Präsident Trump sagte vor wenigen Tagen, die Vereinigten Staaten könnten „sehr bald“ ihre Kampagne, mutmaßliche Drogenschmuggler auf See zu töten, auf Angriffe gegen Ziele in Venezuela ausweiten. Er warnte am Samstag Fluggesellschaften und Piloten, dass der Luftraum über Venezuela geschlossen sei – eine weitere Eskalation dessen, was seine Regierung als Krieg gegen Drogenkartelle bezeichnet. In einem Beitrag in sozialen Netzwerken, gerichtet „an alle Fluglinien, Piloten, Drogenhändler und Menschenhändler“, schrieb der Präsident, der Luftraum „über und um Venezuela“ sei „in seiner Gesamtheit geschlossen“. Trump ging in seinem Beitrag nicht weiter ins Detail. Die Warnung folgte jedoch auf seine Aussage vom Donnerstagabend, die Vereinigten Staaten könnten „sehr bald“ ihre Angriffe auf Boote, die verdächtigt werden, Drogen in den Gewässern vor Venezuela zu transportieren, auf Ziele in dem Land selbst ausweiten. Die US-Bootsangriffe haben seit Anfang September mehr als 80 Menschen getötet.

Als Präsident der Vereinigten Staaten hat Trump keinerlei Befugnis über den venezolanischen Luftraum. Sein Posting dürfte jedoch Fluggesellschaften davon abhalten, nach Venezuela zu fliegen oder das Land zu überqueren, und Chaos für Reisende verursachen. Auch der ohnehin fragile venezolanische Handel dürfte weiter beeinträchtigt werden. Die Schließung dürfte allerdings nur begrenzt Auswirkungen auf den Flugverkehr zwischen beiden Ländern haben. Derzeit gibt es laut dem Luftfahrtdatenunternehmen Cirium keine geplanten Direktflüge zwischen den USA und Venezuela. Flüge von den USA in andere südamerikanische Staaten umgehen den venezolanischen Luftraum ohnehin.

USS Gerald R. Ford – USS Mahan – USS Bainbridge – USS Winston S. Churchill – USS Lake Erie – USS Gettysburg – USS Stockdale – USS Gravely – USS Iwo Jima – USS Fort Lauderdale – USS San Antonio – USS Wichita sowie, nach unserem Stand: 2 U-Boote
Die Vereinigten Staaten haben ihre militärische Präsenz in der Karibik stark ausgebaut, um Druck auf Venezuela aufzubauen. Regierungsbeamte sagen, Ziel sei die Eindämmung des Drogenschmuggels – zugleich machen sie deutlich, dass sie Nicolás Maduro am liebsten mit Gewalt aus dem Amt drängen würden. Personen, die über die Einsatzplanungen der Regierung informiert wurden, berichten, dass die ersten Ziele drogenrelevante Einrichtungen sein könnten, darunter Produktions- oder Lagerstätten, die kolumbianische Kartelle für den Transport von Kokain durch Venezuela nutzen. Amerikanische Geheimdienste haben dem Militär Informationen über die Lage solcher Einrichtungen in Venezuela und Kolumbien gegeben.
Ob Trump unmittelbar Angriffe plant, ist unklar. Die bisherigen Schritte erhöhen jedoch den Druck auf Maduro deutlich. In unseren Kurznachrichten berichteten wir heute, Trump habe vergangene Woche mit Maduro telefoniert – während die USA gleichzeitig militärische Schritte gegen Venezuela androhten. Das Gespräch fand laut zwei Personen mit Kenntnis der Angelegenheit spät in der Woche statt. Dabei sei auch über ein mögliches Treffen in den USA gesprochen worden, sagten sie. Es gebe derzeit jedoch keine konkreten Pläne dafür. Das Telefonat, an dem auch Außenminister Marco Rubio teilnahm, fand wenige Tage vor der offiziellen Entscheidung des Außenministeriums statt, Maduro als Anführer eines angeblichen Drogenkartells und zugleich ausländischer Terrororganisation einzustufen – des Cartel de los Soles.
Die USS Gerald R. Ford, der modernste Flugzeugträger der Vereinigten Staaten, ist in der Karibik am 16. November 2025 eingetroffen.
Das US-Militär hat für Trump verschiedene Zieloptionen ausgearbeitet, darunter venezolanische Militäreinheiten, die Maduro unterstützen oder vom Drogenhandel profitieren sollen. Weitere Optionen betreffen Ölanlagen. Solche Angriffe könnten offiziell als Teil einer Anti-Drogen-Operation begründet werden, wären aber faktisch der Versuch, Maduro durch Zerstörung seiner Einnahmequellen zu schwächen. Trump bezeichnet Venezuela regelmäßig als Quelle von Drogen und illegaler Migration in die USA. Die tatsächliche Lage ist komplizierter. Viele Venezolaner, die in die USA kommen, fliehen vor Maduros autoritärer Regierung. Während die Trump-Regierung eine venezolanische Gefängnisbande für Gewalt verantwortlich macht, ignoriert sie Einschätzungen, wonach Maduro keine Kontrolle über diese Gruppe hat. Stattdessen soll die Regierung versucht haben, Geheimdienstinformationen zu verbiegen.
Tatsächlich spielt Venezuela im US-Drogenhandel nur eine geringe Rolle. Kokain aus Kolumbien gelangt zwar über Venezuela, aber der Großteil geht nach Europa. Das für die USA bestimmte Kokain wird über den Pazifik verschifft. Und amerikanische Behörden sagen, dass Fentanyl fast ausschließlich in Mexiko produziert wird – mit Chemikalien aus China, nicht aus Venezuela. Von Beginn an kritisierten Demokraten die Bootsangriffe als unautorisiert, illegal und als staatliche Tötungen ohne Verfahren. Am Samstag sagten Kritiker, das Schließen des Luftraums sei eine Drohung mit Gewalt.
Hier setzt die nächste Eskalationsstufe an – und sie ist weit größer als ein Social-Media-Posting.
Die USA haben in den vergangenen Wochen ihre militärische Präsenz vor Venezuelas Küste in einem Ausmaß verstärkt, das es seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Neue Berichte bestätigen den Einsatz von B-52-Bombern und F/A-18-Jagdflugzeugen, die Patrouillen fliegen, die offiziell als „Präsenzflüge“ oder sogar „Angriffsdemonstrationen“ bezeichnet werden. Dazu kreuzt die USS Gerald R. Ford, der größte Flugzeugträger der US-Navy, begleitet von Zerstörern und Aufklärungsflugzeugen, in Reichweite venezolanischen Luftraums. Für das Pentagon ist das eine „Druckkampagne“. Für jeden anderen ist es eine klare Botschaft: Die USA zeigen offen, dass sie jederzeit zuschlagen könnten. Eine solche Konzentration amerikanischer Streitkräfte hat die Region seit Jahrzehnten nicht gesehen.
„Drohungen mit Gewalt – erst recht ein tatsächlicher Angriff auf Venezuela – würden die UN-Charta verletzen“, sagte Brian Finucane, ein ehemaliger Jurist des US-Außenministeriums. „Ein solcher Angriff wäre auch nicht vom Kongress autorisiert.“ Republikanische Kritik blieb weit zurückhaltender. Doch am Freitagabend erklärte der republikanische Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Senat, Roger Wicker, er werde die Bootsangriffe untersuchen.
Verteidigungsminister Pete Hegseth gab beim ersten Angriff am 2. September mündlich den Befehl gab, alle Menschen an Bord zu töten. Nach Sichtung überlebender Personen, wurde ein zweiter Angriff durchgeführt, um auch sie zu töten. Die USA und Venezuela befinden sich nicht im Krieg. Es gibt keinen Beschluss des Kongresses, keine Autorisierung und keine Grundlage im Völkerrecht. Wenn ein Kriegsminister in einer solchen Lage befiehlt, alle Menschen auf einem Boot zu töten – und anschließend das auch mit den Überlebenden – dann ist das kein militärischer Einsatz, sondern eine vorsätzliche Tötung ohne rechtliche Grundlage. Dafür gibt es ein Wort: Mord.
Lesen sie auch unseren Artikel: „Tote, die keine Schlagzeilen wert sind – Wie Trumps Karibikkrieg unschuldige Fischer trifft“ – unter dem Link: https://kaizen-blog.org/tote-die-keine-schlagzeilen-wert-sind-wie-trumps-karibikkrieg-unschuldige-fischer-trifft/ und zum ersten Angriff unter: https://kaizen-blog.org/kokain-krieg-und-kulisse-was-hinter-trumps-karibikschlag-gegen-venezuelas-drogenboote-wirklich-steckt/
Schon im September konnten Recherchen klar aufzeigen, dass es bei der ersten Operation mehrere Angriffe gab. Außerdem stellte sich heraus, dass das getroffene Boot seinen Kurs geändert und offenbar gewendet hatte, nachdem die Menschen an Bord ein Militärflugzeug bemerkt hatten, das sie verfolgte. Das Pentagon weist alle Vorwürfe zurück, erklärte aber, man sei bei allen Operationen klar gewesen, dass es sich um „tödliche, kinetische Schläge“ handle. Während Hegseth stolz selbst sagt, er habe „tödliche Schläge“ angeordnet, ist unklar, wie die Befehle zu Nachfolgeangriffen lauteten, und ob Hegseth oder ein Offizier ausdrücklich einen Angriff auf überlebende Menschen im Wasser angeordnet hat. Bei einer Operation am 16. Oktober wurden zwei Überlebende gerettet und in ihre Herkunftsländer zurückgebracht.
In einer gemeinsamen Erklärung sagten Wicker und der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, Jack Reed, sie würden auch die späteren Angriffe prüfen, die das Militär durchgeführt habe. „Der Ausschuss hat beim Ministerium Nachfragen gestellt und wir werden eine gründliche Aufklärung durchführen, um die Fakten zu diesen Vorgängen zu klären“, hieß es.
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