Donald Trump spricht plötzlich von Aufklärung. Von Anstand. Von einer „ehrlichen“ Untersuchung. Nach der tödlichen Erschießung des Demonstranten und Intensivpflegers Alex Pretti in Minneapolis erklärte der Präsident am Dienstag, es laufe eine „große Untersuchung“, die er persönlich im Blick behalten wolle. Er wolle sie selbst sehen, sagte Trump beim Verlassen des Weißen Hauses, und er erwarte eine „ehrenhafte und ehrliche“ Aufarbeitung. Diese Worte markieren einen abrupten Bruch mit dem Ton, den seine Regierung noch kurz zuvor angeschlagen hatte. Hochrangige Vertreter der Administration hatten Pretti unmittelbar nach den Schüssen als gefährlichen Extremisten dargestellt, als inneren Feind, als Bedrohung. Videos vom Tatort widersprachen dieser Darstellung jedoch deutlich. Sie zeigten keinen bewaffneten Angreifer, sondern einen Mann mit einem Mobiltelefon, der einer Frau half, bevor er selbst von Beamten zu Boden gebracht und erschossen wurde. Erst danach begann im Weißen Haus das Zurückrudern.
Der Präsident ließ über seine Sprecher erklären, man wolle Distanz zu den frühen, eskalierenden Aussagen einzelner Regierungsmitglieder schaffen. Trumps eigene Worte sind Teil dieser Schadensbegrenzung, dass hatte er scheinbar schon vergessen. Sie kommen nicht aus dem Nichts. Der Druck wächst – nicht nur von Demokraten, Bürgerrechtsgruppen, investigativen Journalisten, sondern auch aus dem republikanischen Lager und von prominenten Verfechtern des Waffenrechts. Gerade dort sorgt der Fall Pretti für Unruhe, weil ein Mann getötet wurde, der eine Waffe legal besaß, sie aber offenbar nicht zog. Für viele ist das ein Angriff auf genau jene Freiheitsrechte, auf die sich Trumps Koalition sonst beruft. Er wurde dort bereits als Verräter bezeichnet, die Kongress-Zwischenwahlen stehen an, die Umfragewerte gehen weiter nach unten.
„Ich will eine sehr ehrenhafte und ehrliche Untersuchung. Ich muss sie mir selbst ansehen.“ (Wie die auch immer aussehen wird – Anmerkung der Redaktion)
Während in Washington der Ton weicher wird, bleibt die Lage vor Ort angespannt. Auch am Dienstag waren Einwanderungsbeamte im gesamten Großraum der Twin Cities im Einsatz. Wir hatten das Ganze im Auge behalten. Besonders ob sich ihre Taktik nach dem Kurswechsel aus dem Weißen Haus tatsächlich verändert hat, ist unklar. Die Operation läuft weiter, ebenso die Bilder von bewaffneten Bundesbeamten in Wohnvierteln.

Parallel dazu verschärft sich die politische Reaktion. Der demokratische Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, ging öffentlich auf Konfrontation. Das Land sei angewidert von dem, was das Heimatschutzministerium angerichtet habe, erklärte er. Die Gewalt, die von dieser Behörde auf die amerikanische Bevölkerung losgelassen worden sei, müsse enden. Jeffries forderte die sofortige Entlassung von Heimatschutzministerin Kristi Noem. Andernfalls werde man ein Amtsenthebungsverfahren im Repräsentantenhaus einleiten.

„Sie haben [geschwärzt] mitgenommen.
Bitte antworte.
ICE hat [geschwärzt] mitgenommen. Sie kamen mit Papieren zu uns an die Tür und haben sie abgeführt.“
Dass eine solche Drohung überhaupt ausgesprochen wird, zeigt die Dimension des Bruchs. Trumps Regierung sieht sich nicht mehr nur mit Kritik von außen konfrontiert, sondern mit einer Krise der eigenen Erzählung. Über Monate wurde eine harte, militärisch anmutende Durchsetzung des Migrationsrechts als Garant für Sicherheit verkauft. Nun stehen zwei tödliche Schüsse in Minneapolis im Raum – und ein wachsender Zweifel daran, ob diese Strategie schützt oder eskaliert.

Und es geht nahezu nahtlos weiter: Nahe der US-mexikanischen Grenze ist es heute zu einem Schusswaffeneinsatz mit Beteiligung der Grenzschutzbehörde gekommen. In Arivaca im Süden von Arizona wurde eine Person angeschossen und befindet sich nach Angaben der Behörden in kritischem Zustand. Der Vorfall ereignete sich rund 16 Kilometer nördlich der Grenze, in einer ländlich geprägten Gemeinde, die seit Jahren immer wieder Schauplatz von Einsätzen des Grenzschutzes ist. Nach Angaben des Sheriffbüros von Pima County war ein Beamter der Grenzschutzbehörde an dem Schusswechsel beteiligt, ebenso eine verdächtige Person. Genauere Umstände zum Ablauf des Einsatzes wurden zunächst nicht öffentlich gemacht. Das Sheriffbüro teilte mit, man arbeite gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt FBI sowie der Zoll- und Grenzschutzbehörde an der Aufklärung des Vorfalls.

Die verletzte Person wurde vor Ort medizinisch versorgt und anschließend in Gewahrsam genommen. Die Feuerwehr des Santa Rita Fire District erklärte, die Versorgung sei an einen medizinischen Rettungshubschrauber übergeben worden, der den Schwerverletzten in ein regionales Traumazentrum brachte. Weder die Grenzschutzbehörde noch das FBI reagierten zunächst auf Anfragen zu weiteren Details. Der Einsatz reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Vorfällen entlang der Grenze, bei denen der Einsatz von Schusswaffen Fragen nach Ablauf, Verhältnismäßigkeit und Transparenz aufwirft.
„Erhebst du deine Stimme, lösche ich deine Stimme.“ – Also am Ton hat sich nicht viel verändert
Trumps Ruf nach einer „ehrlichen Untersuchung“ wirkt vor diesem Hintergrund weniger wie Führung als wie Angst. Die Frage ist nicht mehr, ob er hinschaut, sondern ob das System, das er aufgebaut hat, überhaupt noch kontrollierbar ist. Denn jede weitere Enthüllung, jedes neue Video, jede widersprüchliche Aussage frisst ein Stück vom Kuchen der Glaubwürdigkeit, die diese Politik tragen sollte. Und genau deshalb ist die Forderung nach Aufklärung längst mehr als eine Formalie. Sie ist der letzte Versuch, eine aus dem Ruder gelaufene Gewaltspirale politisch einzufangen und am Ende bleibt die Angst des Narzissten.
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Nach ehrenhaft und ehrlich konnte ich nicht weiterlesen
…kann ich verstehen, aber die zitate müssen wir korrekt schreiben, so fragwürdig, wie diese auch sind
Trump stellt sich weiter hinter Noem.
Das passt nicht zu deeskalierend und aufklärend.
Und Trump mit den Worten Anstand, ehrlich und ehrenhaft …. Der größte Witz überhaupt.
Der Mann der zu 90% lügt, wenn er den Mund aufmacht?
Aber MAGA juckt das ehe alles nicht.
Sie halten Pretti für einen links radikalen Terroristen, der in Selbstverteidigung erschossen wurde.
Renee Good bleibt die Frau, die einen Beamten angefahren hat, so dass dieser mit schweren innerlichen Verletzungen ins Krankenhaus musste.
Deren Rückhalt ist Trump sicher.
Aber wieviel echte MAGA stecken in den republikanischen Wählern?
Werden die Senatoren Rückgrat beweisen und das ICE Funding stoppen?
Und zwar komplett.
Nicht wieder einknicken nach eine paar Deaks und Drohungen hinter verschlossenen Türen.
Und zwar so lange, bis hier die Aussagen vor Gericht und den Ausschüssen erfolgt sjnd.
Did betreffenden Beanten ohne Gehalt suspendiert sind.
Und unabhängige Ermittler vollen Zugang zu allen Beweisen gaben.