Am Abgrund der Lächerlichkeit – Trumps West-Point-Rede und die geistige Verlotterung des Präsidenten

VonRainer Hofmann

Mai 25, 2025

Es war ein sonniger Samstagmorgen in West Point, jener ehrwürdigen Militärakademie am Hudson River, als der Präsident der Vereinigten Staaten die Bühne betrat – mit roter „Make America Great Again“-Kappe, schwerfällig im Gang, doch entschlossen, einmal mehr das nationale Bewusstsein mit einer Mischung aus Nostalgie, Verwirrung und ideologischem Spott zu trüben. Was folgte, war weniger eine Rede als ein einstündiger, gedanklich zerfranster Monolog – ein intellektuelles Trümmerfeld, das man nicht anders bezeichnen kann als einen Offenbarungseid des Verstandes.

Trophäenfrauen, Golfbälle und Al Capone

Trump sprach – und sprach. Über Diversity-Programme, die er stolz als „demütigend“ und „spaltend“ verunglimpfte. Über die „Befreiung“ der Truppe von Aufklärung, Inklusion und Respekt. Über Transmenschen, die in seiner Welt schlicht nicht existieren sollen. Über Dragshows, Golfspieler, Vorstadtsiedler, über William Levitt und seine Scheidung. Und – in einer bizarr anmutenden Wendung – über Alphonse Capone, den berüchtigten Gangsterboss, den er mit sich selbst vergleicht.

Ich habe mit einigen sehr radikalen, pathologischen Leuten eine extrem harte Zeit durchgemacht – und ich sage euch: Ich wurde mehr verfolgt als der große, verstorbene Alphonse Capone, erklärte der Präsident den Militärkadetten, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Diese Form von Größenwahn, gepaart mit Selbstmitleid, ist längst zur Trump’schen Konstante geworden. Doch was einst als kalkulierter Tabubruch inszeniert war, wirkt nun nur noch wirr, haltlos – gefährlich im Machtanspruch, erbärmlich im Ausdruck.

Zerstörung statt Gestaltung

Die Bühne in West Point sollte eigentlich den jungen Absolventinnen und Absolventen gehören – jenen, die bereit sind, für ein demokratisches Amerika zu dienen. Doch Trump nutzte den Moment für einen Generalangriff auf genau diese Idee: die Gleichwertigkeit aller. Seine Rede war ein Triumphmarsch des Autoritären, ein Nachruf auf Empathie. Die Militärs, erklärte er, seien nicht dazu da, kulturellen Wandel zu begleiten, sondern „jeden Feind zu dominieren und jede Bedrohung zu vernichten – überall, jederzeit und an jedem Ort“. Es ist die Sprache eines Mannes, der Demokratie mit Dominanz verwechselt.

Sein Anti-DEI-Dekret, das zur Auflösung zahlreicher Clubs an West Point geführt hat – darunter Vereinigungen von Schwarzen Ingenieurinnen, asiatisch-pazifischen Studierenden, indigenen Foren oder der Gesellschaft weiblicher Ingenieure –, zeigt, was Trump unter Führung versteht: Ausschluss, Abwertung, Auslöschung.

Ein Präsident im inneren Zerfall

Und während er sich über Golflegenden wie Gary Player ausließ – inklusive bizarrer Anekdoten über Muskelmasse, Ballweiten und „trophäenhafte“ Zweitfrauen –, wurde schmerzlich deutlich, was in dieser Präsidentschaft fehlt: Haltung, Klarheit, Würde. Stattdessen driftet Trump durch Assoziationen, verliert sich in Halbsätzen, wiederholt sich, steigert sich in ein paranoides Weltbild, in dem Gerichte, Minderheiten und Bildungseinrichtungen als Feinde imaginiert werden.

„Unser Land wurde über vier Jahre hinweg überrannt“, rief er den Kadetten zu – als wäre Amerika ein belagerter Bunker, in dem nur noch Zorn, Angst und Abschottung zählen.

Dabei hatte wenige Stunden zuvor ein Bundesrichter seine Regierung gezwungen, einen Guatemalteken zurückzuholen, der rechtswidrig nach Mexiko abgeschoben worden war – ein Symbol für das moralische Desaster, das Trumps Migrationspolitik hinterlässt.

Vom Stolz zur Peinlichkeit

Es ist noch nicht lange her, da galt West Point als Ort, an dem Staatsmänner mit Vision und Würde das Wort ergriffen. Nun steht dort ein Präsident, der seine eigene Rechtsprechung verhöhnt, sich mit einem Mafia-Boss vergleicht, und sich am Ende, nach all den Abschweifungen, nach Bedminster zurückzieht – auf seinen Golfplatz. Keine Vision, keine Erneuerung, keine Anerkennung derer, die in Uniform vor ihm sitzen. Nur Selbstverklärung, Rachefantasien – und ein Präsident, der sich längst selbst nicht mehr im Griff hat.

Die Frage, die sich nach dieser Rede stellt, ist keine parteipolitische mehr. Sie ist demokratisch, ja zivilisatorisch: Wie lange kann sich ein Land einen geistig taumelnden Präsidenten leisten, dessen Worte nicht mehr führen, sondern verwirren – und dessen Machtanspruch auf Zerstörung gründet. Die Antwort liegt in der Zukunft derer, die er an jenem Morgen vor sich hatte – den jungen Offizierinnen und Offizieren. Mögen sie in ihrer Pflicht das verteidigen, was ihr Oberbefehlshaber mit Worten zu schleifen versucht: den Anstand, die Wahrheit, die Republik.

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x