Unser Kampf im Fake-News-Dschungel – Wie wir digitale Fälschungen zerlegen und warum sie Recherche blockieren

VonRainer Hofmann

Februar 17, 2026

Während wir Originalakten prüfen, Querverweise abgleichen und juristische Dokumente Satz für Satz analysieren, läuft parallel eine zweite Front: der Strom digitaler Fälschungen, der jede ernsthafte Recherche ausbremst. Es reicht längst nicht mehr, Dokumente zu lesen. Wir müssen Bilder sezieren, Videos Bild für Bild prüfen, Layouts vergleichen, Zeitstempel kontrollieren und digitale Wasserzeichen identifizieren.

Der angebliche Truth-Social-Post von Donald Trump über das „Zementieren von Vulkanen“ ist ein gutes Beispiel. Das Bild wirkte formal korrekt: Profilbild, Benutzername, typisches Layout. Doch ein Abgleich mit dem tatsächlichen Konto ergab keinen entsprechenden Eintrag. Eine Rückwärtssuche zeigte Versionen des Textes bereits aus dem Jahr 2022 – damals ohne Bezug zu Trump. Das angebliche Präsidenten-Posting war nachträglich konstruiert worden. Zudem widerspricht der Inhalt grundlegender Geologie: Vulkane besitzen bereits massive Gesteinsdeckel. Magma bricht durch kilometerdicke Erdschichten. Ein Betonpfropfen an der Oberfläche würde physikalisch nichts verhindern.

Ähnlich das vermeintliche Dinner-Foto von Jeffrey Epstein und Chuck Schumer. Hier war der erste Hinweis ein kleines Kürzel in der Ecke: DFF. Dahinter steht ein Account, der offen erklärt, digitale Fälschungen zu produzieren, um Menschen hereinzulegen. Zusätzlich ließ sich im Bild ein digitales Erkennungsmerkmal nachweisen, das auf die Nutzung von Google-Generatoren hinweist. Eine Bildrückwärtssuche brachte keine journalistische Quelle zutage. Kein Fotograf, kein Archiv, kein Bericht über ein solches Treffen. Ein reales politisches Erdbeben hätte Spuren hinterlassen. Dieses Bild hatte keine.

Das angebliche Noem-Zitat zur „englischen Bibel“ ließ sich durch Kontextanalyse entkräften. Die Ursprungsquelle war eine klar als Satire gekennzeichnete Seite. Bewusst eingebaute Schreibfehler wie „Fox Mews Chanel“ oder „Homelad Suckretary“ dienten als Signal. Diese Elemente verschwanden in späteren Reposts, wodurch der satirische Rahmen verloren ging. Ein Abgleich mit öffentlichen Auftritten und offiziellen Mitteilungen ergab keinen Beleg für die Aussage.

Am aufwendigsten war das Video, das Trump, Epstein und angebliche Minderjährige zeigen sollte. Ausgangspunkt war ein reales Foto von 1997 bei einer Victoria’s-Secret-Veranstaltung. Dieses Bild ist dokumentiert und veröffentlicht worden, unter anderem in Buchform. Auf dem Original befinden sich ausschließlich erwachsene Personen. Die kursierende Version wurde technisch animiert. Hinweise auf Manipulation zeigten sich in unnatürlich gleichmäßiger Hautstruktur, inkonsistenter Lichtführung, ruckartigen Bewegungsabläufen und fehlender physischer Interaktion zwischen Figuren und Umgebung. Einzelne Bildelemente reagierten nicht logisch auf Perspektive oder Schatten. Es handelte sich um ein statisches Foto, dem künstlich Bewegung und zusätzliche Personen hinzugefügt wurden.

Jede dieser Fälschungen bindet Ressourcen. Jede verlangt technische Analyse, Quellenabgleich, Archivsuche, forensische Betrachtung. Währenddessen geraten echte Dokumente in den Hintergrund. Genau das ist der Nebeneffekt: Der Lärm digitaler Konstruktionen erschwert die Konzentration auf belastbares Material. Wer aufklären will, darf sich nicht vom ersten Eindruck leiten lassen. Ein Logo, ein Layout, ein emotional aufgeladenes Motiv reichen heute aus, um Millionen zu erreichen. Die Aufgabe besteht darin, die Spuren zurückzuverfolgen, digitale Fingerabdrücke zu identifizieren und Kontext herzustellen. Das kostet Zeit. Aber ohne diese Arbeit wird jede Debatte zum Spielball der nächsten Montage.

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Ela Gatto
Ela Gatto
8 Stunden zuvor

Fake news, KI-Mitteilungen…. man muss so aufpassen.

Gerade erst musste das ZDF KI-generierte Bilder von einem Bericht zu ICE entfernen.

Gerade die nicht gekennzeichneten Bilder, sind gefährlich.
Sie werden immer detaillierter und schwerer zu erkennen.

Für Euch, als hart recherchierende Journalisten, ein wahrer Alptraum.

Sonja Gang
Sonja Gang
4 Stunden zuvor
Antwort auf  Ela Gatto

Das ist nicht nur für Journalisten ein Alptraum, sondern für jeden Menschen!

Was passiert, wenn man mehr und mehr seinen Augen, solchen Bildern, Videos und schriftlichen Texten nicht glauben kann?
Dann sind Nachrichten in Kürze nichts mehr wert – weil man niemandem mehr glaubt!
Das bedeutet Chaos – und dieses Chaos wird genutzt für politische Ausrichtungen.
Auch um Angst zu erzeugen – die dann von politischen Gruppen aufgefangen wird um für eigene Interessen zu steuern…. siehe AfD, die sich bereits dieser Methoden bedient. Die haben selbst kaum Konzepte- bedienen sich haargenau der Ängste der Menschen und diese Ängste werden durch Fake News gefüttert.Ihre Anhängerschaft nimmt zu – Argumenten sind sie nicht mehr zugänglich, weil sie diese für Lügen halten.

Beispiel: Das geht so weit, dass inzwischen wieder geglaubt wird: Die Erde sei eine Scheibe.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – so eine Denke im Jahr 2026.

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