Vor dem Hampton Inn in Eagan war es in der Nacht unmöglich, das Geschehen zu überhören. Aktivistinnen und Aktivisten hatten sich versammelt, um mit Sprechchören und Lärminstrumenten ein deutliches Zeichen zu setzen. Ihre Forderung richtete sich klar an das Hotel: keine Unterbringung mehr für Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde. „ICE raus aus Minnesota“ war nicht nur ein Ruf, sondern eine Anklage gegen eine Praxis, die bislang meist im Verborgenen blieb.

Der Protest zielte dabei nicht allein auf dieses eine Gebäude. Er richtete sich gegen die stille Rolle privater Hotels im System der Abschiebungen. Wer Räume zur Verfügung stellt, so die Logik der Demonstrierenden, ist Teil eines Apparats, der Menschen aus ihrem Leben reißt. Genau diese Verbindungen sollen sichtbar gemacht werden. Nicht durch Blockaden oder Gewalt, sondern durch Öffentlichkeit.

Die Situation blieb angespannt, aber kontrolliert. Als die Polizei eintraf, löste sich die Versammlung später friedlich auf. Es gab keine Festnahmen, keine Eskalation. Und doch war die Wirkung da. Der Lärm, die Präsenz, die Beharrlichkeit machten klar, dass sich der Widerstand nicht mehr auf Kommentare oder Petitionen beschränkt, die kaum etwas gebracht haben. Recherchieren, dokumentieren, die klassische Straßenarbeit, sich dem entgegenstellen, dazu Opfern helfen, Gerichte einschalten, das führt mehr und mehr zu Erfolgen, die auch Trump treffen, wie seine Niederlagen am 23.12.2025 am Supreme Court zeigte.

Eagan ist kein Einzelfall. In den Twin Cities geraten zunehmend Hotels unter Druck, weil sie als Unterkunft für Beamte der Einwanderungsbehörde dienen. Die Proteste folgen einem Muster: dorthin gehen, wo Abschiebepolitik konkret wird, wo sie Betten, Schlüssel und Rechnungen braucht. Für die Beteiligten geht es um Verantwortung, nicht um Symbolik. Um die Frage, wer mitmacht und wer sich entzieht.

Was sich hier zeigt, ist eine Verschiebung der Auseinandersetzung. Abschiebungen sind längst kein abstraktes Thema mehr, sondern ein Konflikt, der auf Parkplätzen, vor Hoteleingängen und in Wohngebieten ausgetragen wird. Minnesota erlebt gerade, wie scharf diese Fronten geworden sind. Und wie entschlossen diejenigen, die sich ihnen entgegenstellen.

Der Widerstand wächst, während das Vorgehen von ICE weiter verschärft wird. Über die Weihnachtstage sind wir vollständig ausgelastet mit neuen Haftfällen, mit Koordination, mit dem Versuch, in möglichst kurzer Zeit konkrete Hilfe für inhaftierte Menschen zu organisieren. Was sich hier abzeichnet, ist kein vorübergehender Ausnahmezustand, sondern ein langfristiger Konflikt. Einer, der nicht nur innerhalb der USA geführt wird, sondern begleitet wird von internationalem Schweigen und einer Außenpolitik, die zunehmend auf militärische Eskalation setzt. Beides verstärkt sich gegenseitig.

Während Abschiebungen, Razzien und Inhaftierungen im Inneren normalisiert werden, rückt die internationale Aufmerksamkeit weiter ab und richtet sich vielfach darauf, Trump in den Vordergrund zu stellen, dabei aber vergessen auch Lösungen zu bieten. Ein Experte reiht sich an den anderen, ohne das jemals live erlebt zu haben, weise Worte aus dem Fernsehstudio. Der Widerstand bleibt im Schatten, ebenso wie die vielen Menschen und Organisationen, die wortwörtlich rund um die Uhr dagegen ankämpfen. Dabei kämpfen hier viele Menschen Tag für Tag um rechtsstaatliche Grundsätze, um Würde und um demokratische Selbstverständlichkeit. Dieser Kampf ist keine amerikanische, abgelegene Angelegenheit. Er ist von zentraler Bedeutung für all jene Länder, in denen rechtspopulistische Strömungen an Einfluss gewinnen, auch in Europa. Wer glaubt, Amerika sei weit weg, verkennt die Wirkungskraft dessen, was hier geschieht. Ob autoritäres Denken weiter vordringt oder zurückgedrängt wird, entscheidet sich nicht zuletzt an diesem Ort. Dagegenzuhalten ist mühsam, gefährlich, zermürbend und langwierig. Aber genau hier liegt der Punkt, an dem sich entscheidet, ob Demokratie verteidigt oder preisgegeben wird.
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Minnesota 😊
Vermutlich einer der Gründe, warum Trump due Gelder für Kinderbetreuung genau für diesen Bundesstaat zurück behält.
Und die westliche Welt konzentriert sich auf „die skurrilsten Trump Momente 2025“ bzw King Charles und Prinz William werden der Lobhudelei aus England noch einen drauf setzen und Trump nächstes Jahr besuchen und „Bauch pinseln“
Die ernsten Themen rücken in den Hintergrund.
Brot und Spiele …
Lenke ab und ziehe die Ziele durch (Miller, Thiel etc).
Und obwohl die FIFA Ticket praise unverschämt teuer sund, verkaufen sie sich extrem gut.
Boycott FIFA? Nicht bei den Fußballfans … Vielleicht begreifen die anderen Länder, was da abgeht, wenn genug Fußballfans von übereifrigen ICE Beamten verhaftet werden ..