Das Heimatschutzministerium weitet seine Suche nach Identitäten hinter Social-Media-Konten aus, die Immigration and Customs Enforcement beobachten oder kritisieren. In den vergangenen Monaten gingen hunderte administrative Vorladungen an Google, Meta, Reddit und Discord. Gefordert werden Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Postleitzahlen und weitere Identifizierungsdaten von Accounts, die anonym auftreten, ICE kritisieren oder Standorte von Beamten veröffentlichen. Mehrere Unternehmen haben Teile der Anfragen erfüllt. Andere prüfen sie einzeln und informieren Betroffene, sofern keine gerichtliche Anordnung zur Geheimhaltung besteht. In einzelnen Fällen erhalten Nutzer zehn bis vierzehn Tage Zeit, um die Vorladung gerichtlich anzufechten.
Administrative Vorladungen benötigen keine richterliche Genehmigung. Sie werden von der Behörde selbst ausgestellt. In der Vergangenheit kamen sie vor allem bei schweren Straftaten wie Menschenhandel zum Einsatz. Seit dem vergangenen Jahr steigt ihre Nutzung deutlich an. Bürgerrechtsanwälte sprechen von einer neuen Intensität und fehlender Kontrolle. Das Ministerium verweist auf eine „breite administrative Vorladungsbefugnis“ und argumentiert vor Gericht, man wolle Beamte im Einsatz schützen. Eine inhaltliche Begründung zu einzelnen Fällen blieb aus.
„Wir gehen gerade ein paar Personen durch – und Ihr Name ist aufgetaucht“, sagt einer der Beamten ruhig . Ein Satz, der klingt wie Routine, aber in Wahrheit eine Warnung ist. Mike war nie verhaftet worden. Es gab keine Anzeige, keine Beweise für irgendetwas. Die Demonstration war größtenteils friedlich verlaufen. Doch der Besuch des FBI zeigt: In Trumps zweiter Amtszeit reicht die bloße Teilnahme, um verdächtig zu werden. Hintergrund ist Trumps Direktive NSPM-7 – ein Präsidialerlass, der „Extremismus im Zusammenhang mit Migration“ als Hinweis auf Terrorismus definiert. Justizministerin Pam Bondi ergänzte die Anweisung mit einer eigenen Weisung, die Anti-ICE-Proteste ausdrücklich als sicherheitsrelevant einstuft. Wer sich dort zeigt, landet potenziell in den Datenbanken der nationalen Terrorbekämpfung.
Im September forderte das Ministerium von Meta die Identität hinter Instagram-Konten, die über ICE-Razzien in Kalifornien berichteten. Die Anfragen wurden angefochten und später zurückgezogen, bevor ein Richter entschied. Auch in Montgomery County in Pennsylvania zielten Vorladungen auf die Betreiber der Konten „Montco Community Watch“, die auf Englisch und Spanisch über ICE-Sichtungen informierten und Hinweise aus der Bevölkerung sammelten. Meta informierte die Betreiber über die Anfrage. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU beantragte die Aufhebung der Vorladung und argumentierte, die Regierung nutze das Instrument gegen missliebige Meinungsäußerungen. Kurz darauf wurde die Vorladung zurückgenommen.
Recherchen zeigen auf: Maskierte Nähe – Wie ICE mit falschen Identitäten in private Gruppen eindringt

(Unser Artikel vom 13. Februar 2026)
Mehr als 6.500 Einsatzkräfte und Analysten des Heimatschutzministeriums können inzwischen ein Instrument nutzen, das intern „Masked Engagement“ heißt. Hinter dem technisch klingenden Begriff verbirgt sich eine einfache Realität: Bundesbeamte dürfen unter falscher Identität sozialen Netzwerken beitreten, Freundschaftsanfragen verschicken, geschlossene Gruppen betreten und so an Inhalte gelangen, die für Außenstehende nicht sichtbar sind. Bisher unterschied das Ministerium zwischen offener Recherche, offener Beobachtung und verdeckter Beobachtung. Bei letzterer durften Alias-Konten zwar öffentliche Inhalte mitlesen, aber nicht aktiv Kontakt aufnehmen. Wer in eine private Gruppe wollte oder einem Zielobjekt folgen wollte, brauchte weitergehende Genehmigungen im Rahmen klassischer verdeckter Operationen. Genau diese Schwelle wird nun umgangen. „Masked Engagement“ wird als Zwischenstufe deklariert – unterhalb formaler Undercover-Einsätze, aber oberhalb reiner Beobachtung.
Gleichzeitig baut die Regierung ihre technischen Mittel aus. ICE setzt verstärkt Gesichtserkennung, Social-Media-Monitoring und Methoden zur Auswertung von Mobiltelefonen ein. Bei Protesten in Minneapolis und Chicago erklärten Beamte Demonstrierenden, sie würden aufgezeichnet und identifiziert. Der Grenzbeauftragte des Weißen Hauses kündigte an, man arbeite an einer Datenbank von Personen, die wegen Behinderung oder Angriffen auf Beamte festgenommen wurden. Der Druck verschiebt sich damit vom konkreten Vorwurf zur Datensammlung.
Die großen Plattformen stehen zwischen Datenschutzversprechen und gesetzlichen Pflichten. Google erklärt, man prüfe jede Anfrage sorgfältig und wehre sich gegen zu weitgehende Forderungen. Meta, Reddit und Discord äußern sich nicht im Detail. Transparenzberichte zeigen seit Jahren steigende Anfragen von Regierungen weltweit, darunter besonders viele aus den Vereinigten Staaten. In einem früheren Fall klagte Twitter gegen eine administrative Vorladung zur Enttarnung eines regierungskritischen Accounts; die Vorladung wurde später zurückgezogen.
Kaum bekannt – Norristown/Eagleville: Wenn man denkt, dass das dort nichts passiert unterliegt einem großen Irrtum. Beide Orte gehören zur Metropolregion von Philadelphia.Tagtäglich reißen ICE und CBP Familien auseinander und traumatisieren Kinder. Auch hier spielt die Identifizierungsdaten von Accounts eine oftmals entscheidene Roll. (Aufnahmen 9. Februar 2026)
Die Konten in Montgomery County posten weiter fast täglich. Ein Eintrag meldete bestätigte ICE-Aktivität in Eagleville. Ein anderer zeigte Schülerinnen und Schüler der Norristown Area High School bei einem Protest gegen ICE mit den Worten: „Wir stehen an eurer Seite und sind stolz, dass ihr eure Stimmen erhoben habt.“ Die Auseinandersetzung dreht sich damit nicht nur um Behördenbefugnisse, sondern um die Frage, ob anonyme Kritik an staatlichem Handeln unter einen Generalverdacht gestellt wird.
Auch in Deutschland wäre es ein Fehler, sich in Sicherheit zu wiegen. Die rechtlichen Hürden sind höher, die Kontrollmechanismen formell stärker – aber die Richtung ist erkennbar. Gesichtserkennung, KI-Analyse, Social-Media-Monitoring und der Einsatz von Staatstrojanern werden nicht mehr als Ausnahme diskutiert, sondern als notwendige Werkzeuge moderner Sicherheitspolitik verkauft. Was heute noch als eng begrenztes Pilotprojekt gilt, wird Schritt für Schritt normalisiert. Der entscheidende Punkt ist nicht, ob richterliche Anordnungen existieren, sondern wie weit der Rahmen gedehnt wird, in dem Überwachung als verhältnismäßig gilt. Wenn öffentliche Kritik, Protest oder digitale Vernetzung zunehmend als „Lagebild“ oder „Risikofaktor“ gelesen werden, verschiebt sich der Blick vom konkreten Verdacht hin zur vorsorglichen Datensammlung.
Der Unterschied zu den USA ist derzeit weniger eine Frage der Technik als des Tempos und der politischen Kultur. In Deutschland wird Überwachung noch rechtlich eingerahmt, erklärt, verteidigt, geprüft. Aber auch hier wächst der Druck, Kontrolle vor Freiheit zu stellen – leise, juristisch sauber, mit Verweis auf Sicherheit. Genau darin liegt die Gefahr. Denn Demokratien verlieren ihre Offenheit nicht durch einen großen Bruch, sondern durch Gewöhnung. Wenn Bürger nicht mehr wissen, ob ihr Online-Kommentar, ihr Protest oder ihr Netzwerkprofil irgendwann in einer polizeilichen Auswertung landet, entsteht Selbstzensur. Und dort, wo Menschen anfangen, sich vorsorglich zurückzuhalten, hat Überwachung ihr Ziel bereits erreicht.
Vielleicht ist das ihre eigentliche Macht: dass sie uns nicht zwingt, sondern uns begleitet. Dass sie uns nicht verbietet zu sprechen, sondern uns daran erinnert, dass jedes Wort eine Datenspur werden kann. So entsteht eine neue Form der Stille, nicht durch Zensur, sondern durch Vorsicht. Man beginnt, sich selbst zu beobachten. Man wägt ab, löscht, formuliert um. Und während man glaubt, frei zu sein, passt man sich an.
Gerade deshalb werden wir weiter recherchieren. Hinter die Kulissen gehen, dorthin, wo Protokolle entstehen und Systeme gebaut werden. Digitale Freiheit ist kein romantischer Begriff, sondern eine konkrete Bedingung für Würde. Wer nicht weiß, ob er beobachtet wird, lebt anders. Wer nicht weiß, wer seine Spuren liest, spricht anders. Für den Schutz dieser Freiheit setzen wir uns ein – mit der Überzeugung, dass das Unsichtbare ans Licht gehört.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Auf allen Ebenen mundtot machen und die Angst vor möglichen Repressalien schüren.
So funktionieren Autokratien und Diktaturen.
Aushebelung aller Bürgerrechte und dem Deckmantel der Sicherheit.
Das Einzige, was dahinter steht, ist due totale Kontrolle eines Jeden.
Um Demonstrationen, Kritik etc im Keim zu ersticken.
Die SS, der KGB ind Stasi hatten „nur“ Abhörgeräte und Undercoverpersonal.
Heute wird digital in jeden noch so kleinen Bereich des Lebens eingedrungen.
Legal oder ggf auch nicht legal.
Wenn eine Regierung derartige Überwachung als notwendige Sicherheitsmaßnahme deklariert, ist klar, dass der Schritt in die Diktatur vollzogen ist.
Jetzt liegt es an der Justiz.
Kann sie dem mit Bezug auf die Verfassung und geltende Gesetze Einhalt gebieten?
Meta, X werden den Aufforderungen nur zu gerne nachkommen.
Da muss man sich nichts vormachen.
Die Frage ist, wie werden die demokratischen Länder darauf reagieren.
Ist Ihnen das überhaupt bewusst?
Denn der Zugriff von ICE etc ist mit Sicherheit nicht nur auf die USA beschränkt.
richtig, ice greift weltweit auf daten zu, dass haben recherchen ganz klar gezeigt
Was dem User erst bewusst wird, wenn er bemerkt wie sehr er unter Beobachtung steht:
Facebook und Co wissen über Dich viel bis alles – eben weil sie Dich komplett analysieren.
Du hingegen weißt NICHTS von Deinem Gegenüber !!
Du hast nicht mal einen persönlichen ( menschlichen?) Ansprechpartner!
Kommt dann noch Palantir Technologies ins Spiel, steht man am Ende nackig im Netz – ohne sich dessen bewusst zu sein.Die Folge, man kann Repressalien ausgesetzt werden, ohne zu wissen warum. Palantir soll ja „Gefahren erkennen und angehen“ bevor etwas passiert.
Paradox: Grundsätzlich müssten sich Thier, Musk, Miller, Trump usw. demnach selbst in Haft nehmen!
Alleine die Unverschämtheit, dass Reisende in die USA nun all ihre Konten und Tätigkeiten der letzten 5 Jahre auf sozialen Plattformen frei geben müssen.
Noch dreister finde ich, dass dann nicht nur deren persönlichen Daten durchforstet werden, sondern auch von deren Freunden und Familienangehörigen!
Eine Oberstufe eines Gymnasium im Landkreis wollte im Frühsommer eine Klassenfahrt in die USA machen.
Aufgrund all dieser neuen Richtlinien wurde die Klassenfahrt in die USA abgesagt!
Mein Kind hätte ich eh nicht mitfahren lassen. Man kann nicht mehr sicher sein, dass Dein Kind wieder gesund und frei nach Deutschland zurück kommen kann!
Welche Lehrkraft will so viel Verantwortung auf sich nehmen?
Willkür sind keine Grenzen mehr gesetzt!
Hier mal ein paar Beispiele aus Deutschland – bezüglich der Kontrollen – auch durch ICE – und warum die Reißleine gezogen wird.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ulm/usa-schueleraustausch-abgesagt-ulm-ice-100.html
https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-muellheimer-schule-sagt-usa-reise-ab-100.html
https://www.badische-zeitung.de/dass-eine-schule-in-muellheim-eine-usa-reise-absagt-ist-verstaendlich