Recherchen zeigen auf: Maskierte Nähe – Wie ICE mit falschen Identitäten in private Gruppen eindringt

VonRainer Hofmann

Februar 13, 2026

Mehr als 6.500 Einsatzkräfte und Analysten des Heimatschutzministeriums können inzwischen ein Instrument nutzen, das intern „Masked Engagement“ heißt. Hinter dem technisch klingenden Begriff verbirgt sich eine einfache Realität: Bundesbeamte dürfen unter falscher Identität sozialen Netzwerken beitreten, Freundschaftsanfragen verschicken, geschlossene Gruppen betreten und so an Inhalte gelangen, die für Außenstehende nicht sichtbar sind. Bisher unterschied das Ministerium zwischen offener Recherche, offener Beobachtung und verdeckter Beobachtung. Bei letzterer durften Alias-Konten zwar öffentliche Inhalte mitlesen, aber nicht aktiv Kontakt aufnehmen. Wer in eine private Gruppe wollte oder einem Zielobjekt folgen wollte, brauchte weitergehende Genehmigungen im Rahmen klassischer verdeckter Operationen. Genau diese Schwelle wird nun umgangen. „Masked Engagement“ wird als Zwischenstufe deklariert – unterhalb formaler Undercover-Einsätze, aber oberhalb reiner Beobachtung.

Das Dokument des Heimatschutzministeriums definiert die „operative Nutzung sozialer Medien“ erstaunlich weit. Erlaubt ist demnach die Sammlung personenbezogener Daten zur allgemeinen Lageeinschätzung, für straf-, zivil- oder verwaltungsrechtliche Ermittlungen, für Leistungsentscheidungen gegenüber Einzelpersonen sowie für Eignungsprüfungen von Bewerbern und Auftragnehmern. Es geht ausdrücklich um Vorgänge, die Rechte, Privilegien oder Leistungen betreffen können.

Besonders brisant ist die Einteilung in fünf Stufen staatlicher Online-Aktivität. Sie reicht von offener Präsenz mit klar gekennzeichneten Behördenkonten über reine Recherche ohne Login bis hin zu verdeckter Beobachtung mit Identitäten, die keine Behördenzugehörigkeit erkennen lassen. Die höchste Stufe erlaubt sogar Interaktion unter verschleierter Identität. Damit wird offiziell festgeschrieben, dass Bundesbehörden unter falschem Namen in sozialen Netzwerken auftreten, recherchieren und mit Nutzern kommunizieren dürfen – abhängig von Genehmigung und Aufsicht.

Das Papier macht deutlich: Soziale Medien gelten nicht nur als Informationsquelle, sondern als Ermittlungsraum. Und dieser Raum wird systematisch strukturiert, kategorisiert und mit abgestuften Zugriffsrechten versehen.

Die interne Definition ist eindeutig: Operative Nutzung sozialer Medien unter Identitäten, die eine Regierungszugehörigkeit verschleiern, um in begrenztem Umfang mit anderen Nutzern zu interagieren. Das schließt das Einloggen in Netzwerke, den Beitritt zu Gruppen, das „Freunden“, „Liken“ oder „Folgen“ ein. Einzige formale Grenze ist das Verbot „substanzieller Interaktion“. Was genau darunter fällt, bleibt offen.

Dieser Beamte aus dem Heimatschutzapparat hatte fingierte Social-Media-Profile angelegt, um Aktivisten, User und Bürger auszuspionieren. Sein tatsächlicher Name lautet Tim Reynolds.

Damit können Behörden digitale Räume betreten, die Bürger für privat halten, ohne die internen Prüfmechanismen durchlaufen zu müssen, die bei klassischen verdeckten Ermittlungen greifen. Kritiker warnen, dass genau hier die eigentliche Verschiebung liegt: Wer sich in eine geschlossene Chatgruppe einschleicht, erhält Zugriff auf Beziehungsnetzwerke, Fotos, Kontaktdaten, Gewohnheiten. Es ist nicht der einzelne Kommentar, der zählt, sondern das Gesamtbild.

Das Dokument beschreibt „Masked Engagement“ als neue Normalform der Online-Arbeit der Border Patrol: Beamte dürfen mit Identitäten auftreten, die keine DHS- oder CBP-Zugehörigkeit erkennen lassen, um „Publicly Available Information“ auf sozialen Plattformen zu erschließen. Das ist kein reines Beobachten, sondern ein gezieltes Eindringen in digitale Räume.

Konkret heißt das: einloggen, Gruppen beitreten, Nutzer „adden“, liken, folgen, Kontakte anbahnen, um Inhalte zu sehen, die man ohne diese Schritte nicht bekommt. Und das wird nicht als Ausnahme beschrieben, sondern als Vorgehen, das den Großteil der operativen Social-Media-Nutzung abdecken soll, außerhalb kommerzieller Open-Source-Recherchetools.

Brisant ist auch der technische Unterbau: Diese verdeckten Identitäten werden laut Papier vor allem mit „managed attribution“ betrieben, also mit Technik, die die behördliche Herkunft verschleiert. Begründung: Immer mehr Plattformen verlangen „Engagement“, um Zugang zu bekommen und ihn zu halten. Genau dieses Engagement wird hier als behördliche Praxis festgeschrieben.

Technisch wird das möglich durch sogenannte „Managed Attribution“-Systeme. Plattformen wie „Silo“ erlauben es Beamten, von abgeschotteten Servern aus zu agieren. IP-Adressen werden verschleiert, Geräteprofile simuliert. Für Administratoren wirkt der Zugriff wie der eines gewöhnlichen Nutzers mit Smartphone aus der Region. Die staatliche Herkunft bleibt unsichtbar. Weitere Werkzeuge tragen Codenamen wie GOST, Shadow Dragon, Gecko, Jemini, Axis oder „Creepy“. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde „Masked Engagement“ bereits eingesetzt, um palästinasolidarische Gruppen in den USA zu infiltrieren und um in mexikanischen sowie mexikanisch-amerikanischen Communities Datenbanken zu möglichen grenzüberschreitenden Straftätern aufzubauen. Offiziell verweist das Ministerium auf bestehende Befugnisse zur Verfolgung schwerer Straftaten. Konkrete Fragen nach Einführung und internen Definitionen blieben unbeantwortet.

Parallel dazu existieren bereits interne Verzeichnisse der vom Ministerium genutzten Identitäten, um eigene Online-Aktivitäten nachzuhalten. Selbst innerhalb der Behörde wird eingeräumt, dass „Masked Engagement“ der erste Schritt sein kann, um Privatsphäre-Einstellungen zu überwinden, ohne dass Betroffene es merken. Die Tragweite liegt nicht nur in der Technik. Wer nicht weiß, ob ein Gruppenmitglied ein echter Nachbar oder ein verdeckter Ermittler ist, ändert sein Verhalten. Gespräche werden vorsichtiger, Kontakte selektiver, Kritik leiser. Vertrauen in digitale Räume wird brüchig. Überwachung geschieht dann nicht spektakulär, sondern beiläufig – durch Freundschaftsanfragen, Likes und stille Mitleser mit falschem Namen.

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Sonja Gang
Sonja Gang
3 Stunden zuvor

Obacht!
Ich bin mir sicher, dass läuft so nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland.

bis Anfang Januar war ich auf Facebook aktiv.
Ich interessierte mich besonders für die Politik – auch, sogar schwerpunktmäßig, für die USA.

Ich ginge auch in Gruppen die weh taten, z.B. republikanische Patrioten.
Diese Gruppe himmel Trump an und redet jede seiner Handlungen gut.
Ist widerlich im Austeilen gegen Demokraten und überhaupt zu allem was nicht deren Meinung ist.

Was passierte mir – auf Facebook – hier in Deutschland?

Ich bekam von Musk zig Freundschaftsanfragen – und wunderte mich wie viele unterschiedliche Accounts er vorweisen konnte ( Ich gehe nicht davon aus das es Musk war… ich schreibe es jetzt aber so, wie es sichtbar war).
Ich lehne seinen Anfragen immer ab. – ich hatte bereits zu dem Zeitpunkt den Verdacht, dass der/ die – jenigen über diese Art und Weise auf mein Konto gucken möchte.

Danach zündete die 2. Stufe.
Auf meiner persönlichen Seite ging nichts mehr!
Ich konnte Posts weder teilen noch selbstständig etwas auf meiner Seite posten.
Anfangs gelang es mir noch mit einem Trick: Ich loggte mich mit einem anderen Server ein.
Das fiel jedoch nach kurzer Zeit auf – und auch dieser Server wurde blockiert.

Es war mir egal, ich wollte politisch aufklären….. also war ich entsprechend weiter unterwegs.

Bei „A country Pastor“ schlich sich eine Person an mich heran. Zuerst lobte diese Person jeden meiner Post auf seiner Seite. Später schrieb mich diese Person über den Messanger an. Sie wollte wissen was in Deutschland zum Fall Epstein alles bekannt ist. Ich vertraute dieser Person. Sie war freundlich und bis sie persönlichen Kontakt aufnahm folgte sie mir über 8 Wochen.
Sie erzählte auch persönliches von sich… so dachte ich zumindest.
Wir schrieben nur wenige Tage. Meine letzte Frage an sie war: Glaubst Du, dass auf Trump geschossen wurde?
Darauf antwortete sie lachend: Nein! Sie hätte mit jemanden vom Militär darüber gesprochen und der hätte ihr erklärt, dass mit den benutzten Gewehr und der benutzen Patrone nichts vom Ohr übrig geblieben wäre, wenn es Trump getroffen hätte.
Am nächsten Tag war diese Person weg!
Ich suchte im Netz nach dieser Person…. nichts! Tabula rasa!
Auch auf der Seite des Country Pastors waren all ihre Posts verschwunden.

Kurz danach bekam ich auf Facebook noch mehr Probleme.
Ich konnte mich nicht mehr einloggen.
Für jeden Log in musste ich mir einen Code zuschicken lassen.
Ging über einen unbekannten Server rein bekam ich die Mitteilung: Zugang gesperrt – wir brauchen nachweise um welche Person es sich handelt.
Sie wollten meinen Personalausweis und alle persönlichen Daten von mir!
Die Daten bekamen sie natürlich nicht.

Mit dem zugesandten Code kam ich eine Zeitlang wieder rein.
ich wollte daraufhin mein Passwort ändern.
das ging, ließ Facebook nicht zu!
Da hieß es: Ich sei mit einem neuen Gerät unterwegs und müsste erst einige Zeit über dieses Gerät schreiben, dann könne ich mein Passwort ändern. Ich war aber immer mit dem selben Gerät unterwegs….auch nie anonym!
Ich versuchte im Hilfebereich mein Problem zu schildern… und, oh Wunder, diese Funktion funktionierte bei mir nicht!
Die Funktion war tot!

Dann zündete die letzte Stufe.
Ich bekam zuerst eine Meldung, dass meine Beiträge im Tread herabgestuft werden – wegen Werbung.
Welche Werbung? Ich schrieb hoch und runter gegen Trump – halt meine eigene Meinung. Belegte meine Meinung mit Links… zur Wirtschaft, wie Trump Regeln und Gesetze umgeht und aushebelt und ähnliches.
Die Tage las mein Man auf Mastodon, dass diese, meine Meinung, seit September 2024, als Werbung ausgelegt wird.Ich wurde zu keinem Zeitpunkt bezahlt, oder vertrat irgend eine Organisation. es handelte sich ausschließlich um meine frei und eigene Meinung!

Siehe hier:

politische Meinungsäußerungen können auf Facebook (Meta) als Werbung ausgelegt und eingestuft werden, insbesondere wenn sie gesellschaftlich relevante Themen behandeln, von einer Organisation stammen oder durch Bezahlung (Werbebudget) eine größere Reichweite erhalten sollen. 

Hier sind die wichtigsten Punkte dazu:

  • Definition von politischer Werbung: Als politische Werbung (oder Werbung zu gesellschaftlich relevanten Themen) gilt nicht nur direkte Wahlwerbung. Dazu gehören auch Beiträge, die sich zu kontroversen Themen äußern (z.B. Umweltschutz, Menschenrechte, Gesundheitswesen, Gesetzesinitiativen), sofern sie von Seiten oder verifizierten Personen kommen.
  • Kennzeichnungspflicht: Wenn Inhalte als solche eingestuft werden, müssen sie den Hinweis „Bezahlt durch“ (Disclaimer) tragen und werden in der Werbebibliothek (Ad Library) für sieben Jahre archiviert.
  • Verbot in der EU: Als Reaktion auf neue EU-Regulierungen (TTPA-Verordnung) hat Meta die Schaltung von Werbung zu politisch oder gesellschaftlich relevanten Themen in der Europäischen Union eingestellt. Das bedeutet, dass politischer Content, der auf „Hervorheben“ oder Werbekampagnen setzt, in der EU oft gar nicht mehr zugelassen wird.
  • Algorithmus & Auslegung: Facebook nutzt automatisierte Systeme, um Anzeigen zu prüfen. Wenn ein Post als politisch/gesellschaftlich relevant eingestuft wird, aber nicht als Werbung gekennzeichnet ist, kann dieser abgelehnt oder die Reichweite drastisch eingeschränkt werden.
  • Unterschied zu privater Meinung: Eine rein private Meinung, die nicht beworben (bezahlt) wird, fällt in der Regel nicht unter diese Werberichtlinien, es sei denn, sie verstößt gegen die Gemeinschaftsstandards (z. B. Hassrede). 

Ich bekam also die Mitteilung, dass ich meine Werbung korrigieren solle.
Wusste damit aber nichts anzufangen, denn ich habe nichts beworben. Also ignorierte ich diesen Quark.

Dann passierte etwas richtig fieses!
Hier muss ich kurz in die Jetzt – Zeit springen: Nachdem mich facebook semi kalt stellte- ich ich ihnen schrieb, dass sie mein Konto endlich löschen sollten ( was über Wochen nicht nicht passierte….bis ich drohte. Ich denke, das Konto ist jetzt weg)
In dieser Zeit loggte ich mich über das Konto meines Mannes hin und wieder ein.
Mein Mann arbeitete als Itler bei Siemens und war hier für für die Netzwerk- und IT Sicherheit verantwortlich.
Er war sich sicher, dass sein PC gegen alles abgesichert war was möglich ist… Fehlanzeige!
Facebook registrierte, dass ich mich über seinen PC einloggte – und spielte ihm hart core Pornofotos auf den Rechner!
Zurück zu mir und warum dieser Sprung wichtig ist!
Als die letzte Stufe auf Facebook zündete bekam ich die Ansage: Ich hätte eine Sexfoto gepostet, welches sexuelle Gewalt unter Erwachsenen zeigt.
Das Foto habe ich nie zu sehen bekommen – abgesehen davon, dass so einen Mist nicht auf meinen PC habe/ hatte.
Ich gehe davon aus, dass man mir diese Fotos, wie bei meinem Mann, aufgespielt hat.
Mein Mann sagte, so was können nur Profis und das kann man nur machen wenn man online ist – also während einer Sitzung!

Löscht man den Cash, dann sind all diese Fotos wieder weg… und was sonst noch aufgespielt wurde.

Übrigens, auch alle meine persönlichen Nachrichten über den Messeniger wurden durchforstet.
Jeden Freund, sogar meine eigene Familie, wurden durchsucht!
Täglich sah ich, dass meine Meldungen einfach gelöscht wurden.
Ärgerlich, da es auch um Fotos meiner Enkelkinder handelte.

Fazit: Facebook/ Meta ist längst nicht so harmlos wie es erscheint! das Problem: Beweise es! Und wo will der User klagen, wo kann er klagen.

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