte das Gelände offenbar auf einer amerikanischen Zielliste auf. Militärische Einrichtungen der Revolutionsgarden befinden sich in der Nähe, was möglicherweise zu einer falschen Einschätzung führte. Ebenfalls verdichten sich mehr und mehr die Informationen, dass die USA mit alten Geheimdienstinformationen gearbeitet haben.

Die Untersuchung wird von einem General geleitet, der nicht zum Zentralkommando der US-Streitkräfte gehört. Dieses Kommando ist für den Nahen Osten zuständig und führt auch die Operationen gegen Iran. Die Entscheidung, einen Offizier von außerhalb einzusetzen, soll verhindern, dass mögliche Verantwortliche Einfluss auf die Untersuchung nehmen. Die Ankündigung der Untersuchung zeigt zugleich eine ungewöhnliche Differenz innerhalb der amerikanischen Führung. Während Donald Trump weiterhin behauptet, Iran könne für den Angriff verantwortlich sein, vermeidet Verteidigungsminister Pete Hegseth diese Darstellung. Stattdessen betont er, die Vereinigten Staaten würden niemals absichtlich zivile Ziele angreifen.


Auf den dokumentierten Trümmern lassen sich mehrere Bauteile erkennen, die typisch für die Navigations- und Steuersektion eines Marschflugkörpers sind. Auf einer beschädigten Leiterplatte ist deutlich der Hersteller Raytheon zu lesen, versehen mit der Baugruppenkennzeichnung „ASSY 726460-801“ und militärischen Seriencodes. Solche Markierungen finden sich auf Avionik- und Steuerplatinen, die Fluglage, Navigation und Zielansteuerung verarbeiten. Raytheon entwickelt und produziert unter anderem den Tomahawk-Marschflugkörper, der von Kriegsschiffen oder U-Booten gestartet wird. Daneben liegt ein Antennenmodul mit der Beschriftung Ball Aerospace und der Bezeichnung „SDL Antenna“. Diese Komponenten gehören zu den Antennensystemen, die während des Fluges Satellitensignale empfangen und Positionsdaten an die Bordelektronik weitergeben. In unmittelbarer Nähe sind außerdem kleine Präzisionsmotoren von Globe Motors zu sehen, wie sie in Lenkwaffen die mechanische Bewegung von Steuerflächen ausführen.
Ergänzt werden diese Teile durch zylindrische Metallkomponenten mit amerikanischen Serienkennzeichnungen und einem Produktionsdatum aus dem Jahr 2016. Entscheidend ist die Kombination dieser Elemente: Avionikplatine, Antennenmodul, Steueraktuatoren und US-militärische Baugruppenkennzeichnungen gehören zu jener Elektroniksektion eines Marschflugkörpers, in der Navigation, Flugsteuerung und Kurskorrektur zusammenlaufen. Genau diese Kombination erklärt, warum Waffenexperten die Fragmente mit der Technik eines Tomahawk-Flugkörpers in Verbindung bringen. Eine endgültige Zuordnung kann zwar nur durch eine forensische Analyse der Seriennummern und der Fundstelle erfolgen, doch die sichtbaren Herstellerangaben und Bauteiltypen zeigen bereits deutlich, aus welchem militärischen Technologiesystem diese Komponenten stammen.
Wichtiger Hinweis: Auch wenn die vorgelegten Bauteile aus Minab zu Komponenten passen, die in einem Tomahawk vorkommen können, Fotos gemacht werden konnten, beweisen diese Teile alleine nicht, dass sie wirklich aus genau dieser Rakete stammen. Dazu braucht es weitere Abklärungen. Entscheidend sind Seriennummern, Herstellerkennzeichnungen, Fundort und forensische Analyse.
Die Geschichte amerikanischer Militärinterventionen zeigt jedoch, dass Fehler immer wieder vorkommen. 2015 bombardierten amerikanische Flugzeuge ein Krankenhaus in Kundus in Afghanistan fast eine Stunde lang. Etwa dreißig Patienten und Ärzte wurden getötet. Später stellte eine Untersuchung fest, dass die beteiligten Soldaten nicht wussten, dass sie ein Krankenhaus angriffen. 2021 traf ein amerikanischer Drohnenangriff in Kabul einen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der gerade nach Hause kam. Neun weitere Menschen, darunter Kinder, starben. Die US-Regierung räumte den Fehler erst ein, nachdem Journalisten die Hintergründe des Angriffs rekonstruiert hatten. Auch 2023 kam es in Syrien zu einem ähnlichen Vorfall. Dort sollte ein hochrangiges Mitglied von Al-Qaida getroffen werden. Stattdessen wurde ein Schäfer getötet. Erst nach einer Untersuchung wurde der Fehler bestätigt.

Der Angriff auf die Schule in Minab könnte sich nun in diese Reihe einfügen. Sollte sich bestätigen, dass eine amerikanische Rakete die Schule traf, würde das eine der schwersten zivilen Katastrophen des aktuellen Krieges darstellen. Die Untersuchung soll nun klären, warum das Gebäude als Ziel ausgewählt wurde und welche Informationen bei der Entscheidung vorlagen. Für die Familien der getöteten Kinder wird diese Erklärung nichts mehr ändern. Doch für die politische Verantwortung in Washington könnte sie entscheidend werden.
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