Recherchen zeigen auf – wie arabische Monarchien, Trump und die europäische Rechte ein System stabilisieren, das Kriege, Instabilität und Flucht erzeugt

VonRainer Hofmann

Februar 2, 2026

Ende Dezember schlugen saudi-arabische Kampfflugzeuge im jemenitischen Hafen Mukalla zu. Getroffen wurde nach Darstellung Riads ein aus den Emiraten gelieferter Waffentransport, bestimmt für den Südlichen Übergangsrat. Damit wurde aus einer lange schwelenden Rivalität zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ein offener militärischer Konflikt. Eine neue große Konfrontation am Golf blieb zwar aus, doch das Signal war eindeutig. Das Machtgefüge zwischen den arabischen Monarchien verschiebt sich, und mit ihm die Ordnung einer ganzen Region. Politisch, wirtschaftlich und strategisch geraten alte Bündnisse ins Rutschen, während neue Frontlinien entstehen, die weit über den Nahen Osten hinausreichen.

Der Angriff auf Mukalla war der vorläufige Höhepunkt eines Zerwürfnisses

Der Angriff auf Mukalla war der vorläufige Höhepunkt eines Zerwürfnisses, das Jahre zuvor begann. Noch 2015 hatten Saudi-Arabien und die Emirate gemeinsam eine Militärkoalition gegen die Huthi-Milizen gebildet. Doch spätestens mit dem schrittweisen Rückzug der Emirate ab 2019 änderte sich die Dynamik. Abu Dhabi zog seine regulären Truppen zwar ab, sicherte sich aber über lokale Milizen, Hafenanlagen und politische Netzwerke weiter massiven Einfluss im Süden Jemens. Der Südliche Übergangsrat, offen unterstützt von den Emiraten, entwickelte sich zur schlagkräftigsten Kraft in Aden und den östlichen Provinzen.

Der Angriff auf Mukalla war der vorläufige Höhepunkt eines Zerwürfnisses

Saudi-Arabien setzte dagegen auf den Präsidentiellen Führungsrat und verfolgte ein anderes Ziel: territoriale Stabilität und Kontrolle strategischer Korridore. Besonders Hadramaut und al-Mahra sind für Riad von zentraler Bedeutung. Beide Regionen grenzen direkt an Saudi-Arabien, al-Mahra bietet zudem einen möglichen Zugang zum Indischen Ozean. Seit Jahren plant das Königreich dort eine Pipeline, die den Öltransport unabhängig von der Straße von Hormus machen würde. Als der Südliche Übergangsrat Ende 2025 militärisch vorrückte, den Flughafen von Aden schloss und offen einen Zeitplan zur Abspaltung des Südens verkündete, sah Riad seine Sicherheitsinteressen unmittelbar bedroht.

Der Luftschlag auf Mukalla war daher weniger ein taktischer Eingriff als eine politische Machtdemonstration. Sie wirkte. Die Emirate erklärten den vollständigen Abzug ihrer Kräfte aus dem Jemen und vermieden eine direkte Konfrontation mit Saudi-Arabien. Doch der Rückzug war kein Rückzug aus dem Spiel. Teile des Südlichen Übergangsrats wurden zwar nach Riad gebracht und erklärten dort die Auflösung der Organisation, doch ihr Anführer verschwand. Seine Flucht, mutmaßlich mit Unterstützung emiratischer Kräfte, zeigt, dass Abu Dhabi weiterhin über Optionen verfügt. Lokale Milizen, bewaffnete Verbände und politische Netzwerke bleiben ein Hebel, der jederzeit wieder eingesetzt werden kann.

Die Karte zeigt die Konkurrenz um politischen und militärischen Einfluss zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Nahen Osten und in Teilen Afrikas. Dargestellt sind dabei keine formalen Staatsgrenzen von Bündnissen, sondern Einflusszonen – also Regionen, in denen beide Staaten durch Militärpräsenz, lokale Verbündete, wirtschaftliche Kontrolle oder politische Interventionen maßgeblich mitbestimmen. Der Fokus liegt nicht auf offizieller Souveränität, sondern auf faktischer Machtprojektion.

Schräg schraffierte Flächen markieren Regionen, in denen Saudi-Arabien dominierenden oder erheblichen Einfluss ausübt. Dazu zählen vor allem der Sudan sowie Teile des Jemen, insbesondere Grenzregionen und strategische Landkorridore. Saudi-Arabien verfolgt hier in erster Linie sicherheitspolitische Ziele: den Schutz der eigenen Südflanke, die Kontrolle wichtiger Landwege und langfristig den Zugang zu alternativen Handels- und Energierouten, die Abhängigkeiten von maritimen Engpässen reduzieren sollen.

Ebenfalls schräg schraffiert, aber gesondert ausgewiesen, sind Einflusszonen der Vereinigten Arabischen Emirate. Diese umfassen Libyen, Somaliland sowie Teile des südlichen und östlichen Jemen. Die emiratische Strategie ist weniger flächig angelegt als die saudische, dafür deutlich punktueller. Im Zentrum stehen Häfen, Küstenabschnitte, Seewege und logistische Knotenpunkte, die über lokale Akteure, Milizen, Hafenprojekte oder militärische Infrastruktur abgesichert werden.

Gelb markiert sind Gebiete im Jemen, die unter der Kontrolle proiranischer Huthi-Akteure stehen. Diese Regionen entziehen sich dem direkten Einfluss sowohl Saudi-Arabiens als auch der Emirate und bilden den Kern des anhaltenden Konflikts. Sie markieren zugleich die Grenze dessen, was externe Akteure derzeit militärisch oder politisch durchsetzen können.

Besonders deutlich wird die Konkurrenz im Jemen, der als zentraler Überschneidungsraum beider Einflussstrategien erscheint. Während Saudi-Arabien dort vor allem sicherheitspolitisch agiert, unterstützen die Emirate separatistische und lokale Akteure, insbesondere im Süden und entlang der Küste. Städte wie Aden und Mukalla sowie die Provinzen Hadramaut und al-Mahra nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein, da sie sowohl militärisch als auch infrastrukturell von strategischer Bedeutung sind.

Auch in Afrika, insbesondere in Libyen und im Sudan, zeigt die Karte die Ausweitung dieses Wettbewerbs. Beide Länder verfügen über keine stabile staatliche Ordnung, was sie zu bevorzugten Schauplätzen externer Einflussnahme macht. Der Machtkampf der Golfstaaten greift hier auf afrikanisches Territorium über und wirkt sich auf Migration, Rohstoffpolitik und regionale Sicherheitslagen aus.

Insgesamt verdeutlicht die Karte, dass es sich nicht um einen klassischen Stellvertreterkrieg mit klaren Frontlinien handelt, sondern um einen Machtwettbewerb ohne feste Grenzen. Einfluss wird nicht durch formale Annexionen ausgeübt, sondern durch militärische Präsenz, lokale Verbündete, wirtschaftliche Abhängigkeiten sowie die Kontrolle über Infrastruktur und Seewege. Damit wird sichtbar, wie fragmentiert die politische Ordnung in dieser Region inzwischen ist – und warum Konflikte dort nicht isoliert entstehen, sondern eng miteinander verknüpft verlaufen.

Der jemenitische Schauplatz ist dabei nur ein Ausschnitt eines viel größeren Wettbewerbs. Parallel zu den Ereignissen in Mukalla hielt sich der saudische Kronprinz in Washington auf. Dort ging es offiziell um Sudan, doch im Hintergrund stand weit mehr auf dem Spiel. Der Krieg im Sudan, mit Millionen Vertriebenen und einer humanitären Katastrophe historischen Ausmaßes, ist längst Teil des Machtkampfs am Golf. Saudi-Arabien, die Emirate, Ägypten und die USA bilden zwar formal ein Vermittlungsformat, doch faktisch blockiert gegenseitiges Misstrauen jede ernsthafte Initiative. Riad und Khartum werfen Abu Dhabi vor, die Rapid Support Forces zu unterstützen. Gerüchte über Forderungen nach US-Sanktionen gegen die Emirate machten die Runde. Ob wahr oder nicht, sie trugen zur Eskalation bei.

Auch jenseits des Jemen wirkt die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten destabilisierend. Besonders deutlich zeigt sich das im Sudan, wo ein von den USA, Saudi-Arabien, den Emiraten und Ägypten gebildeter Vermittlungsmechanismus faktisch blockiert ist. Hintergrund sind gegenseitige Vorwürfe: Der sudanesische Souveräne Rat und Saudi-Arabien werfen den Emiraten vor, die paramilitärischen Schnellen Eingreiftruppen zu unterstützen. In diesem Klima kursierten in Washington Berichte, der saudische Kronprinz habe Präsident Trump gedrängt, diese Miliz als Terrororganisation einzustufen und Sanktionen gegen die Emirate zu prüfen – ob zutreffend oder nicht, solche Signale verschärfen die Spannungen und wirken bis in andere Konflikte hinein.

Die Fluchtbewegungen aus dem Sudan lassen sich nicht isoliert von der Politik Europas und der Vereinigten Staaten betrachten. Über Jahre haben westliche Regierungen auf sicherheitspolitische Abschottung, Kooperation mit autoritären Akteuren und das Auslagern von Stabilisierung an regionale Machtpartner gesetzt, statt auf den Aufbau tragfähiger ziviler Strukturen. Diese Linie wurde unter Donald Trump offen verschärft, indem Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit und multilaterale Krisenprävention zurückgedrängt wurden. In Europa knüpfen rechtspopulistische Parteien wie die AfD an genau diese Logik an: Sie lehnen Aufnahme, humanitäre Verantwortung und langfristige Stabilisierung ab, unterstützen aber gleichzeitig außenpolitische Ansätze, die Instabilität in Herkunftsregionen fortschreiben oder in Kauf nehmen. Das Ergebnis ist ein politischer Kreislauf, in dem Fluchtbewegungen mitverursacht werden, um anschließend als Bedrohung bekämpft zu werden. Migration erscheint so nicht als Folge politischer Entscheidungen, sondern wird zum innenpolitischen Instrument – während die strukturellen Ursachen unangetastet bleiben.

Hinzu kommt die israelische Anerkennung Somalilands Ende 2025, ein Schritt, der ohne Rücksprache mit Abu Dhabi kaum denkbar gewesen wäre. Während große Teile der arabischen Welt dies verurteilten, blieb offene Kritik aus den Emiraten aus. Der Schritt war geopolitisch brisant und ohne Rückendeckung der Emirate kaum denkbar. Abu Dhabi hat in Somaliland wirtschaftliche und militärische Interessen, nutzt den Hafen Berbera strategisch und baut seinen Einfluss am Horn von Afrika systematisch aus. Die Reaktion der arabischen Welt fiel überwiegend kritisch aus, doch die Emirate hielten sich auffällig zurück. Ihre enge Zusammenarbeit mit Israel ist längst ein eigenständiger Machtfaktor, unabhängig von regionalen Stimmungen oder religiösen Rücksichten. Die Entwicklung fügt sich in eine langfristige Strategie ein, mit der Abu Dhabi seinen Einfluss von Libyen bis zum Horn von Afrika ausgebaut hat – über Häfen, Sicherheitskooperationen und politische Schutzräume. Dass der Rückzug aus dem Jemen daran wenig ändert, gilt unter Regionalexperten als ausgemacht: Er markiert keinen Strategiewechsel, sondern lediglich eine taktische Anpassung in einem Machtgefüge, das zunehmend auf Kontrolle maritimer Zugänge und Handelsrouten zielt.

Was Saudi-Arabien und die Emirate trennt, ist weniger das Ziel als der Weg. Beide wollen sichere Seewege, kontrollierte Häfen, verlässliche Regime. Doch Riad setzt stärker auf formelle staatliche Strukturen, Abu Dhabi arbeitet opportunistischer mit lokalen Akteuren, Milizen und Separatisten. Diese Unterschiede verschärfen den Wettbewerb, anstatt ihn zu dämpfen. Zugleich ringen beide Länder um wirtschaftliche Vorherrschaft. Der Streit um Förderquoten innerhalb von OPEC+, der Druck auf internationale Unternehmen, ihre Regionalzentralen nach Riad zu verlegen, und die Abschaffung von Zollvorteilen für Freihandelszonen der Emirate sind Ausdruck dieses Konflikts.

Wie eng politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Netzwerke miteinander verflochten sind, zeigte sich bereits jenseits formaler Diplomatie. Bei einem Formel-1-Rennen im Dezember 2019 traten der damalige saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der damalige Kronprinz von Abu Dhabi, Mohammed bin Zayed, gemeinsam mit dem tschetschenischen Führer Ramzan Kadyrov, der bis heute die russische Teilrepublik Tschetschenien anführt, und dem russischen Staatsduma-Abgeordneten Adam Delimkhanov (Mitglied des russischen Parlaments) auf – ein Bild, das sichtbar machte, wie internationale Machtzirkel in informellen Räumen zusammenfinden.

Auch in der Luft und auf See wird konkurriert. Dubai, Abu Dhabi, Doha und nun auch Riad wollen die zentrale Drehscheibe zwischen Europa, Asien und Afrika sein. Neue Airlines, gigantische Flughafenprojekte, Hafenexpansionen und globale Logistiknetzwerke stehen im direkten Wettbewerb. Dahinter steht eine strategische Erkenntnis: Öl und Gas verlieren langfristig an Bedeutung. Daten, Transport, künstliche Intelligenz und Medienmacht sollen die nächste Grundlage politischer Stabilität bilden.

Parallel zur politischen und militärischen Konkurrenz verlagert sich der Machtkampf der arabischen Monarchien zunehmend in den technologischen Raum. In Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar gilt künstliche Intelligenz als strategischer Hebel für die Zeit nach Öl und Gas – nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern als Instrument langfristiger Regimestabilität. Saudi-Arabien hat dafür mit HUMAIN eine staatlich kontrollierte Technologiegesellschaft geschaffen, die direkt dem Kronprinzen untersteht und bewusst nach dem Vorbild von Saudi Aramco aufgebaut ist, nur eben für Daten, Rechenleistung und digitale Infrastruktur. Die Emirate sind noch weiter gegangen und haben als erstes Land weltweit ein eigenes Ministerium für künstliche Intelligenz eingerichtet. Parallel investieren sie in den Aufbau des großangelegten Rechenzentrums „Stargate“, dessen Inbetriebnahme für 2026 geplant ist. Die technologische Aufrüstung folgt dabei derselben Logik wie zuvor Energie-, Hafen- oder Medienpolitik: Wer Kontrolle über Schlüsseltechnologien erlangt, sichert sich geopolitischen Einfluss, wirtschaftliche Abhängigkeiten und politische Handlungsmacht weit über die eigene Region hinaus.

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Gerade die Medien sind ein entscheidendes Instrument. Katar hat früh gezeigt, wie wirkungsvoll ein internationaler Nachrichtensender sein kann. Inzwischen ziehen Saudi-Arabien und die Emirate nach, bauen eigene globale Medienmarken auf und investieren massiv in Reichweite, Einfluss und Narrative. Parallel dazu wächst der Lobbyapparat in Washington. Milliardenversprechen, Investitionszusagen, persönliche Netzwerke und PR-Firmen sind Teil eines Wettlaufs um Gehör im Weißen Haus und im Kongress. Trump spielt dabei eine zentrale Rolle. Er will keine Seite verlieren, braucht Geld, Loyalität und strategische Zusagen. Genau das verschafft den Monarchien Handlungsspielraum.

Mohammed bin Salman, der Kronprinz Saudi-Arabiens zusammen mit Donald Trump. In Saudi-Arabien ist Mohammed bin Salman nicht nur Kronprinz und Premierminister, sondern auch Vorsitzender aller großen staatlichen Entwicklungs- und Immobilienprojekte. Wer dort investiert, investiert unter seiner Aufsicht. Und wer dort baut, tut dies unter den Augen eines Mannes, dessen Beziehung zu Trump seit Jahren äußerst eng ist. Während Trump den Kronprinzen verteidigte – etwa nach der Ermordung Jamal Khashoggis –, wuchsen gleichzeitig geschäftliche Möglichkeiten für seine Familie heran. In diesen Momenten verschwimmen die Rollen vollständig. Trump verhandelt in Washington über ein mögliches Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien weitreichende Sicherheitsgarantien verschaffen könnte. Wenige Tage später sitzt er mit Mohammed bin Salman zusammen – einem Mann, der zugleich Schlüsselperson eines möglichen Trump-Deals ist. Es ist eine politische Welt, in der Staatsbesuche und private Gespräche ineinanderfallen, ohne dass jemand den Versuch unternimmt, die Linien klar zu halten.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um politische Rhetorik oder klassische Bündnistreue. Während Trumps Besuchs am Golf überboten sich die Monarchien mit Investitionszusagen an die USA: Saudi-Arabien stellte zunächst 600 Milliarden Dollar in Aussicht, später wurde sogar eine Billion genannt, die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten Projekte im Umfang von rund 1,4 Billionen Dollar an, Katar sprach von weiteren 1,2 Billionen. Dabei handelt es sich bislang um politische Versprechen und Ankündigungen, nicht um bereits geflossene oder verbindlich gebundene Gelder; konkrete Auszahlungen in dieser Größenordnung hat es bisher nicht gegeben. Doch genau diese Summen markieren den Übergang von staatlicher Diplomatie zu personalisierter Einflussnahme. Der Wettbewerb richtet sich zunehmend auf den direkten, persönlichen Zugang zu Trump selbst, auf Gesten, Sonderwege und demonstrative Loyalität jenseits institutioneller Verfahren. Wie konkret diese Entwicklung inzwischen geworden ist, bestätigte die US-Luftwaffe im Januar: Ein von Katar gestifteter Großraumjet aus dem Besitz der Herrscherfamilie soll bereits im Sommer 2026 als Übergangslösung für Air Force One einsatzbereit sein, derzeit wird die Maschine vom Pentagon technisch umgerüstet und sicherheitsseitig überprüft. Hintergrund sind die zunehmenden Ausfälle der über 35 Jahre alten Präsidentenflugzeuge und weitere Verzögerungen beim Bau regulärer Nachfolger. Kritiker sprechen von einem problematischen Präzedenzfall, weil erstmals ein ausländischer Staat faktisch ein Präsidentenflugzeug stellt, während amerikanische Steuerzahler für Umbau und Betrieb aufkommen. Trump weist die Einwände zurück und bezeichnet das Flugzeug als pragmatische Zwischenlösung. Politisch steht dieses Zusammenspiel aus Milliardenankündigungen und symbolischer Nähe exemplarisch für den Wettlauf der Golfmonarchien um Einfluss, Loyalität und privilegierten Zugriff auf das Präsidentenamt.

In dieser Konstellation drängt sich nach allen Recherchen der Eindruck auf, dass Donald Trump das Präsidentenamt weniger als öffentliche Verantwortung begreift denn als persönliches Instrument. Dieser Eindruck baut sich nicht aus Unterstellungen auf, sondern aus einer Reihe konkreter Vorgänge: der Annahme materieller Zuwendungen aus dem Ausland, die unmittelbar dem Amtsinhaber zugutekommen, während die Kosten beim Staat verbleiben; der öffentlichen Verknüpfung milliardenschwerer Investitionszusagen mit seiner Person; der demonstrativen Nähe zu eigenen Krypto-Projekten bei gleichzeitigen politischen Ankündigungen zur Deregulierung; sowie der fehlenden Transparenz zwischen außenpolitischen Entscheidungen und privaten Geschäftsinteressen. Selbst sicherheitspolitische Fragen, etwa im Umgang mit der Ukraine, werden von Trump wiederholt personalisiert und als verhandelbare Größe dargestellt. Kritische Einwände weist er nicht mit institutionellen Argumenten zurück, sondern mit der Logik individuellen Nutzens – und verstärkt damit selbst den Eindruck, dass hier staatliche Macht weniger verwaltet als für persönliche Zwecke eingesetzt wird.

Dass Europa diese Entwicklung weitgehend kommentarlos hinnimmt, wirkt weniger als Neutralität denn wie passive Absicherung. Das Schweigen entlastet Trump politisch und trägt dazu bei, dass die Verwischung zwischen Amt, Person und persönlichem Vorteil international folgenlos bleibt. Die politischen und gesellschaftlichen Folgen sind verheerend.

Die große Vision einer geschlossenen anti-iranischen Front ist unterdessen zerfallen. Saudi-Arabien hat sich Teheran wieder angenähert, Katar und Oman verfolgen eigene Ausgleichsstrategien. Nur die Emirate halten an einer klaren Achse mit Israel fest. Das Ergebnis ist keine neue Ordnung, sondern ein instabiles Gleichgewicht wechselnder Koalitionen. Militärische Großkonflikte versucht jeder zu vermeiden, doch Stellvertreterkonflikte, politische Manöver und wirtschaftlicher Druck nehmen zu.

Für die USA, für Europa und Russland gewinnt punktuell Spielraum, aber ohne Stabilität. – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr, feste Lager lösen sich auf. Partnerschaften im Golf sind situativ, Interessen verschieben sich schnell und oft gegeneinander. Der Golf ist kein politischer Block, sondern ein Spielfeld rivalisierender Machtzentren. Einfluss lässt sich dort nicht mehr dauerhaft sichern, sondern nur durch ständiges Austarieren, Neuverhandeln und die Bereitschaft, Machtverluste in Kauf zu nehmen.

Unter einer AfD-geführten Bundesregierung würde sich diese Logik voraussichtlich nicht abschwächen, sondern offen politisch übersetzt. Eine solche Regierung würde kaum versuchen, europäische Positionen zu koordinieren oder gemeinsame außenpolitische Linien abzustimmen. Stattdessen läge der Schwerpunkt auf bilateralen Arrangements, direkten Absprachen und eigenständigen Deals. Das beträfe insbesondere die Beziehungen zu Golfstaaten, wo eigene Energie-, Rüstungs- und Investitionsabkommen jenseits europäischer Abstimmung nahelägen. Rücksicht auf eine kohärente EU-Außenpolitik würde dabei zur nachgeordneten Größe.

Für Deutschland hätte das spürbare Folgen: außenpolitische Verlässlichkeit würde erodieren, Vertrauen bei europäischen Partnern schwinden, und Berlin verlöre Einfluss auf gemeinsame Entscheidungen, die es bislang mitgestalten konnte. Statt Regeln mitzuprägen, müsste Deutschland sich in einem Geflecht aus Einzelabsprachen behaupten, in dem wirtschaftliche Abhängigkeiten und politische Zugeständnisse leichter gegeneinander ausgespielt werden können. In diesem Szenario verlöre das Land seine Rolle als Korrektiv innerhalb Europas und würde selbst zum Mitspieler in jenem transaktionalen Machtgefüge, das auf persönliche Nähe, wirtschaftliche Gegenleistungen und informelle Netzwerke setzt – mit dem Risiko höherer Kosten, geringerer Planungssicherheit und einer außenpolitischen Verwundbarkeit, die langfristig Deutschlands Handlungsspielraum einschränkt.

Was bleibt, ist ein Grundkonsens: Niemand in der Region will offenen Krieg vor der eigenen Haustür. Doch Frieden im klassischen Sinne ist das nicht. Es ist ein Zustand permanenter Konkurrenz, in dem Territorien, Ressourcen, Medien und politische Nähe zum Weißen Haus ständig neu verteilt werden. Und genau darin liegt die eigentliche Dynamik dieser sogenannten Freundschaft am Golf.

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Ela Gatto
Ela Gatto
1 Tag zuvor

Danke Rainer für diese sehr ausführliche Recherche.

Vieles davon war mir so nicht bewusst bzw gar nicht bekannt.
Dazu wird hier einfach kaum berichtet. Vor allem nicht über diese ganzen verschiedenen Strukturen.

Das Trump gerne was annimmt und sein Amt als Tür für persönliche Deals nutzt, ist leider bichts Neues.
Wo ich mich wundere, dass immer gegen Muslime in den USA gewettert wird, aber wenn Trump mit ihnen klüngelt ist es in Ordnung?
Typische MAGA Hohlbirnen.

Genau, wue die AfD.
Wettern gegen Muslime, aber würden sich persönlich mit Deals bereichern.

Der Nahe Osten wird weiterhin eine große Rolle spielen.
Es bleibt „interessant“, wie die Machtverhältnisse sich entwickeln.

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