Minneapolis ist mehr als eine Warnung – der Kampf um Demokratie hat längst Europa erreicht

VonRainer Hofmann

Januar 13, 2026

Am Montag rücken Bundesbeamte in Minneapolis geschlossen nach vorn. Keine Gespräche, kein Zögern, nur Durchsetzung. In der ersten Reihe steht eine Frau. Sie hält ein Schild, macht das Peace-Zeichen Sie sagt nichts, sie greift niemanden an, sie bewegt sich nicht. Sekunden später wird sie hart zu Boden gestoßen. Ihr Körper prallt auf den Asphalt. Das Schild fällt. Genau so soll es aussehen.

Kurz darauf dasselbe Bild an anderer Stelle. Ein Anti-ICE-Demonstrant weigert sich zurückzugehen. Er bleibt stehen. Nicht aggressiv, nicht laut, einfach standhaft. Die Reaktion ist sofort körperlich. Er wird erfasst, nach hinten geschleudert, zu Boden gebracht. Kein Dialog, keine Verhältnismäßigkeit, nur Macht.

Das Entscheidende ist nicht, wer hier wen stößt. Entscheidend ist, was hier durchgesetzt wird. Stehenbleiben wird zur Grenzüberschreitung erklärt. Sichtbarer Protest wird zur Provokation, aber muss sein. Man muss sich dort hinbegeben um den Kampf um Demokratie aufrecht zu halten, zu dokumentieren. Genau das ist auch unsere Aufgabe, unser Geist, der nicht wegschaut. Man muss sich gegenseitig helfen, ganz besonders den Unschuldigen. Wer nicht weicht, wird entfernt. Nicht, weil er gefährlich ist, sondern weil er sichtbar bleibt. Genau darin liegt die Botschaft und die kennt keine Grenzen.

Was in Minneapolis geschieht, fühlt sich nicht mehr fremd an. Es trägt keinen Ort in sich, sondern eine Stimmung. Eine dieser stillen Verschiebungen, die man erst bemerkt, wenn sie schon geschehen ist. Menschen stehen da, weil sie glauben, stehen zu dürfen, stehen zu müssen. Der Staat geht weiter, weil er gelernt hat, nicht stehen zu bleiben. In diesem kurzen Augenblick, zwischen Körper und Bewegung, wird etwas entschieden, das später als selbstverständlich gilt. Man sagt dann, es habe keine Alternative gegeben. Aber genau hier, in diesem Moment, hätte sie existiert. Wer glaubt, dies betreffe nur Amerika, verkennt, wie ähnlich unsere Zweifel bereits klingen. Auch hier fragt man sich leise, ob das Stehenbleiben noch vorgesehen ist. Diese Logik kennt keine Grenzen.

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