28. Januar 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

Januar 28, 2026

Ein Zug, vier Tote und ein Friedensgremium!

Mindestens vier Menschen wurden getötet und zwei weitere verletzt, als eine russische Drohne einen Personenzug in der nordöstlichen ukrainischen Region Charkiw traf. Der Zug war kein militärisches Ziel, sondern Teil des Alltags, ein Raum zwischen Abfahrt und Ankunft, gefüllt mit Menschen, die unterwegs waren, nicht vorbereitet auf Gewalt, nicht geschützt, nicht beteiligt an Entscheidungen. Der Einschlag beendete Leben abrupt und verwandelte eine gewöhnliche Fahrt in einen Tatort. Solche Angriffe sind keine Ausnahme, sie gehören zu einem Krieg, der immer wieder dort zuschlägt, wo Zivilisten sind. Zur gleichen Zeit wird über Frieden gesprochen, über neue Gesprächsformate, über Einladungen und Gesten. Nur wenige Tage zuvor hatte Donald Trump Wladimir Putin zu seinem sogenannten Board of Peace eingeladen. Während diese Worte im Raum stehen, fallen Drohnen. Während über Ordnung gesprochen wird, werden Menschen aus dem Leben gerissen. Für die Betroffenen in Charkiw zählen keine Gremien und keine Ankündigungen, sondern der Verlust von Menschen, die nicht zurückkehren. Der getroffene Zug macht sichtbar, wie groß die Distanz zwischen politischen Erklärungen und der Realität dieses Krieges ist.

Krisentreffen im Oval Office

Nach der tödlichen Erschießung von Alex Pretti in Minneapolis ist es im Weißen Haus zu einem internen Krisentreffen gekommen. Heimatschutzministerin Kristi Noem traf Präsident Donald Trump im Oval Office, begleitet von zentralen Figuren aus dem engsten Machtzirkel des Weißen Hauses. Das Treffen dauerte rund zwei Stunden und fand auf Wunsch Noems statt, während die politische Lage rund um die Einsätze von Bundesbeamten in Minnesota zunehmend unter Druck geriet. Im Zentrum stand Noems frühe Reaktion auf den Tod Prettis. Wie andere aus der Regierung hatte sie ihn ohne Belege als inländischen Terroristen bezeichnet. Diese Wortwahl löste intern Unruhe aus. Öffentlich bemühte sich das Weiße Haus anschließend um Abstand. Die Präsidentensprecherin erklärte, Trump selbst habe diese Einstufung nicht vorgenommen und wolle den Ausgang der Ermittlungen abwarten.

Trotz wachsender Kritik stellte Trump sich demonstrativ hinter Noem. Einen Rücktritt schloss er aus und lobte ihre Arbeit. Gleichzeitig verschoben sich Zuständigkeiten spürbar. Grenzkoordinator Tom Homan wurde direkt dem Präsidenten unterstellt und nach Minnesota entsandt, vorbei an bisherigen Entscheidungswegen im Heimatschutzministerium. Zwischen Noem und Homan gilt das Verhältnis seit Längerem als sehr angespannt. Nun übernahm Homan die operative Kontrolle vor Ort. Gespräche mit dem Gouverneur von Minnesota und dem Bürgermeister von Minneapolis folgten. Beide machten klar, dass die Stadt keine Bundesabschiebepolitik durchsetzen werde. Der Schritt, Homan einzusetzen, beruhigte Teile der republikanischen Partei, die intern eine härtere Aufarbeitung des Falls fordern. Zugleich markiert er eine neue operative Linie. Ob diese nun besser ist, darf bezweifelt werden.

Miller enttäusche ihn nie, sagte Tillis, wenn es um Inkompetenz gehe

Der republikanische Senator Thom Tillis hat einen Satz gesagt, der sitzt und nicht zurückgenommen werden kann. Er richtet sich gegen Stephen Miller, einen der zentralen Strategen der Regierung.

Miller enttäusche ihn nie, sagte Tillis, wenn es um Inkompetenz gehe.

Es ist keine Attacke von außen, kein Kommentar der Opposition, sondern Kritik aus dem eigenen politischen Lager. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, denn er fällt in eine Phase wachsender Spannungen nach den Ereignissen in Minneapolis. Der Satz ist knapp, aber er legt offen, wie brüchig die innerparteiliche Disziplin inzwischen geworden ist. Innerhalb der Partei wird nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen gemurrt, sondern öffentlich gesprochen. Miller gilt seit Jahren als treibende Figur der harten Migrationspolitik. Dass ein republikanischer Senator ihn so direkt angreift, markiert einen klaren Bruch mit gewohnter Loyalität. Es geht dabei nicht um Ton oder Stil, sondern um Verantwortung und Folgen politischen Handelns. Der Satz ist kühl formuliert, fast beiläufig, und gerade deshalb wirkungsvoll. Er zeigt, dass selbst mächtige Figuren nicht mehr unangetastet sind. Manchmal reicht ein einziger Satz, um sichtbar zu machen, wie isoliert jemand inzwischen steht.

Neue Allianzen, leiser Abschied von Washington

Indien und die Europäische Union haben sich auf ein umfassendes Freihandelsabkommen geeinigt und damit ihre wirtschaftlichen und strategischen Beziehungen deutlich vertieft. Es ist ein Vertrag zwischen zwei der größten Märkte der Welt, getragen von dem Willen, Planungssicherheit und Verlässlichkeit herzustellen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sprach von einem historischen Schritt und sagte, man habe das größte aller Abkommen geliefert. Die Einigung fällt in eine Phase, in der sich viele Staaten neu orientieren. Unter Donald Trump attackieren die Vereinigten Staaten zunehmend ihre Verbündeten und belegen wichtige Handelspartner mit Zöllen. Das Vertrauen in die USA als stabilen Handelspartner schwindet spürbar. Staaten und Wirtschaftsräume suchen Alternativen, nicht aus Trotz, sondern aus Vorsorge. Der Blick richtet sich auf neue Märkte und belastbare Beziehungen. Erst vor wenigen Tagen unterzeichnete die Europäische Union ein weiteres großes Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur, das größte Handelsabkommen in der Geschichte der EU. Zusammengenommen markieren diese Verträge eine klare Entwicklung. Die EU und ihre Partner bauen Netze, während Washington Mauern errichtet. Der globale Handel ordnet sich neu, leise, aber entschieden.

Was heute in Minneapolis passierte

Im Nordosten von Minneapolis sind heute ICE-Beamte im Einsatz, mitten in Wohnstraßen, vor Häusern, zwischen Menschen, die gerade ihren Alltag leben wollten. Die Bilder zeigen Szenen, die schwer zu ertragen sind. Es zeigt Angst, Überforderung und Situationen, in denen niemand vorbereitet war auf das, was kommt. Menschen werden abgeführt, Kinder schreien, Nachbarn stehen hilflos daneben. Niemand erklärt, niemand beruhigt, niemand hält inne. Der Einsatz wirkt nicht gezielt, sondern breit und einschüchternd. Was heute in Minneapolis geschieht, bleibt nicht folgenlos. Es hinterlässt Angst, Wut und ein Gefühl von Ohnmacht, das sich nicht einfach abschütteln lässt. Dieser gesamte Fall hat nun auch für uns mit die höchste Priorität. Die notwendigen Hilfsmaßnahmen sind bereits angelaufen und werden laufend ausgeweitet. Wir prüfen derzeit weitere konkrete juristische Schritte, um schnell und wirksam helfen zu können.

85 Sekunden vor Mitternacht

Die symbolische Weltuntergangsuhr steht nun bei 85 Sekunden vor Mitternacht, näher war sie noch nie. Die Forscher hinter der Uhr sehen eine Welt, die zunehmend aggressiv, konfrontativ und nationalistisch handelt. Nukleare Waffen spielen dabei eine zentrale Rolle, ebenso ungelöste Konflikte zwischen atomar bewaffneten Staaten. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine, Spannungen in Südasien und offene Fragen rund um Irans Fähigkeiten verschärfen die Lage. Gleichzeitig verschwindet das Vertrauen zwischen Staaten, das nötig wäre, um Risiken gemeinsam zu begrenzen.

Hinzu kommt die Klimakrise, die sich längst in Dürren, Hitzewellen und Überschwemmungen zeigt, während internationale Abkommen schwach bleiben oder blockiert werden. Besonders kritisiert wird der Kurs, fossile Energien weiter auszubauen und erneuerbare auszubremsen. Auch neue Technologien erhöhen den Druck. Künstliche Intelligenz und Biotechnologie werden eingesetzt, ohne dass klare Regeln oder wirksame Kontrolle bestehen. Die Uhr existiert seit 1947 als Warnsignal. Nach dem Ende des Kalten Krieges stand sie noch bei siebzehn Minuten vor Mitternacht. Heute werden keine Minuten mehr gezählt, sondern Sekunden. Die Botschaft ist eindeutig. Der Weg zurück ist möglich, aber nur durch Zusammenarbeit. Ohne sie rückt Mitternacht weiter näher.

America 2026

Kinder in Handschellen. Bundesbeamte, die Menschen auf unseren Straßen erschießen. Unmenschliche Misshandlungen in staatlichem Gewahrsam. Familien von Migrantinnen und Migranten, die dem Rechtssystem der Vereinigten Staaten allein gegenüberstehen. Das sind die erschreckenden Szenen, die wir seit Monaten in Minneapolis und im ganzen Land erleben – und genau deshalb können wir uns Untätigkeit nicht leisten.

„Elite“ sagt er – die Bilder sagen etwas anderes

Stephen Miller nennt ICE eine „Elite-Bundespolizeibehörde“. Das ist die Art Satz, die am Schreibtisch gut klingt und auf Pressebriefings wirkt wie ein Schutzschild. Doch dann kommen die Bilder. Und alleine diese Bilder zeigen die Inkompetenz in diesen Einheiten. Da stellt sich nicht nur die juristische Frage, da steht eine Tatsache im Raum: Solches Verhalten sagt mehr als jeder psychologische Test. Wer so auftritt, liefert eine Selbstbeschreibung, die keine Behörde mehr korrigieren kann.

Spanien öffnet einen Weg, während andere zusperren

Spanien hat überraschend ein Dekret verabschiedet, das Hunderttausenden Menschen ohne Papiere einen Ausweg aus der rechtlichen Schwebe eröffnet. Wer bereits im Land lebt, kann eine befristete Aufenthaltserlaubnis beantragen und damit arbeiten. Die Entscheidung stellt das Land bewusst gegen den Kurs vieler westlicher Staaten, die ihre Migrationspolitik zuletzt verschärft haben. Die Regierung begründet den Schritt mit sozialem Zusammenhalt, wirtschaftlicher Stabilität und der Realität eines Arbeitsmarkts, der ohne Migrantinnen und Migranten nicht funktioniert. Landwirtschaft, Tourismus und Dienstleistungen hängen in weiten Teilen von ihrer Arbeit ab.

Der neue Status gilt nicht pauschal. Voraussetzung sind ein früherer Eintritt ins Land, eine Mindestaufenthaltsdauer und ein sauberes Führungszeugnis. Die Anträge sind zeitlich begrenzt, die Genehmigungen laufen zunächst ein Jahr und können verlängert werden. Es ist ein geregelter, enger Rahmen, kein offenes Tor. Dennoch reagiert die Opposition scharf. Konservative sprechen von Ablenkung, rechte Parteien von einer angeblichen Überforderung des Staates und kündigen juristische Schritte an.

Im internationalen Vergleich wirkt Spaniens Kurs wie ein Gegenentwurf. Während in den Vereinigten Staaten groß angelegte Festnahmen und Abschiebungen stattfinden, Großbritannien Regeln verschärft und andere Länder Haft androhen oder Auslagerungen planen, setzt Spanien auf Regularisierung. Dabei ist das Land nicht naiv. Grenzschutz wurde ausgelagert, Abkommen mit nordafrikanischen Staaten bestehen weiter. Doch im Inneren wird anerkannt, dass Menschen, die längst hier leben, arbeiten und Familien ernähren, nicht dauerhaft im Schatten gehalten werden können. Schätzungen gehen von mehreren Hunderttausend Betroffenen aus. Für sie bedeutet das Dekret vor allem eines: Planungssicherheit. Arbeiten ohne Angst, wohnen ohne Versteckspiel, ein Alltag mit Rechten und Pflichten. Spanien hat diesen Weg schon früher beschritten, unter unterschiedlichen Regierungen. Der Schritt von heute ist kein Bruch mit der Geschichte, sondern ihre Fortsetzung. In einer Zeit der Abschottung setzt das Land auf Ordnung durch Anerkennung.

Liebe Leserinnen und Leser,
Wir berichten nicht aus der Distanz, sondern vor Ort. Dort, wo Entscheidungen Menschen treffen und Geschichte entsteht. Wir dokumentieren, was sonst verschwindet, und geben Betroffenen eine Stimme.
Unsere Arbeit endet nicht beim Schreiben. Wir helfen Menschen konkret und setzen uns für die Durchsetzung von Menschenrechten und Völkerrecht ein – gegen Machtmissbrauch und rechtspopulistische Politik.
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Iain Campbell
Iain Campbell
3 Tage zuvor

Was in Minneapolis passiert:
85 Sekunden vor Mitternacht:
Hier wird die Genozid in Palästina nicht erwähnt. Das Unterdrücken der Proteste dagegen wird nicht erwähnt.
Dort hat der Zusammenbruch unsere Demokratie seinen Anfang gefunden.

Rainer Hofmann
Administrator
3 Tage zuvor
Antwort auf  Iain Campbell

…das war uns auch aufgefallen, wahrscheinlich wollten sie nicht unter die 85 gehen, wenn man es sarkastisch betrachten würde

Anja
Anja
3 Tage zuvor

Ich kenne selbst Mittelamerikaner, die seit Jahren hier in D als Illegale leben und arbeiten. Sie sind sehr ehrlich, fleißig, einfach wundervolle Menschen. Durch ihren unsicheren Status sind sie z.T. der Willkür von Menschen ausgeliefert und wurden sehr ausgenutzt. Es ist einfach traurig, dass sie keine Chance haben, legal hier zu arbeiten. Zu Hause wurden sie mit dem Leben bedroht, deshalb haben sie ihr Land verlassen. Spanien geht den richtigen Weg.

Rainer Hofmann
Administrator
3 Tage zuvor
Antwort auf  Anja

…ja mit spanien hat uns auch sehr gefreut und vielleicht nehmen sich noch mehr ein beispiel daran

Ela Gatto
Ela Gatto
3 Tage zuvor

Ich habe es gesagt, dass all die Gespräche zur Ukraine seit Davos eine absolute Farce sind.

Trump hält Selensky hin, immer wenn was an festen Zusagen/Garantien zur Unterschrift bereit ist, rudest die USA zurück.

Stattdessen jmschmeichelt Trump Putin mit der Einladung zum „Friedensrat“.

Während dessen zerbombt Putin weiter die Ukraine und tötet Zivilisten.

Von den westlichen Staaten hört man auffallend wenig. Sehr bedauerlich, dass sie auf die Farce Gespräche in Abu Dhabi setzen.

Rainer Hofmann
Administrator
3 Tage zuvor
Antwort auf  Ela Gatto

…das ganze wird zu einer ganz bösen show und es passiert erstaunlich wenig und besonders auch um diese „gespräche“, nach dem motto, sehr, es wird ja verhandelt …

Ela Gatto
Ela Gatto
2 Tage zuvor

So lange Noem nützlich ist, stellt sich Trump hinter sie.
Dieser Dummbatz merkt aber nicht, dass je länger man Jemanden schützt, das es desto schwerer wird „sein Gesicht wahrend“ aus der Sache raus zu kommen.

Bovino geht, Homan kommt.
Der ICE Terror geht unverändert weiter.
Aber die Republikaner sind trotzdem beruhigt, weil Bovino weg ist und Trump eine „ehrliche und ehrenhafte Aufklärung“ verspricht.
Klar, darum stellt er sich hinter Noem und lässt den Terror von ICE weiter laufen.
Wie erwartet.
Und bitte, was soll eine ehrenhaft Ermittlung sein? Ehrlich ja (wobei Ehrlich und Trump partout nicht zusammen passt)

Miller hetzt weiter und bezeichnet ICE als Elite.
Doch ja, elitär rassistisch, elitär dumm, elitär schlecht ausgebildet…. aber elitär alle mit Masken.
Aber was will man von solch abgrundtief bösen Menschen erwarten?

Ela Gatto
Ela Gatto
2 Tage zuvor

Ob Senator Tillis seine Worte gegen Miller nutzt, um gegen die Erhöhung des ICE Fund im Senat andere Senatoren seiner Partei zu Gegenstimmen zu gewinnen?

Oder ist es nur ein Lippenbekenntnis?

Bei ACLU auf der FB Seite überschlagen sich MAGA und Bots beim Verbreiten von Falschinformationen, Trumps Hetze und richtig schlimmen Kommentaren gegen Leib und Leben (auch von Kindern)
Ich verstehe nicht, dass ACLU da nicht moderierend eingreift.
Free speech ist das Eine, aber was da z.T. abgeht, ist erschreckend.

Ela Gatto
Ela Gatto
2 Tage zuvor

Es ist gut, dass die EU andere Handelswege geht.
So bleibt man flexibler und gerät weniger in tiefe Abhängigkeiten.

Von Mercosur kann man halten was man will, aber es ist eine Chance.
Bedauerlich, dass es nun wieder stockt.

Neue Verbündete/Handelspartner.
Mehr wir gemeinsam, anstatt gegen Alle.
Davon würden wir Alle profitieren.
Aber so lange solch furchtbare machtgeile Typen, wie Donny, Putin, Kim, Orban und diverse Andere an der Macht sind, wird die Weltuntergangsuhr weiter unaufhörlich voran schreiten.

Ela Gatto
Ela Gatto
2 Tage zuvor

Spaniens Weg ist jnteressant.
Wäre es nicht toll, wenn es nach einem Jahr ein absolutes Vorzeigeprojekt mit Erfolg wäre?

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