Blockade vor dem Jahrestag – Ungarns Veto stoppt EU-Sanktionen gegen Russlands Schattenflotte

VonRainer Hofmann

Februar 23, 2026

Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ringt die Europäische Union um Geschlossenheit – und scheitert ausgerechnet bei dem Paket, das Moskaus Schattenflotte empfindlich treffen sollte. Die 27 Mitgliedstaaten konnten sich nicht auf das 20. Sanktionspaket einigen. Kaja Kallas sprach nach dem Treffen der Außenminister in Brüssel von einem Rückschlag. Diese Botschaft habe man nicht senden wollen. Die Arbeit gehe weiter. Doch der politische Schaden ist sichtbar. Die EU-Kommission hatte Anfang Februar ein Bündel neuer Maßnahmen vorgeschlagen. Herzstück war ein umfassendes Verbot maritimer Dienstleistungen für Tanker mit russischem Rohöl an Bord. Gemeint sind Versicherungen, Finanzierungen, Zertifizierungen, Hafendienste sowie die Bereitstellung von Schiffen für den Transport russischen Öls. Ziel war es, die intransparent operierende Schattenflotte zu treffen, mit der Russland trotz bestehender Sanktionen weiter exportiert. Die Verabschiedung sollte rechtzeitig zum vierten Jahrestag des 24. Februar 2022 erfolgen.

Viktor Orbán stellte sich quer. Der ungarische Ministerpräsident kündigte sein Veto an, falls die Ukraine nicht wieder russische Öllieferungen über eine durch ihr Gebiet verlaufende Pipeline nach Ungarn ermögliche. Zusätzlich droht Budapest, ein EU-Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro zu blockieren. Kallas nannte es bedauerlich, dass Ungarn von der im Dezember getroffenen Entscheidung zum Kredit nun Abstand nehme. Eine Sprecherin der EU-Kommission erinnerte an die Pflicht zur loyalen Zusammenarbeit. Während in Brüssel verhandelt wird, laufen Recherchen zu Verstößen gegen bestehende Sanktionen weiter. Investigative Journalistinnen und Journalisten haben in den vergangenen Monaten wiederholt Netzwerke offengelegt, über die russisches Öl umetikettiert, über Drittstaaten verschifft oder unter wechselnden Flaggen transportiert wird. Auch wir haben immer wieder dokumentiert, wie Umgehungskonstruktionen funktionieren, welche Häfen, Dienstleister und Finanzstrukturen involviert sind – und wie schleppend oder gar nicht reagiert wird. Wer diese Verbindungen offenlegt, arbeitet nicht im luftleeren Raum, sondern unter realen Risiken.

Die Debatte über die Schattenflotte ist keine Nebensache. Es geht um Durchsetzungskraft und Glaubwürdigkeit. Wenn Sanktionen angekündigt, aber intern blockiert werden, entsteht ein Signal, das weit über Europa hinaus wirkt. Gerade vor einem symbolischen Datum hätte Einigkeit Gewicht gehabt. Stattdessen steht eine Union da, die sich in zentralen Fragen selbst ausbremst. Die Kommission betont, die Gespräche würden fortgesetzt. Doch jeder Tag ohne Entscheidung verschafft Moskau Spielraum. Sanktionen entfalten Wirkung nur dann, wenn sie geschlossen beschlossen und konsequent umgesetzt werden. Alles andere bleibt Ankündigung.

Liebe Leserinnen und Leser,
Wir berichten nicht aus der Distanz, sondern vor Ort. Dort, wo Entscheidungen Menschen treffen und Geschichte entsteht. Wir dokumentieren, was sonst verschwindet, und geben Betroffenen eine Stimme.
Unsere Arbeit endet nicht beim Schreiben. Wir helfen Menschen konkret und setzen uns für die Durchsetzung von Menschenrechten und Völkerrecht ein – gegen Machtmissbrauch und rechtspopulistische Politik. Wir schauen nicht weg, weil Wegsehen immer den Falschen nützt.
Wir finanzieren unsere Arbeit ohne Verlag, ohne institutionelle Förderung und ohne Abo-Modell. Ihre Unterstützung hält sie unabhängig.
Kaizen unterstützen

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
2 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Laura Kirchner
Laura Kirchner
2 Stunden zuvor

Ungarn unter Orban passt nicht zur EU und sollte selbst sanktioniert werden (Slowakei genauso). Das bedeutet aus meiner Sicht, dass die vollständige Einstellung von EU-Geldern an Ungarn notwendig wäre, so dass der Verbleib in der EU für Ungarn keinerlei Vorteile mehr hätte…sie können sich ja der Russischen Föderation anschließen, wenn sie mögen…
Es ist unerträglich, dass Ungarn, aber auch die Slowakei Forderungen an die von Russland überfallene Ukraine stellt, die Druschba-Pipeline wieder herzustellen. Wie pervers ist das… unerträglich, dass Trump und seine Spießgesellen Orban und Fico so stärken…
Meine Hoffnung ist, dass Orban vielleicht doch endlich abgewählt wird….
Die Hilf- und Ratlosigkeit der EU angesichts dieser Bremsklötze und Blockierer geht mir auch auf die Nerven. Das vermittelt wieder einmal das Bild der Schwäche und Handlungsunfähigkeit und das ist einfach gerade zur Zeit fatal.

Ela Gatto
Ela Gatto
2 Stunden zuvor

Orban ist für die EU komplett jntragbar geworden.

Wann setzt die EU endlich die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ein, um Ungarn in die Schranken zu weisen.

Ein faschistischer alter weißer Mann tanzt der EU und allen westlichen Demokratien auf der Nase rum.
Die Slowakei und auch Bulgarien folgen immer öfter dem Kurs Orbans.

Putin freut es.
Er muss nur weiter bomben und abwarten.

Trump freut es.
Ein uneiniges Europa ist ein schwaches Europa.

2
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x