Die Islamische Republik Iran steht am Rand der nächsten großen Eskalation. Seit Tagen breiten sich im ganzen Land Proteste aus, die aus wirtschaftlicher Verzweiflung geboren wurden und sich in eine offene Rebellion gegen das Regime verwandeln. Auslöser war der Absturz der Landeswährung – über 1,45 Millionen Rial für einen US-Dollar – begleitet von einer Inflation jenseits der 40- 50 Prozent-Marke. Im Großen Basar von Teheran regte sich erster Widerstand, mittlerweile schließen sich Studierende, Arbeiter und Familien aus allen Landesteilen an. In Städten wie Isfahan, Kermanschah und Hamedan, aber auch in ländlichen Gebieten, rufen Demonstrierende „Tod dem Diktator“.

Das Regime antwortet wie gewohnt: mit Tränengas, Gummigeschossen, scharfer Munition und Massenverhaftungen. Mindestens acht Menschen wurden bisher getötet. Darunter: Mostafa, 15, Amirhossein Khodayari, 22, Sajjad Valamanesh, 28, Shayan Asadollahi, 28, Ahmad Jalil, 21, Khodadad Shirvani, 37, Vahab Ghaedi und Dariush Ansari, 37. Bei der Beerdigung von Khodayari vertrieben Trauernde Sicherheitskräfte, die sich unter die Anwesenden gemischt hatten. Sein Vater widersprach öffentlich der Regierungsbehauptung, sein Sohn sei Mitglied der Basidsch gewesen. Selbst staatlich kontrollierte Medien ruderten später zurück.

Auf internationaler Ebene spitzt sich die Lage ebenfalls zu. US-Präsident Trump schrieb am Freitag auf Truth Social: „Wenn das Regime friedliche Demonstranten tötet, werden wir ihnen zur Hilfe kommen. Wir sind geladen und bereit.“ Die Reaktion aus Teheran folgte prompt. Sicherheitsratsekretär Ali Laridschani warf den USA und Israel vor, die Proteste anzustacheln. Außenminister Araghchi erklärte: „Unser Volk wird jede Einmischung mit aller Kraft zurückweisen. Unsere Streitkräfte wissen genau, wohin sie zielen müssen.“ Ayatollah-Berater Ali Shamkhani warnte: „Jede fremde Hand, die sich zu nah an Irans Sicherheit wagt, wird abgetrennt.“

Die Konfrontation ist nicht neu. Im Juni hatte Israel einen Zwölftagekrieg gegen iranische Ziele begonnen, woraufhin die USA drei iranische Nuklearanlagen bombardierten. Iran reagierte mit einem Raketenangriff auf die US-Basis Al Udeid in Katar. Es gab keine Verletzten, aber die Botschaft war eindeutig. Nun droht das nächste Kapitel. Ghalibaf, Parlamentspräsident in Teheran, erklärte offen: „Alle amerikanischen Stützpunkte und Truppen sind legitime Ziele.“ Auch Israels Premierminister Netanjahu äußerte sich zuletzt mehrfach zur Lage – und warnte den Iran vor jeder Wiederaufnahme seines Atomprogramms. Teheran kündigte daraufhin an, keine Urananreicherung mehr zu betreiben, offenbar in der Hoffnung auf neue Gespräche. Die US-Regierung zeigte bislang jedoch kein Entgegenkommen.
Reformpräsident Pezeshkian versucht intern, Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, doch seine Macht ist begrenzt. Er räumte ein, dass er wenig gegen den Wertverfall der Währung und die wirtschaftliche Not ausrichten könne. Die Bevölkerung glaubt ihm nicht mehr. Anders als Obama 2009, der sich bei der Grünen Bewegung zurückhielt, stellt sich Trump nun offen hinter die Proteste – und provoziert damit nicht nur die Regierung in Teheran, sondern auch den nächsten militärischen Zusammenstoß. Analysten warnen, dass das Regime Trumps Haltung nutzen könnte, um noch härter gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen.
Die Lage ist explosiv. Es sind nicht mehr nur Rufe nach Brot und Geld – es sind Forderungen nach Freiheit und Verantwortung. Und während in Washington der Ton schärfer wird, stehen in Zahedan, Kouhdasht und Teheran Menschen auf den Straßen, die nichts mehr zu verlieren haben.
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