Zorro Ranch – Das vergessene Gelände im Hochland von New Mexico

VonRainer Hofmann

März 2, 2026

Jeffrey Epsteins abgelegenstes Anwesen lag nicht auf einer Insel in der Karibik, sondern im trockenen Hochland südlich von Santa Fe. 30.000 Quadratmeter Wohnfläche auf einer Anhöhe, umgeben von tausenden Hektar Grasland, Kakteen und ausgetrockneten Flussläufen. Kilometerweit kaum Nachbarn, kaum Einblicke. Er nannte das Areal Zorro Ranch. Heute heißt es anders. Doch die Fragen sind geblieben. So zumindest sah es der Staat New Mexico bisher – und ein Name, der seit Jahren wie ein dunkler Nachhall im Raum steht: Jeffrey Epstein.

Mehrere Betroffene haben ausgesagt, sie seien dorthin gebracht worden. Prominente Besucher sollen ein- und ausgegangen sein. Epstein sprach nach Angaben von Zeugen sogar darüber, das Anwesen zu einem Zentrum für genetische Experimente zu machen. Trotzdem hat es dort nie eine umfassende Untersuchung gegeben. Während Little St. James, New York, Miami und Paris im Fokus standen, blieb New Mexico weitgehend unbeachtet. „Nicht nur überschattet, völlig ignoriert“, sagt der Radiomoderator Eddy Aragon aus Albuquerque, der seit Jahren versucht, Aufmerksamkeit auf das Gelände zu lenken.

2019, im Jahr von Epsteins Tod, begannen Ermittlungen auf Ebene des Bundesstaates. Die Generalstaatsanwaltschaft von New Mexico befragte Zeugen. Dann griff die Bundesanwaltschaft im Southern District of New York ein und bat die Behörden, ihre Arbeit einzustellen und sämtliche Erkenntnisse zu übermitteln. Der damalige Generalstaatsanwalt Hector Balderas erinnert sich, man habe argumentiert, der Fall sei stärker, wenn er zentral geführt werde. Ein Jahr später schrieb Balderas nach New York und forderte die Beschlagnahmung der Ranch. In dem Brief heißt es, man gehe davon aus, dass das Gelände genutzt worden sei, um den Menschenhandel mit Kindern zu ermöglichen und zu verschleiern. Eine Antwort erhielt er nicht.

In freigegebenen Unterlagen findet sich ein anonymer Hinweis eines mutmaßlichen Mitarbeiters. Er behauptete, zwei missbrauchte Mädchen seien in den Hügeln außerhalb der Ranch begraben worden. Unklar ist bis heute, ob das FBI diesem Hinweis nachging. Belege dafür, bis auf diese Aussage, gibt es keine. Ebenso unklar bleibt, ob das Gelände jemals vollständig durchsucht wurde. Noch im Dezember 2019 deutete Schriftverkehr zwischen Epsteins Anwälten und Bundesermittlern darauf hin, dass eine Durchsuchung nicht erfolgt war. Zorro Ranch hatte alles, was man braucht, um sich abzuschotten: eine private Landebahn, einen Helikopterlandeplatz, einen Hangar für Epsteins Jet, hohe Zäune mit Stacheldraht, Kameras an Ein- und Ausfahrten. Nachts leuchtete das Anwesen weit ins Umland. Viele Anwohner wussten nicht, wem es gehörte. „Wir lassen die Leute hier in Ruhe“, sagt der frühere County-Kommissar Mike Anaya aus Galisteo. Genau das habe den Ort für Wohlhabende attraktiv gemacht.

Epstein kaufte das Gelände 1993 von der Familie des dreimaligen Gouverneurs Bruce King. Später zählten auch Bill Richardson, ebenfalls früherer Gouverneur von New Mexico, UN-Botschafter und Energieminister, zu seinen einflussreichen Kontakten im Bundesstaat. Hinzu kamen rechtliche Besonderheiten: New Mexico hatte vergleichsweise milde Vorschriften zur Registrierung von Sexualstraftätern, wodurch Epstein nach seinem Schuldeingeständnis in Florida nicht im Register auftauchen musste. Zusätzlich pachtete er rund 1.200 Hektar öffentliches Land angrenzend an die Ranch. Offiziell für Viehhaltung. Tatsächlich entstand dadurch ein zusätzlicher Abstand zur Außenwelt. Die damalige Landkommissarin Stephanie Garcia Richard kündigte diese Verträge 2019.

Erst im vergangenen Monat reagierte die Politik in Santa Fe. Das Parlament von New Mexico setzte einstimmig eine parteiübergreifende Wahrheitskommission mit vier Mitgliedern ein. Sie erhält Vorladungsrechte und soll klären, was auf dem Gelände geschah und warum es über Jahrzehnte keine wirksame Kontrolle gab. Andrea Romero, Abgeordnete aus Santa Fe und Vorsitzende der Kommission, sagt, man müsse verstehen, wie jemand ohne Rechenschaft so lange agieren konnte. Doch die Zeit arbeitet gegen die Ermittler. Das Anwesen wurde 2023 verkauft. Neuer Eigentümer ist Don Huffines, Immobilienunternehmer aus Dallas und früherer Senator in Texas. Er kandidiert derzeit für das Amt des Comptroller (ist ein oberster Finanzkontrolleur eines Bundesstaates oder einer Behörde) in Texas. Huffines erklärte, er wolle kooperieren, falls Strafverfolger Zugang wünschen. Er plant, das Gelände in ein christliches Rückzugszentrum umzuwandeln. Der neue Name lautet San Rafael Ranch, benannt nach dem Schutzpatron der Heilung. Über dem künftigen Tor soll stehen: „Gesegnet sind, die im Namen des Herrn kommen.“

Während im Hochland Bauarbeiten am Eingang laufen, bleibt die entscheidende Frage offen: Wurden Beweise gesichert, als es noch möglich war? Oder ist das, was sich hinter den Zäunen von Zorro Ranch abgespielt hat, für immer im Staub der Wüste verschwunden?

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Sonja Gang
Sonja Gang
15 Stunden zuvor

Trocken und heiß?
Falls Leichen vergraben wurden sind die dann mumifiziert.

Denn, in diesem Falle heißt es dann wohl: Anwesen und weite Umgebung absuchen.
Warum sollte der Bedienstete gelogen haben? Eher ein wertvoller Hinweis.
Und noch etwas käme damit zum Vorschein: Die Gerüchte, dass Mädchen nicht „nur“ missbraucht wurden, sondern jede Art von „Vorlieben“ bedient wurden und endeten diese auch mit dem Tod für das Opfer, scheinen sichtbarer zu werden.

Hier die Wüste, auf seiner privaten Insel das weite, offene Meer.

Epstein wusste wie es geht…..

Ela Gatto
Ela Gatto
7 Stunden zuvor

Man braucht nur schauen, wer während der nicht erfolgten bzw abgebrochenen Ermittlungen Präsident war.
Genau, es war Trump.

Diese Anweisung von oben, nicht weiter zu ermitteln und alle Ergebnisse abzugeben…..

Wenn man tiefer gräbt (ich weiß, Ihr macht das) wird einiges an Korruption und „Gefälligkeiten“ ans Licht kommen.
Mehr nach der langen Zeit wahrscheinlich nicht mehr.

Sollte es da Leichen gegeben haben, werden sie nicht mehr da sein.
Es war mehr wie genug Zeit alles Belastende verschwinden zu lassen.
Den Rest hat die Wüste verschluckt.
Wie im Umland von Las Vegas noch dutzende, wenn nicht gar hunderte Leichen vermutet werden (nicht Epstein, sondern eher die „wilden Jahre von Las Vegas“)

Epstein wusste wo und wie man die Prominenten empfängt. Er wusste wo es Niemanden auffällt, wenn Missbrauch statt findet. Bzw wo Keiner reden wird.

Die Wüste und das Meer bewahren seine Machenschaften.

Ela Gatto
Ela Gatto
7 Stunden zuvor

Und zu Huffines… er will es in einen christlichen Rückzugsort verwandeln.🙈🙈🙈

Das klingt nach Sekte.
Evangelikale „Umerziehung“, für vom Weg abgekommene?

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