Washington reagiert nüchtern, fast routiniert. Der Präsident zeigt sich nicht überrascht, dass Russland seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur wieder aufgenommen hat. Dabei hatte Wladimir Putin zuvor zugesagt, für eine Woche auf Angriffe auf Kiew und andere Städte zu verzichten – mitten in einer Phase bitterer Kälte. Diese Zusage hielt nicht einmal bis zur nächsten Nacht. In der Ukraine folgte auf die Worte erneut Feuer. Ein großangelegter Angriff traf das Land, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, und richtete sich erneut gegen Strom- und Versorgungsnetze. Die Vereinbarung, die Angriffe auf die Energieinfrastruktur auszusetzen, erwies sich damit als wertlos. Während neue Gespräche über ein mögliches Ende des Krieges vorbereitet wurden, sprach Moskau mit Raketen.
Aus dem Weißen Haus hieß es, man sei leider nicht überrascht über diesen Schritt. Die Aussage wirkt wie eine beiläufige Feststellung, nicht wie ein politischer Einschnitt. Sie macht deutlich, wie gering die Erwartungen inzwischen sind, selbst wenn formelle Zusagen gemacht werden. Vertrauen spielt in dieser Lage keine Rolle mehr.
Ich habe Putin angerufen, und er hat zugestimmt. Sie haben dort die gleiche Kältewelle wie wir, vielleicht etwas anders, weil es ziemlich weit weg ist. Die Ukraine ist ein sehr kaltes Land, viel kälter als bei uns. Ich habe ihn gebeten, eine Woche lang nicht zu schießen, und er hat zugestimmt. (29. Januar 2026)
Trotzdem sollen die Gespräche weitergehen. In Abu Dhabi sind Treffen mit russischen und ukrainischen Vertretern geplant. Mit dabei sind der Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn. Aus dem Umfeld des Präsidenten heißt es, beide hätten bereits im Nahen Osten Dinge erreicht, die zuvor als unmöglich galten. Nun sollen sie Ähnliches für den Krieg zwischen Russland und der Ukraine versuchen. Während verhandelt wird, bleibt für die Menschen in der Ukraine vorerst nur die Kälte – und der nächste Einschlag.
Aktuell sollen Westliche Staaten und die Ukraine sich auf ein abgestuftes Konzept verständigt haben, wie ein möglicher Waffenstillstand mit Russland militärisch abgesichert werden könnte. Der Plan sieht eine koordinierte Reaktion vor, falls Moskau ein solches Abkommen brechen sollte. Besprochen wurde das Modell demnach bereits im Dezember und Januar zwischen Vertretern aus Kiew, Europa und den USA.
Kern der Überlegungen ist ein dreistufiges Eskalationsschema. In den ersten 24 Stunden nach einem Verstoß soll zunächst diplomatisch reagiert werden, unterstützt durch Maßnahmen der ukrainischen Streitkräfte. Halten die Angriffe an, sollen innerhalb von 24 bis 72 Stunden Einheiten einer sogenannten Koalition der Willigen eingreifen, darunter europäische Staaten, Großbritannien und weitere Partner. Erst nach 72 Stunden wäre dem Konzept zufolge eine koordinierte militärische Reaktion unter Beteiligung der USA vorgesehen. Allerdings handelt es sich ausdrücklich um theoretische Planungen, betrachtet man die Realität, realitätsfern.
Ein belastbarer Waffenstillstand existiert nicht, und Russland hat bislang jede Form verbindlicher Zusagen verweigert. Der Kreml lehnt zudem kategorisch die Präsenz westlicher Truppen in der Ukraine ab und hält an weitreichenden Forderungen fest, die einer realistischen Einigung entgegenstehen. Doch angesichts des bisherigen Verhaltens Russlands und der fortgesetzten Angriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur wirken die diskutierten Sicherheitsgarantien derzeit weniger wie ein realistischer Fahrplan, sondern eher wie eine Verkennung der Realität.
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