Das Treffen im Umfeld des Weißen Hauses sollte die aufgeheizte Lage beruhigen, doch am Ende blieb vor allem Klarheit über die Fronten. Nach Gesprächen mit Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio machte Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen deutlich, dass ein grundlegender Dissens mit Präsident Donald Trump fortbesteht. Washington hält an der Forderung nach vollständiger US-Kontrolle über Grönland fest, Kopenhagen weist sie zurück. Die Positionen seien nicht angenähert worden, sagte Rasmussen offen. Trump habe weiterhin den Anspruch, die Insel zu „übernehmen“, und halte alles darunter für unzureichend.
Dänische und grönländische Regierungsvertreter trafen sich im Weiße Haus, um mit J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio über die Zukunft Grönlands, man muss sich das einmal vor Augen halten, zu sprechen. Hintergrund des Treffens sind wiederholte Drohungen von DT, die Kontrolle über das Gebiet zu übernehmen.
Um eine unmittelbare Eskalation zu vermeiden, einigten sich beide Seiten auf die Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe. Sie soll in den kommenden Wochen tagen und prüfen, ob es Spielräume gibt, ohne die roten Linien Dänemarks zu überschreiten. Ob daraus mehr wird als ein diplomatisches Zeitfenster, ist unklar. Für Dänemark ist ein Verkauf oder Verzicht ausgeschlossen. Die Insel ist weitgehend selbstverwaltet, zählt rund 56.000 Einwohnerinnen und Einwohner und wird wirtschaftlich sowie sicherheitspolitisch weiterhin von Kopenhagen unterstützt.
Parallel zu den Gesprächen verschärfte sich die Lage militärisch. Mehrere NATO-Staaten kündigten an, Truppen nach Grönland zu entsenden. Deutschland schickt 13 Aufklärungssoldaten für eine mehrtägige Mission, Schweden und Norwegen beteiligen sich ebenfalls. Die Einsätze erfolgen auf Bitte Dänemarks und sind Teil einer dänisch geführten Übung, die die Verteidigungsfähigkeit der Region demonstrieren soll. Ziel ist es, Präsenz zu zeigen und den Anspruch zu unterstreichen, dass Sicherheit auch ohne Eigentumswechsel gewährleistet werden kann. Aktuell prüfen wir, für einige Tage nach Grönland zu reisen, um uns vor Ort ein deutlich genaueres Bild zu verschaffen. Ob es dazu kommt, ist noch offen und hängt von mehreren Faktoren ab.

Die Vereinigten Staaten brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit. Es ist von entscheidender Bedeutung für den Goldenen Schutzschild, den wir aufbauen. Die NATO sollte dabei die Führung übernehmen, damit wir es bekommen. WENN WIR ES NICHT TUN, WERDEN RUSSLAND ODER CHINA ES TUN, UND DAS WIRD NICHT PASSIEREN! Militärisch wäre die NATO ohne die enorme Macht der Vereinigten Staaten, von der ein großer Teil während meiner ersten Amtszeit aufgebaut wurde und die ich nun auf ein neues, noch höheres Niveau bringe, keine wirksame Kraft oder Abschreckung – nicht einmal annähernd! Das wissen sie, und das weiß ich auch. Die NATO wird wesentlich stärker und effektiver, wenn Grönland in den Händen der VEREINIGTEN STAATEN ist.
Alles, was darunter liegt, ist inakzeptabel. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit! Präsident DJT
Es gibt keinen realen sicherheitspolitischen Zwang, Grönland zu „besitzen“. Die USA verfügen seit Jahrzehnten über vertraglich abgesicherte militärische Rechte auf Grönland, einschließlich Stützpunkten sowie Überflug- und Stationierungsrechten. Für Abschreckung, Frühwarnung oder Raketenabwehr fehlt damit kein Instrument, das nur durch Souveränität erreichbar wäre.
Die Behauptung, Russland oder China würden Grönland „übernehmen“, ist Angstrhetorik. Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark, Dänemark ist NATO-Mitglied, und jeder militärische Zugriff eines Drittstaates wäre ein Bündnisfall. Vor Ort gibt es keine Anzeichen einer solchen „Übernahme“: Die grönländische Realität ist nicht geprägt von russischen oder chinesischen Flotten, die dort „auftauchen“ und Fakten schaffen. Dieses Bild existiert nicht.
Auch die Rolle der NATO wird falsch dargestellt. Die NATO ist kein Besitzinstrument, sondern ein Verteidigungsbündnis souveräner Staaten. Sie führt keine territorialen Übernahmen durch und kann das rechtlich auch nicht. Die Idee, das Bündnis solle helfen, fremdes Gebiet „zu bekommen“, widerspricht seinem Grundprinzip.
Der Verweis auf einen „Goldenen Schutzschild“ bleibt politisch undefiniert. Es gibt kein bekanntes, beschlossenes oder finanziertes System, das Grönland zwingend voraussetzt. Das ist Unsinn, kein Programm.
Trump selbst blieb unbeirrt. Er erklärte öffentlich, die Vereinigten Staaten bräuchten Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit und schloss den Einsatz militärischer Mittel erneut nicht aus. Er argumentierte, Dänemark könne die Insel nicht ausreichend schützen und verwies auf angebliche Ambitionen Russlands und Chinas. Dänemark widersprach entschieden. Amerikanisches Eigentum sei dafür „absolut nicht notwendig“, sagte Rasmussen. Auch Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt stellte klar, dass Kooperation willkommen sei, Besitzansprüche jedoch nicht.
Trump über Grönland: „Ob sie es mögen oder nicht … Wenn wir es nicht auf die einfache Art machen, machen wir es auf die harte Tour.“
Auffällig ist, dass Trumps Werben um die Bevölkerung Grönlands kaum Wirkung zeigt. Wirtschaftliche Versprechen aus Washington haben bislang keine breite Unterstützung erzeugt. Stattdessen wächst in Europa die Sorge, dass der Präsident bereit ist, langjährige Bündnisgrundsätze zu übergehen. Die Vorstellung, ein NATO-Mitglied könne offen die Übernahme von Territorium eines anderen fordern, erschüttert das Vertrauen innerhalb des Bündnisses.
Während Diplomaten versuchen, die „Temperatur“ zu senken, U.S.-Generäle versuchen Trump seine vollkommen absurde Absicht auszureden, sendet Europa ein anderes Signal: Grönland steht nicht zur Verhandlung, sondern ist Teil einer gemeinsamen Sicherheitsordnung. Die Arbeitsgruppe mag Gespräche ermöglichen, doch die Realität ist eine andere. Solange Washington auf Besitz besteht und Kopenhagen auf Souveränität, bleibt der Konflikt ungelöst – und die militärische Präsenz auf der eisigen Insel wird zur sichtbaren Antwort auf politische Forderungen, die weit über jede bisherige Routine hinausgehen.
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