Der Rückzieher – Trumps neue Ukraine-Rhetorik klingt nach Flucht, nicht nach Frieden

VonRainer Hofmann

Mai 26, 2025

Donald Trump, der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten und selbsternannte Dealmaker, der noch vor wenigen Monaten vollmundig versprach, den Ukrainekrieg „innerhalb von 24 Stunden“ zu beenden, klingt plötzlich ganz anders. In einem aktuellen Truth-Social-Post am 26. Mai distanziert er sich auffallend vorsichtig von Wladimir Putin – dem Autokraten, den er einst für „brillant“ hielt – und nennt ihn nun „absolut verrückt“. „Raketen und Drohnen werden ohne jeden Grund auf Städte in der Ukraine geschossen“, schreibt Trump, als hätte er nie selbst Verständnis für Putins Machtpolitik gezeigt.

Doch hinter der Empörung verbirgt sich kein strategischer Plan, sondern vor allem eines: der Versuch, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Das ist Selenskyjs, Putins und Bidens Krieg – nicht Trumps“, schreibt der Präsident und positioniert sich damit nicht als Friedensstifter, sondern als Zuschauer. Aus dem Mann, der angeblich alles besser weiß, wird plötzlich ein Zaungast des eigenen Versagens.

Dass Trump jetzt auf „angebliche“ Distanz zu Putin geht, wirkt weniger wie späte Einsicht, sondern wie kalkulierter Selbstschutz. In einem kriegsmüden Amerika inszeniert er sich als außenpolitischer Feuerwehrmann – obwohl er es war, der Putins autoritärem Stil jahrelang Bewunderung zollte. Und obwohl er sich weiterhin weigert, der Ukraine glaubwürdige Unterstützung zuzusichern.

Trumps Worte wirken wie das Eingeständnis einer Lüge: das 24-Stunden-Versprechen war eine Show – nicht mehr. Nun bleibt der Präsident zurück mit einem zynischen Erklärungsversuch, der nur eines deutlich macht: Dies ist nicht der Mann, der Frieden bringt. Dies ist der Mann, der ihn versprochen – und dann vertagt hat.

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