US-Handelsminister: Vorladung fast sicher – Lutnick rückt im Epstein-Komplex ins Zentrum des Kongresses

VonRainer Hofmann

Februar 27, 2026

Howard Lutnick könnte schon bald selbst im Zeugenstuhl sitzen. James Comer, Vorsitzender des Aufsichtsausschusses im Repräsentantenhaus, erklärte am Donnerstag, es sei „sehr gut möglich“, dass der Handelsminister zur Aussage über seine Beziehungen zu Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell gezwungen werde. Eine Vorladung sei realistisch. Comer sprach in Chappaqua im Bundesstaat New York, kurz bevor er die nicht öffentliche Befragung von Hillary Clinton leitete. Die frühere Außenministerin wird ebenso wie ihr Ehemann Bill Clinton im Rahmen der seit Monaten laufenden Untersuchung des Ausschusses vernommen. Auf die Frage, ob auch Lutnick vorgeladen werden könne, antwortete Comer, das sei sehr gut möglich, und es bestehe eine gute Chance, dass sein Name bereits in der laufenden Befragung auftauche.

Der Republikaner verteidigte zugleich das Vorgehen gegen die Clintons. Man habe bereits zwei frühere Kabinettsmitglieder aus dem Umfeld von Donald Trump angehört. „Das hier richtet sich nicht nur gegen Demokraten. Es geht um jeden, der Wissen über Epstein hat“, sagte Comer. Die mehr als nur mögliche Vorladung fällt in eine Phase wachsender Aufmerksamkeit für Lutnicks Verhältnis zu Epstein. Der heutige Handelsminister, langjähriger Vertrauter Trumps und früherer Finanzchef seiner Kampagne 2024, hatte im Oktober gegenüber der New York Post erklärt, er habe nach einer Begegnung im Jahr 2005 jeden Kontakt zu Epstein abgebrochen. Die Begegnung habe ihn so verstört, dass er sich geschworen habe, „nie wieder mit dieser widerwärtigen Person in einem Raum zu sein“. Recherchen widerlegten es krachend.

Siehe auch unsere Recherchen;

Recherchen zeigen auf: US-Handelsminister Howard Lutnick log: Sechs Jahre Geschäfte mit Epstein

(Unser Artikel vom 24. Februar 2026)

Howard Lutnick, US-Handelsminister unter Trump, hat ein großes Problem. Und das wird mit jedem aufgetauchten Dokument aus den Epstein-Akten größer. Lutnick hatte stets behauptet, er und seine Frau hätten jeden Kontakt zu Jeffrey Epstein nach 2005 abgebrochen. Damals waren sie Nachbarn seines Anwesens in New York geworden, Epstein hatte ihnen eine Führung durch sein Haus gegeben, und Lutnick sagte später, er habe danach geschworen, „nie wieder mit diesem widerlichen Menschen in einem Raum zu sein.“ Klingt nach einem sauberen Schnitt. Ist es aber nicht.

Hier weiterlesen …

Dokumente aus den vom Justizministerium veröffentlichten „Epstein-Akten“ zeichnen jedoch ein anderes Bild. Dazu E-Mails, die wir herausrecherchieren konnten, belegen, dass Lutnick den Kontakt zu Epstein noch bis 2018 hielt – also bis kurz vor dessen erneuter bundesrechtlicher Anklage wegen Sexhandels und lange nach einer früheren Haftstrafe auf Ebene eines Bundesstaates. Aus den Unterlagen geht zudem hervor, dass Lutnick 2012 einen Besuch auf Epsteins Privatinsel in den US-Jungferninseln arrangierte, jenem Ort, der wegen der dortigen Vorwürfe internationale Bekanntheit erlangte. Mittlerweile gibt es auch nachgewiesenes Bildmaterial, auch wenn man die Bilder auf der Seite des Justizministeriums entfernt hatte.

Die bloße Erwähnung in Akten bedeutet keine Schuld. Doch Lutnick räumte bei einer Anhörung vor dem Handelsausschuss des Senats am 11. Februar selbst ein, die Insel besucht zu haben. Auf Fragen des demokratischen Senators Chris Van Hollen aus Maryland erklärte er, er habe dort zu Mittag gegessen. Er sei auf einer Bootsfahrt im Rahmen eines Familienurlaubs gewesen, seine Ehefrau, vier Kinder und Kindermädchen seien dabei gewesen. Man habe etwa eine Stunde auf der Insel verbracht und sei anschließend gemeinsam wieder abgefahren. „Ich erinnere mich nicht, warum wir das getan haben“, sagte Lutnick. Unangemessenes habe es nicht gegeben.

Dataset 9, ID EFTA01230639

Zugleich betonte er unter Eid, er habe „keine Beziehung“ zu Epstein gehabt und „kaum etwas mit dieser Person zu tun“ gehabt. Das ist ebenfalls wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Seit dieser Aussage wächst der politische Druck. Abgeordnete beider Parteien fordern seinen Rücktritt. Donald Trump stellt sich demonstrativ hinter seinen Minister. Der Präsident nahm Lutnick mehrfach mit an Bord der Air Force One und zeigt bislang keinerlei Bereitschaft, ihn aus dem Amt zu entlassen.

Je näher man an die Personen kommt, desto mehr verschwinden Dokumente oder Bilder auf der Seite des Justizministeriums, wie im Beispiel von Dataset 9, ID EFTA01230639

Ob der Aufsichtsausschuss tatsächlich eine Vorladung erlässt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Klar ist bereits jetzt: Die Untersuchung greift weiter um sich. Namen aus unterschiedlichen politischen Lagern tauchen auf. Und mit jedem neuen Dokument, jeder neuen Aussage verschiebt sich der Fokus – weg von bloßen Kontakten, hin zur Frage, wer was wusste wer hat was getan und wann.

Wir werden in der Causa Epstein weiter recherchieren, und der Rücktritt von Lutnick ist ein Muss. Sämtliche Recherchen zeigen klar auf: Lutnick und Epstein, das war keine lose Verbindung, es war eine ausgeprägte Freundschaft und geschäftliche Verbandelung. Die Opferliste ist lang, unsere Recherchen werden noch Monate, möglicherweise Jahre andauern. Doch die Aufklärung steht bei uns ganz oben auf der To-do-Liste. Das ist man den Opfern schuldig, und Personen, die sich schuldig gemacht haben, sollten dafür auch zur Verantwortung gezogen werden. Mich persönlich hat die Aussage von Robert Mahler (ehemaliger LKA-Beamter) geprägt, wo sich unsere Wege vor langer Zeit kreuzten, ein guter Beamter, der sich für Wahrheit einsetzte und die Konsequenzen dafür kennenlernte.

„Mir wurde mal gesagt: In bestimmten Bereichen sollte man’s nicht so eng sehen. Wenn es um den einfachen Bürger geht, dann ja, aber da, wo’s politisch wird, darf man nicht ganz so am Wort des Gesetzes kleben bleiben.“

Das sollte niemals so sein. Dafür setzen wir uns ein, ohne Angst vor Konsequenzen. Die schlimmste Konsequenz ist es, irgendwann festzustellen, man hat nichts getan, und das ist nicht unsere oder meine Mentalität.

Fortsetzung folgt …

Liebe Leserinnen und Leser,
wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt. Wir sind dort, wo es wehtut. Aber wir hören nicht beim Schreiben auf. Wir helfen konkret. Wir setzen uns für Menschenrechte und Völkerrecht ein — als Haltung. Gegen Machtmissbrauch. Gegen eine Politik, die mit Angst regiert und Schwächere opfert, um Stärkere zu bedienen. Wegsehen war noch nie neutral. Es hat immer denen genutzt, die darauf zählen, dass niemand hinschaut.
Wir haben keinen Verlag im Rücken, keine institutionelle Hand, die uns trägt, kein Abo-Modell, das uns absichert. Unsere Unabhängigkeit hängt ausschließlich von regelmäßiger Unterstützung ab – nur so können wir diejenigen zur Verantwortung ziehen, die längst glauben, unangreifbar zu sein.
Kaizen unterstützen

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
4 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Susanna Punz
Susanna Punz
14 Stunden zuvor

wäre ich eines der Kinder von Herrn Lutnick und er hätte mich auf eine Insel von Pädophilen mitgenommen, würde ich ihm auch als Erwachsene die „Hölle heiß machen“ 😡 

Ela Gatto
4 Stunden zuvor
Antwort auf  Susanna Punz

Neben den ganzen Lügen, das absolute no-go

Ela Gatto
4 Stunden zuvor

Warum war eigentlich doe Anhörung von Hillary Clinton nicht öffentlich?
Darauf hatten die Clinton’s doch bestanden.

Und dann wurde ein Foto aus der nicht öffentlichen Anhörung nach außen geteilt.
Deswegen wurde die Anhörung kurz unterbrochen, korrekt?

Für das Problem gäbe es eine einfache Lösung. Keine Handys oder anderen Aufnahmegeräte von den Anwesenden erlaubt.

Lutnick hat gelogen.
Und zwar so dreist, dass Recherchen sie entlarvt haben.
Eure Recherchen haben noch mehr ans Licht gebracht.
Und das ist, auch in Bezug auf Lutnick, nur die Spitze des Eisberges.

Aber Trump schützt ihn.
Ein Pädophiler schützt den anderen Pädophilen kann man da nur denken.
Auch wenn es derzeit (noch?) Keine Beweise gibt, dass Lutnick sich auch „amüsiert“ 😞hat.

Loyalität zu Trump zahlt sich aus.

In funktionierenden Demokratien gibt es Rücktritte und Festnahmen.

In den USA zählt nur wer zu Trump hält, braucht nichts zu befürchten.
Trump wird dafür sorgen, dass Lutnick keine Vorladung bekommt.
Und selbst wenn… er hat schon einmal unter Eid gelogen. Zu erwarten, dass er es nicht wieder macht, ist naiv.

Danke, dass Ihr für die Opfer dran bleibt!❤️

4
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x