Krieg im Libanon, Streit im Sicherheitsrat, Druck in Washington

VonRainer Hofmann

März 12, 2026

Die Fronten dieses Krieges verlaufen längst nicht mehr nur zwischen Iran und Israel. Während Raketen über Beirut einschlagen, Drohnen Militärbasen im Irak treffen und Handelsschiffe im Persischen Golf beschädigt werden, geraten Diplomatie, Wirtschaft und Sicherheit gleichzeitig unter Druck. Der Konflikt, der Ende Februar mit amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran begann, zieht immer weitere Staaten hinein. In Beirut traf ein israelischer Luftangriff ein Gebäude im Zentrum der Stadt, nur wenige Meter von Regierungsgebäuden, dem UN-Komplex und ausländischen Botschaften entfernt. Die israelische Armee hatte Bewohner zuvor aufgefordert, einen Radius von rund 300 Metern zu verlassen, weil sich in der Nähe eine Einrichtung der Hisbollah befinden soll. Nach einem ersten Einschlag setzte eine Drohne einen Warnschlag, um Menschen von der Straße zu treiben, bevor ein weiterer Angriff folgte. Gleichzeitig begann Israel eine neue Angriffswelle gegen Ziele im Süden der libanesischen Hauptstadt.

Beirut – Die Stadt steht seit Tagen unter Dauerbombardement

Der Konflikt greift auch auf den Irak über. In Erbil wurden eine Militärbasis und deren Infrastruktur von Drohnen getroffen. Dort sind britische und amerikanische Soldaten stationiert. Nach Angaben des britischen Brigadiers Guy Foden wurden mehrere US-Soldaten verletzt. Der britische Generalleutnant Nick Perry erklärte, britische Soldaten seien nicht betroffen gewesen, die amerikanischen Verletzten hätten jedoch medizinische Versorgung benötigt.

In Erbil wurden eine Militärbasis und deren Infrastruktur von Drohnen getroffen, wie im Hintergrund zu erkennen

Auch auf See eskaliert die Lage. Mindestens 19 Handelsschiffe wurden seit Beginn der Kämpfe beschädigt. Die Straße von Hormus gilt inzwischen als eine der gefährlichsten Schifffahrtsrouten der Welt. Parallel dazu versuchen Diplomaten, den Konflikt einzudämmen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte, die amerikanisch-israelischen Angriffe und die iranischen Gegenschläge hätten der Region „immenses Leid“ zugefügt und sie an einen Punkt gebracht, an dem sie zu zerbrechen drohe. Die Schwächsten würden zuerst und am härtesten getroffen. Ein Ausweg sei nur über Deeskalation und Verhandlungen möglich, sagte Guterres bei einem Besuch in Ankara.

António Guterres

Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kam es gleichzeitig zu einem offenen Streit über Irans Atomprogramm. Die Vereinigten Staaten drängten auf eine Sitzung zu den im vergangenen September wieder eingesetzten Sanktionen gegen Iran. Zehn Mitglieder des Rates unterstützten das Treffen. Russland und China stellten sich dagegen, Pakistan und Somalia enthielten sich. Moskaus UN-Botschafter Wassili Nebensja warf Washington vor, mit angeblichen Atomwaffenplänen Teherans eine weitere militärische Offensive zu rechtfertigen. Der amerikanische Botschafter Mike Waltz hielt dagegen, Iran sei das einzige Land ohne Atomwaffen, das Uran bis zu einer Reinheit von 60 Prozent anreichere.

Während der Sicherheitsrat streitet, verschärfen sich die diplomatischen Spannungen. Die Schweiz, die seit Jahrzehnten als Vermittler zwischen Washington und Teheran fungiert, hat ihre Botschaft in Teheran vorübergehend geschlossen. Alle zehn Mitarbeiter, darunter auch der Botschafter, wurden wegen wachsender Sicherheitsrisiken aus dem Land gebracht. Die Schweizer Regierung erklärte jedoch, sie werde weiterhin die Rolle der Schutzmacht wahrnehmen und die Kommunikationskanäle zwischen den Vereinigten Staaten und Iran offenhalten.

Auch innenpolitisch wächst in den USA der Druck auf Präsident Donald Trump. Die demokratische Senatorin Tammy Baldwin verlangt öffentliche Anhörungen im Kongress. Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio sollen erklären, warum die Regierung den Angriff auf Iran beschlossen hat. Baldwin bezeichnete den Konflikt als „illegal“ und als einen Krieg ohne klare Strategie.

Die wirtschaftlichen Folgen werden inzwischen ebenfalls sichtbar. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass der Krieg das Wachstum in den Vereinigten Staaten bremsen und gleichzeitig Inflation und Arbeitslosigkeit erhöhen könnte. Steigende Energiepreise treiben bereits Kosten für Benzin, Strom und Lebensmittel nach oben. Die Bank erwartet, dass die amerikanische Zentralbank ihre Zinssenkungen verschieben muss. Sollte der Ölpreis dauerhaft über 110 Dollar steigen, könnte die Inflation deutlich stärker zunehmen.

Auch Washington selbst reagiert auf die wirtschaftlichen Risiken. Das Weiße Haus prüft, ob Teile des sogenannten Jones Act vorübergehend ausgesetzt werden sollen. Das Gesetz aus den 1920er-Jahren verpflichtet Unternehmen, Waren zwischen amerikanischen Häfen ausschließlich mit Schiffen unter US-Flagge zu transportieren. Pressesprecherin Karoline Leavitt erklärte, eine Aussetzung könne helfen, Energieprodukte und landwirtschaftliche Güter schneller in amerikanische Häfen zu bringen.

Währenddessen erreichen auch andere Konfliktlinien eine neue Schärfe. Der türkische Außenminister verurteilte die israelischen Angriffe im Libanon und sprach von einer humanitären Krise. Ankara wirft Israel vor, seine militärischen Operationen aus dem Gazastreifen nun auf den Libanon auszuweiten. Selbst der Sport bleibt von der politischen Lage nicht unberührt. Donald Trump erklärte, es sei möglicherweise nicht „angemessen“, wenn die iranische Fußballnationalmannschaft an der kommenden Weltmeisterschaft teilnehme. Zwar sei das Team willkommen, schrieb er, doch er bezweifle, dass eine Teilnahme angesichts der Sicherheitslage verantwortbar sei. Iranische Behörden hatten zuvor erklärt, eine Teilnahme sei unter den aktuellen Umständen ohnehin kaum möglich.

Auch jenseits der Frontlinien wächst die Unsicherheit. Das FBI warnte amerikanische Polizeibehörden vor möglichen iranischen Drohnenangriffen auf Ziele in den Vereinigten Staaten, insbesondere in Kalifornien. Der Gouverneur des Bundesstaates, Gavin Newsom, erklärte jedoch, derzeit gebe es keine unmittelbare Bedrohung. Während militärische Angriffe, diplomatische Konflikte und wirtschaftliche Folgen gleichzeitig eskalieren, zeigt sich immer deutlicher, wie weit dieser Krieg bereits reicht. Er trifft Städte im Libanon, Militärbasen im Irak, Handelsschiffe im Persischen Golf und politische Institutionen in New York und Washington zugleich. Jede neue Meldung aus Beirut, Erbil oder dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zeigt, dass dieser Konflikt längst mehr ist als ein regionaler Krieg. Er verändert Machtverhältnisse, Handelswege und politische Beziehungen gleichzeitig.

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Wuschitz
Wuschitz
3 Stunden zuvor

Die jetzigen Akteure der USA müssten von den eigenen Amerikanern einfach abgesetzt und gefangen werden. Mit neuen Leuten könnte die Diplomatie wieder in Gang kommen und der Krieg in Bahnen gelenkt werden um die ärgsten Schäden in den Griff zu bekommen. Ich weiß es ist ein Traum aber anders wird es nicht gehen. Es sei denn der 3. Weltkrieg nimmt Fahrt auf

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