Der pensionierte US-General Mark Hertling saß am Montagabend im Podcast „Deadline: White House“ auf MSNBC und sagte etwas, das in normalen Zeiten undenkbar gewesen wäre: Aktive Militärkommandeure denken darüber nach, Befehle ihres Oberbefehlshabers Donald Trump zu verweigern.
Nicht aus Illoyalität. Sondern aus Pflicht.
Mark Hertling ist ein ehemaliger Lieutenant General der US Army mit über 35 Jahren Dienst und gehörte zu den ranghohen Kommandeuren der US-Streitkräfte in Europa. Er leitete unter anderem US Army Europe. Hertling erklärte, wie er 40 Jahre lang als Soldat und Kommandeur ausgebildet wurde – und wie in dieser Ausbildung drei Loyalitäten nebeneinander existieren: zur Verfassung, zu den Vorgesetzten, zu den eigenen Soldaten. Drei Treuegelöbnisse, die meistens zusammenpassen. Und manchmal nicht.
„Wenn sie anfangen, rechtswidrige Befehle zu geben, findet man einen Weg, zurückzudrängen“, sagte Hertling. „Du kannst keinen rechtswidrigen Befehl befolgen. Du kannst keine Dinge anordnen, von denen du weißt, dass sie absolut falsch sind.“
Was Trump konkret gesagt hat, ist nicht schwer zu finden. Er hat Iran ein Ultimatum gestellt: Bis Dienstagabend 20 Uhr Ostküstenzeit soll die Straße von Hormuz wieder geöffnet sein – sonst drohe die „vollständige Zerstörung“. Brücken, Kraftwerke, zivile Infrastruktur. „Ich meine komplette Demontage“, sagte Trump. Sie würden Iran „in die Steinzeit zurückbomben.“
Auf Truth Social formulierte er es so, wie er es halt formuliert: „Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben.“
Das ist kein Politikstil. Das ist ein Problem.
Denn Angriffe auf zivile Infrastruktur – Kraftwerke, Wasserversorgung, Brücken ohne militärischen Zweck – verstoßen gegen die Genfer Konventionen. Die USA haben diese Konventionen unterzeichnet. Soldaten, die solche Befehle ausführen, machen sich nach internationalem Recht strafbar. Soldaten, die solche Befehle erteilen, auch.
Hertlings Aussage ist deshalb so bedeutsam, weil sie zeigt, wie weit die Situation bereits eskaliert ist – nicht nur diplomatisch, sondern innerhalb des amerikanischen Militärapparats selbst. Wenn ein ehemaliger General öffentlich darüber spricht, dass aktive Kommandeure über Befehlsverweigerung nachdenken, dann hat das jemand ihm gesagt. Oder er weiß es aus eigener Erfahrung in diesen Netzwerken.
Das Weiße Haus hat auf eine Anfrage bisher nicht geantwortet.
Trump selbst, auf einer Pressekonferenz am Montag nach seiner Haltung zu dem Konflikt befragt, sagte: „Gott mag nicht, was hier passiert. Ich mag es auch nicht.“ Er behauptete, er genieße diesen Krieg nicht. Auf die Frage, ob Gott den Krieg billige, antwortete er schlicht: „Ja.“
Großbritannien hat unterdessen klargemacht, dass seine Stützpunkte nicht für einen Angriff auf Iran genutzt werden dürfen. Premierminister Keir Starmer hat das direkt kommuniziert.
Das ist die Lage am Dienstag, dem 7. April 2026: Ein amerikanischer Präsident droht einem Land mit der Steinzeit. Sein eigenes Militär zweifelt, ob es ihm folgen darf. Ein Verbündeter verweigert ihm die Basis. Und die Straße von Hormuz – durch die ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels fließt – bleibt blockiert.
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Da hat er Recht! Zu meiner Zeit beim Militär nannte man diese Denkweise Bürger in Uniform – heute auch noch. E gibt keine absolute Pflicht, Befehlen zu gehorchen, die eindeutig einen schwerwiegenden Rechtsverstoß darstellen. Sondern sogar die Pflicht, dagegen anzugehen.
Gilt heute noch!