Krönt er sich selbst – oder bleibt die Parade am Ende doch nur ein Wunschtraum?
Washington, 14. Juni 2025. Die Wirtschaft taumelt, Milch kostet noch rund 4 Dollar Dollar, ein Job reicht nicht mehr zum Leben, und auf den Flughäfen winken Bundesbeamte ahnungslose Migranten mit venezolanischen Pässen in Chartermaschinen Richtung El Salvador. In dieser Weltlage denkt Donald J. Trump an das Naheliegendste: eine Militärparade zu seinem 79. Geburtstag.
Natürlich nicht irgendeine Parade. Sondern eine mit 6.600 Soldaten, 150 Fahrzeugen, 50 Hubschraubern, sieben Musikkorps, einer Fallschirmspringer-Einlage und womöglich einem goldenen Thron auf Rädern. Der König hat Geburtstag, und das Land darf, ja muss mitjubeln. Was sind schon Schulden, Hunger oder Massenabschiebungen, wenn man Panzer und Pomp zum Dessert bekommt?
Im Planungsdokument (verfasst vermutlich mit Füller auf goldenem Papier) heißt es, Ziel sei es, „die 250 Jahre Dienst der Army“ zu ehren. Doch jeder weiß: es geht um einen Mann, seine Eitelkeit und sein Ego in Panzermetall. Der Satz: „Ich hab die größte Parade aller Zeiten!“ soll sich ja auch besser machen als: „Ich hab die Demokratie abgeschafft, aber hey, schaut euch die Stryker an!“
Die Szenerie erinnert nicht nur an Kim Jong Un, den ewigen Pyromanen in Pyongyang, sondern auch an andere Parade-Liebhaber von Weltrang:
– Wladimir Putin, der jährlich auf dem Roten Platz mehr Raketen als freie Journalisten zeigt.
– Recep Tayyip Erdoğan, der sich am liebsten in Marschordnung feiern lässt, während er Medienhäuser schließt.
– Xi Jinping, der nur lächelt, wenn hunderttausend Soldaten im Gleichschritt durch Peking stampfen.
Und nun also Trump, der sich zwischen Kim, Wladimir und Xi einreiht – als Paradepräsident im Rang eines selbsternannten Oberkommandierenden der Gefühle. Während in Texas Abschiebelager ausgebaut werden und die US-Wirtschaft wackelt wie ein ungesichertes Paladin-Geschütz auf der 14th Street, wird Washington zur Bühne einer bizarren Machtdemonstration.
Und wer sich fragt, woher das Geld kommt, dem sei geantwortet: vom Schließen von Bibliotheken (wegen „woker Bücher“), vom Einsparen bei Sozialprogrammen, von der Entlassung Tausender ziviler Mitarbeiter. Weniger Fragen, mehr Marschmusik – das ist die neue amerikanische Linie.
Trump trägt keinen Helm, sondern einen maßgeschneiderten Anzug mit goldenem Saum. In der Brusttasche: eine kleine amerikanische Flagge, in der Hand: der Zepter des Entertainments. Und auf seinem Gesicht: dieses Lächeln, halb Diktator, halb Fernsehmoderator. Zwischen Broadway und Bunker, zwischen Fernsehscheinwerfer und Ausnahmezustand, setzt er sich nun die Krone auf – nicht gewählt, sondern geklatscht, bejubelt, marschiert.
Doch noch ist nichts unterschrieben. Die Parade ist, Stand heute, ein noch nicht bestätigter Wunschtraum mit Generalstabsskizze, ein schimmernder Schatten auf dem Asphalt der Hauptstadt. Vielleicht bleibt es bei der Idee, vielleicht rollen nur Humvees durchs Herz der Macht. Vielleicht zieht auch nur ein Streichorchester vorbei, statt einer Panzerbrigade.
Denn wenn die Demokratie wankt, die Menschen fliehen und der Wohlstand verglüht – dann braucht es für den König nur eins: einen langen Tross aus Stahl, Disziplin und Ideologie, der ihm zeigt, dass er geliebt wird.
Oder wenigstens gefürchtet. Zum Schluss stellt sich nur eine wichtige Frage: Wenn es nur ein Wunschtraum ist, warum gibt es dann ein Planungsdokument für den 14. Juni 2025?
