Die Zahlen sind eindeutig, auch wenn sie politisch unbequem sind. Im November ist das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten sprunghaft auf 56,8 Milliarden Dollar gestiegen – ein Anstieg um 95 Prozent innerhalb eines Monats. Das muss man erst einmal schaffen, Trump liefert, nur in einem negativen dramatischen Ausmaß. Damit zerfällt eines der zentralen Versprechen der Trump-Regierung: dass Zölle Amerika wirtschaftlich stärken und das Handelsungleichgewicht dauerhaft verringern würden. Tatsächlich zeigt sich nun, dass genau diese Politik extreme Ausschläge erzeugt, ohne das strukturelle Problem zu lösen. Die Exporte gingen im November deutlich zurück. Sie sanken um 3,6 Prozent auf 292,1 Milliarden Dollar. Besonders betroffen waren Ausfuhren von Gold, Arzneimitteln, Konsumgütern und Rohöl. Gleichzeitig legten die Importe kräftig zu. Mit einem Plus von fünf Prozent erreichten sie 348,9 Milliarden Dollar. Die USA kauften vor allem ausländische Medikamente sowie technische Ausrüstung für neue Rechenzentren. Die Folge ist ein Defizit, das sich nicht aus wirtschaftlicher Stärke, sondern aus hektischen Verschiebungen speist.

Die offiziellen Daten der US-Regierung zeigen, dass das Handelsdefizit der USA im November 2025 auf 56,8 Milliarden Dollar gestiegen ist – fast eine Verdopplung gegenüber Oktober. Ursache ist, dass die Exporte deutlich zurückgingen, während die Importe stark zunahmen, was die Lücke zwischen Ein- und Ausfuhren wieder massiv vergrößerte. Das widerspricht dem politischen Versprechen, das Defizit durch Zölle dauerhaft zu senken.
Diese Entwicklung ist kein Ausreißer, sondern Teil eines Musters. Seit Trump massive Einfuhrabgaben verhängt hat, schwankt der Außenhandel in ungewöhnlicher Heftigkeit. Das Defizit war in den Monaten zuvor stark gefallen, im Oktober sogar auf den niedrigsten Stand seit 2009. Die Regierung feierte dies als Erfolg. Ökonomen warnten jedoch früh, dass dieser Rückgang vor allem auf Sondereffekte zurückging, etwa auf Goldbewegungen, die durch Unsicherheit an den Märkten ausgelöst wurden. Der November bestätigt diese Einschätzung. Trumps Zölle haben vor allem das Timing des Handels verändert. Unternehmen zogen Lieferungen vor, um Abgaben zu umgehen, oder hielten sie zurück, bis neue Regeln galten. In den ersten Monaten seiner Amtszeit schnellten Importe in die Höhe, als Firmen versuchten, sich vor angekündigten Zöllen einzudecken. Nach der Ankündigung globaler Strafabgaben im April brachen die Einfuhren wieder ein. Besonders deutlich war dieses Hin und Her in sensiblen Branchen wie Pharmazeutik und Halbleitern, die im Jahresverlauf mehrfach zwischen Importwellen und Rückgängen schwankten.
Addiert man diese Bewegungen über das Jahr, bleibt vom vermeintlichen Erfolg wenig übrig. Bis November lag das gesamte Handelsdefizit immer noch 4,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zwar stiegen die Exporte in den ersten elf Monaten um 6,3 Prozent, doch die Importe legten mit 5,8 Prozent fast ebenso stark zu. Von einer nachhaltigen Korrektur kann keine Rede sein. Besonders aufschlussreich ist der Blick auf einzelne Handelspartner. Das Warenhandelsdefizit mit China lag zwischen Januar und November bei 189 Milliarden Dollar. Es ist damit geringer als das Defizit mit der Europäischen Union und nur leicht höher als jenes mit Mexiko. Trumps jahrelange Fixierung auf China als Hauptproblem wird durch diese Zahlen relativiert. Die Handelsströme haben sich verschoben, nicht aufgelöst.
Ökonomen sehen in der aktuellen Entwicklung ein ernstes Risiko für das Wachstum. Der Anstieg des Defizits im November war einer der größten monatlichen Sprünge, die je gemessen wurden. Da Nettoimporte vom Bruttoinlandsprodukt abgezogen werden, dürfte dieser Effekt die Wachstumszahlen für das vierte Quartal nach unten drücken. Der kurzfristige Rückgang des Defizits in den Vormonaten hatte die Wachstumsprognosen noch künstlich nach oben getrieben – nun kehrt sich dieser Effekt um. Hinzu kommt die rechtliche Unsicherheit. Der Oberste Gerichtshof wird in Kürze, unser Stand ist um den 20. Februar, über die Zulässigkeit vieler Zölle entscheiden, die Trump auf Basis eines Notstandsgesetzes aus den siebziger Jahren verhängt hat. Die Regierung hat bereits signalisiert, dass sie mögliche Niederlagen umgehen will, indem sie Abgaben über andere juristische Konstruktionen neu einführt. Das bedeutet: Die Volatilität dürfte anhalten.
Derzeit liegt der effektive US-Zollsatz bei fast 17 Prozent, dem höchsten Wert seit 1935. Diese Zahl markiert weniger eine wirtschaftliche Renaissance als eine Rückkehr zu einem protektionistischen Niveau, das historisch mit Instabilität verbunden ist. Der November zeigt, was das in der Praxis bedeutet: ein Handelssystem im Dauerstress, ein Defizit, das wild schwankt, und eine Politik, die ihre eigenen Erfolge nicht erklären kann, ohne sie im nächsten Monat wieder zu verlieren. Am Ende bleibt eine nüchterne Erkenntnis. Zölle ersetzen keine Industriepolitik, keine Investitionen in Produktivität und keine langfristige Strategie. Sie verschieben Zahlen, sie erzeugen Schlagzeilen, aber sie heilen keine strukturellen Ungleichgewichte. Der jüngste Anstieg des Handelsdefizits ist kein Betriebsunfall. Er ist die logische Folge einer Politik, die kurzfristige Wirkung mit wirtschaftlicher Substanz verwechselt.
Was sich in den Handelszahlen zeigt, ist kein amerikanisches Sonderproblem, sondern ein politischer Traum, der auch in Europa Anhänger findet. Die AfD bewundert Donald Trump offen für genau diese Art von Wirtschaftspolitik: laut, konfrontativ, zahlenfixiert und blind für Zusammenhänge. Zölle, Abschottung und der Glaube, man könne komplexe Volkswirtschaften mit simplen Strafmechanismen steuern, gehören auch dort zum festen Repertoire. Die Realität in den USA zeigt jedoch, wohin dieser Kurs führt: zu sprunghaften Effekten, Planungsunsicherheit für Unternehmen, höheren Kosten für Verbraucher und am Ende zu schlechteren Ergebnissen als je zuvor. Wer Trump zum Vorbild erklärt, erklärt damit auch das Scheitern zur Methode. Nicht aus ideologischer Bosheit, sondern aus wirtschaftlicher Inkompetenz.
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Danke für diese gute Recherche.
Warum ist Trump mehrfach in die Involzenz gegangen?
Genau, weil er absolut keinen Schimmer von Wirtschaft hat.
Für ihn geht es um Deals, Drohung etc.
So funktioniert Wirtschaft aber nicht längerfristig.
Was mich aber wundert, dass wohl die Arbeitsmarktzahlen (falls nicht geschönt von Trump) besser sind und die Wirtschaftsdaten in den USA gut aussehen (wenn sie real und nicht geschönt sind).
Leider sind MAGA offensichtlich zu hohlbirnig um das alles zu begreifen.
Selbst die, die eigentlich nicht ungebildet sind, blenden das komplett aus.
Die Älteren wünschen sich die 50er zurück, wie Trump.
Die Jüngeren haben scheinbar nur den Plan gegen woke, links, demokratisch.
Mir scheint, dass jedes Herumschrauben und alle noch so große Anstrengungen dauerhaft keinen Erfolg bringen werden, weder in den USA, noch sonstwo. Erst wenn wir begriffen haben, dass wir in einer Welt endlicher Ressourcen nicht auf immer währendes Wachstum setzen können, werden wir uns darauf konzentrieren, eine lebenswerte und gerechte Zukunft ohne Wachstum zu denken. Ich befürchte allerdings, dass es dann zu spät sein wird. Derweil bleibt mir dann aber wenigstens, Donald Orangeman mit einem Grinsen beim Scheitern zu beobachten. 😏