Trumps Fehleinschätzungen – Kein Rückzug, kein Plan, Geheimdienstbericht ignoriert

VonRainer Hofmann

März 7, 2026

Teheran – Der Krieg ist in seine zweite Woche gegangen, und nichts deutet auf Deeskalation hin. Präsident Donald Trump kündigte am Samstagmorgen an, Iran werde „sehr hart getroffen“ und weitere „Gebiete und Personengruppen“ stünden nun auf der Zielliste. Zuvor hatte Irans Präsident Masoud Pezeshkian die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation als „einen Traum, den unsere Feinde mit ins Grab nehmen werden“ zurückgewiesen.

Geheimdienstbericht ignoriert

Ein klassifizierter Bericht des National Intelligence Council liegt auf dem Tisch. Sein Inhalt ist eindeutig: Selbst ein großangelegter US-Militärangriff auf Iran würde das islamische Establishment dort mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht stürzen. Der Bericht wurde etwa eine Woche vor Kriegsbeginn am 28. Februar fertiggestellt – also bevor die ersten Bomben fielen. Donald Trump hat angekündigt, Irans Führung „auszufegen“ und sich einen Nachfolger seiner Wahl einzusetzen. Der Geheimdienstbericht hält genau das für unrealistisch. Die Frage, ob Trump vor der Militäroperation über diese Einschätzung informiert wurde, lässt das Weiße Haus unbeantwortet.

Der National Intelligence Council bündelt die Analysen aller 18 US-Geheimdienste. Was dieses Gremium zu Papier bringt, ist kein Bauchgefühl – es ist die verdichtete Einschätzung des gesamten amerikanischen Nachrichtenapparats. Und dieser Apparat sagt: Die iranische Geistlichkeit und das Militär haben Nachfolgepläne. Sie funktionieren auch unter Druck. Die zersplitterte iranische Opposition wäre nicht in der Lage, die entstehende Lücke zu füllen.

Während in Teheran das Ringen um die Nachfolge des getöteten Ayatollah Ali Khamenei läuft, schreibt Trump auf Truth Social von „BEDINGUNGSLOSER KAPITULATION“ und erklärt Khameneis Sohn Mojtaba öffentlich für „inkompetent“ und einen „Leichtgewichtler“. Er fügt hinzu, er habe selbst geeignete Kandidaten für die iranische Führung im Sinn. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf antwortete darauf lapidar: Das Schicksal Irans werde allein vom iranischen Volk bestimmt – nicht von Epsteins Bekanntenkreis.

Donald Trump erklärte in einem Beitrag, Iran habe sich bei seinen Nachbarstaaten im Nahen Osten entschuldigt und faktisch kapituliert. Er führte dies auf die „unerbittlichen“ Angriffe der USA und Israels zurück und behauptete, Teheran habe zugesagt, keine Raketen mehr auf die Golfstaaten abzufeuern. Trump bezeichnete Iran nicht mehr als „Schläger des Nahen Ostens“, sondern als „Verlierer des Nahen Ostens“ und stellte weitere harte Angriffe in Aussicht. Zudem kündigte er an, nun auch neue Gebiete und Personengruppen ins Visier zu nehmen, die bislang nicht Ziel der Angriffe gewesen seien.

Während die politischen Botschaften sich überschlugen, heulten in Bahrain und Katar erneut die Sirenen. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am Abend, man fange iranische Raketen und Drohnen ab, die in ihr Hoheitsgebiet eindrangen.

Martialische Videoinszenierungen – mehr bleibt am Ende nicht übrig von einer Strategie, die sich zusehends als Fehlplanung entpuppt. Das US-Zentralkommando liefert Schlagzeilen, die Geschichte liefert Leichen, und die eigenen Geheimdienste sprechen leise, was niemand laut sagen will: Es funktioniert so nicht. So war es wohl immer. Wer Krieg mit der Kamera und Social Media im Kopf führt und die Rechnung anderen überlässt, trägt trotzdem Verantwortung – ob er will oder nicht. Pete Hegseth, Kriegsminister und Ex-Fox-Moderator wäre die erste Konsequenz.

Teheran steht weiter unter Beschuss. Israel griff in der Nacht den Flughafen Mehrabad an, laut Militärangaben wurden Maschinen der Revolutionsgarden getroffen. Bewohner berichten von gewaltigen Feuerbällen über der Hauptstadt. Gleichzeitig erklärte das US-Militär, man habe seit Kriegsbeginn mindestens 3.000 Ziele angegriffen – ein sprunghafter Anstieg gegenüber 2.000 noch zu Wochenbeginn. Details zu den konkreten Zielen nannte Washington kaum. Die Zahl der Toten in Iran bleibt unklar.

Parallel dazu setzt Iran seine Gegenangriffe fort. Die Revolutionsgarden meldeten eine neue Welle von Attacken auf amerikanische und israelische Ziele, darunter ballistische Angriffe auf Haifa sowie Drohnenangriffe auf die Marina von Dubai, wo sich nach iranischer Darstellung US-Truppen befinden. In Bahrain seien militärische Lager im Hafen von Salman angegriffen worden. Bahrain erklärte, seit Kriegsbeginn 86 Raketen und 148 Drohnen abgefangen zu haben. Auch Saudi-Arabien meldete mehrere abgefangene Drohnen über dem Ölfeld Shaybah.

Eine iranische Drohne hat den internationalen Flughafen von Dubai getroffen

Innerhalb Irans treten Spannungen offen zutage. Pezeshkian entschuldigte sich zunächst bei den Golfstaaten für die Raketenangriffe und kündigte an, diese einzustellen. Wenige Stunden später relativierte er seine Aussage und erklärte, Iran habe nur US-Stützpunkte angegriffen, nicht „befreundete und benachbarte Länder“. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf widersprach indirekt und erklärte, solange US-Basen in diesen Staaten existierten, werde es keinen Frieden geben. Gholam-Hossein Mohseni-Ejei, Chef der Justiz und Mitglied des dreiköpfigen Übergangsrates, sprach von weiteren „schweren Angriffen“. Ali Larijani, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, sollte am Abend eine Ansprache halten, um Geschlossenheit zu demonstrieren. Seit der Tötung von Ayatollah Ali Khamenei existiert kein gewählter Nachfolger, sein Sohn Mojtaba Khamenei gilt als möglicher Kandidat. Pezeshkian ist Teil eines Übergangsgremiums, doch Beobachter bezweifeln, dass er die Sicherheitsapparate kontrolliert.

Auch in den USA wächst der Preis. Mindestens sechs amerikanische Soldaten sind bislang gefallen. Trump reiste nach Dover, um die Särge der Getöteten zu empfangen. Er erklärte, es werde „wahrscheinlich mehr“ Opfer geben. Auf die Frage nach Bodentruppen schloss er nichts aus. Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Kosten. Der Benzinpreis in den USA liegt bei durchschnittlich 3,41 Dollar pro Gallone, ein Anstieg von 14 Prozent binnen einer Woche. Rohöl notiert bei über 90 Dollar pro Barrel. Tanker aus dem Persischen Golf bleiben aus, etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung ist betroffen.

Ankunft Trump in Dover

Der Konflikt greift weiter um sich. In Beirut bombardierte Israel erneut die südlichen Vororte und die Bekaa-Ebene. In Nabi Sheet kam es laut libanesischen Angaben zu Gefechten nach einer israelischen Kommandoaktion, mindestens 26 Menschen starben. Rund 300.000 Menschen im Libanon sind laut Norwegischem Flüchtlingsrat vertrieben worden. In Israel suchten Spezialeinheiten im Osten Libanons nach den Überresten des seit den 1980er-Jahren vermissten Soldaten Ron Arad – ohne Erfolg.

Pakistan gerät ebenfalls unter Druck. Premierminister Shehbaz Sharif hatte Trump im Oktober noch für einen Friedenspreis vorgeschlagen. Nun protestieren in Islamabad und Karatschi Tausende gegen die US-israelische Offensive. Mindestens 26 Menschen starben bei Anti-USA- und Anti-Israel-Demonstrationen, elf davon bei dem Versuch, das US-Konsulat in Karatschi zu stürmen. Pakistan, Atommacht mit 565 Meilen Grenze zu Iran, steht zwischen den Fronten. Feldmarschall Syed Asim Munir traf den saudischen Verteidigungsminister Prinz Khalid bin Salman. Beide Staaten haben ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen geschlossen. Gleichzeitig warnte Islamabad Iran vor Fehleinschätzungen. Die Energieversorgung Pakistans steht vor dem Kollaps, Ölreserven reichen weniger als zwei Wochen.

Bilder, die von der Homeland Security veröffntlicht wurden mit dem Hinweis: US-Marines haben den Befehl, jeden Terroristen zu töten, der die Botschaft angreift! Die Botschaft ist US-Territorium und wird verteidigt! (1. März 2026)

Warnhinweis: Auch in gekürzter Form zeigen die folgenden Aufnahmen hochsensible und belastende Bilder; Personen mit schwachen Nerven oder besonderer Sensibilität sollten von einer Betrachtung absehen.

Auch die Huthi-Miliz im Jemen signalisiert Bereitschaft zum Eingreifen. Ein politischer Vertreter erklärte, die Ausweitung des Konflikts sei nur eine Frage der Zeit. Israel wiederum begann eine neue Angriffswelle gegen Infrastruktur in Teheran und Isfahan, mehr als 80 Kampfjets waren laut Militär im Einsatz.

Teheran, 7. März, 22:00 Uhr, Ortszeit – Nach iranischen Angaben wurde am Samstagabend ein Öllager in Teheran bei einer neuen Angriffswelle getroffen, gewaltige Flammen und Rauchwolken erhellten den Nachthimmel. Es ist eines der ersten Male, dass eine zivile Industrieanlage ins Visier geriet; Israel äußerte sich nicht zu konkreten Zielen, während iranische Staatsmedien mit Angriffen auf Raffinerien in Haifa drohten. Wir versuchen weitere Sachverhalte abzuklären

Die Gewalt weitet sich weiter aus: In Bagdad schlug eine Rakete auf dem Hubschrauberlandeplatz der US-Botschaft ein, ohne Opfer zu fordern. Iraks Übergangspremier Mohammed Shia al-Sudani sprach von einem „terroristischen Akt“ durch „abtrünnige Gruppen“ und ordnete Ermittlungen an. In Teheran traf eine neue Angriffswelle ein Öllager, gewaltige Flammen erhellten den Himmel – eine der ersten Attacken auf eine zivile Industrieanlage. Israel bestätigte weitere Luftschläge auf die Hauptstadt. Zugleich kündigte Ali Larijani, ein zentraler Machtakteur und Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates, eine Ansprache an – ein Signal, dass die strategische Linie Irans neu justiert oder zumindest geschlossen dargestellt werden soll. Spanien evakuierte derweil seine Botschaft in Teheran, die Türkei warnte vor einer ethnischen Eskalation im Zusammenhang mit kurdischen Gruppen. (Stand 21:30 Uhr MEZ)

Der Krieg hat längst die gesamte Region erfasst: Iran, Israel, Libanon, die Golfstaaten, Pakistan, Saudi-Arabien. Raketen, Drohnen, Luftangriffe, Bodenoperationen, steigende Ölpreise und gefallene Soldaten markieren eine Eskalation ohne erkennbare Ausstiegsstrategie. Auch Europa bleibt nicht außen vor. Steigende Ölpreise treffen die ohnehin fragile Wirtschaft unmittelbar, Lieferketten geraten erneut unter Druck, Energieimporte aus der Golfregion stehen auf dem Spiel. Gleichzeitig wächst das sicherheitspolitische Risiko: US-Basen in Europa sind potenzielle Zielpunkte iranischer Vergeltung, die NATO wird indirekt in einen Konflikt hineingezogen, den sie nicht kontrolliert. Während Washington eskaliert und Teheran zurückschlägt, wirkt die Europäische Union bislang wie Zuschauerin eines Krieges, dessen wirtschaftliche und strategische Folgen sie dennoch mittragen muss. Während Präsident Trump weitere Ziele ankündigt und Iran Vergeltung verspricht, bestätigt selbst eine interne US-Analyse, dass das eigentliche Ziel – ein Sturz des Regimes – militärisch kaum erreichbar ist. Die Fronten verhärten sich. Ein Kompromiss ist nicht in Sicht. Trump hat sich nicht nur verschätzt, er hat eine Eskalation gestartet, für die es keinen tragfähigen Ausstiegsplan gibt.

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Observer
Observer
1 Tag zuvor

Unglaubliche Inkompetenz und Ignoranz

Ela Gatto
Ela Gatto
22 Stunden zuvor

Wenn zwei alte Männer, zum eigenen Machterhalt/Machtausbau, beschließen, dass ein Krieg (der ja von Beiden nicht so genannt wird) ohne UN Rückendeckung, ohne Abstimmung mit den NATO Partnern, der „richtige“ Weg ist.

Netanyahu will seine Macht behalten, weil im juristische Probleme drohen.
Außerdem sieht er sich als der israelische Präsident, der den islamischen Terror auslöscht.

Trump ist wie immer von persönlicher Rache getrieben.
Der Ablenkung von den Epstein Files und natürlich dem „ich will, ich will, alle haben zu gehorchen“

Beide interessieren sich nicht für das iranische Volk.
Nicht einmal für das eigene Volk.

Einen Plan B zur Zerbombung gibt es auf beiden Seiten nicht.
Sie gehen davon aus, dass der Iran bedingungslos kapituliert.

Aber selbst dann wird es keinen Frieden geben.
Israel will das Mullah Regime komplett auslöschen.
trump ist eine religiöse Führung recht.

Trump spekuliert vermutlich darauf, dass mit den Angriffen auf Zypern ggf der NATO Bündnisfall eintritt.
Ich hoffe, dass keiner in diese Falle tappt und klar die Grenze von reiner Verteidigung und aktivem Angriff gezogen wird.

Und die Zivilisten in allen Ländern zahlen den Preis für diesen Krieg. 😞

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