Während über dem Persischen Golf Raketen fliegen und Drohnen ihre Bahnen ziehen, verlässt eine der beweglichsten Einheiten der US-Streitkräfte ihren angestammten Platz im Indo-Pazifik. 2.200-2.500 Soldaten der US-Marines an Bord von drei amphibischen Kriegsschiffen sind auf dem Weg in den Nahen Osten. Die 31. Marine Expeditionary Unit, normalerweise dauerhaft in Japan stationiert und Teil des amerikanischen Indo-Pazifik-Kommandos, wird in eine Region verlegt, in der seit Wochen Krieg herrscht. Offiziell sagen amerikanische Militärvertreter, das bedeute keine Invasion. Keine Bodentruppen in Iran. Vielleicht stimmt das. Und doch sind die Truppen unterwegs.

Eine Marine Expeditionary Unit ist kein gewöhnlicher Verband. Sie vereint mehrere militärische Fähigkeiten in einer einzigen Einsatzgruppe: Neben den Marines selbst gehören eine Staffel F-35-Kampfjets dazu sowie Kipprotorflugzeuge vom Typ MV-22 Osprey, die sowohl wie Flugzeuge starten und landen als auch wie Hubschrauber schweben können. Die Schiffe, auf denen sie reisen, sind schwimmende Stützpunkte — für schnelle Landungen, für Evakuierungen, für amphibische Operationen entlang der Küsten. Dass ein solcher Verband jetzt aus dem Indo-Pazifik abgezogen wird, zeigt, wie ernst die Lage im Nahen Osten inzwischen eingeschätzt wird.
Donald Trump hatte am 28. Februar öffentlich angekündigt, was kurz darauf begann: massive Luftangriffe amerikanischer und israelischer Streitkräfte auf militärische Einrichtungen und staatliche Ziele in Iran. Bereits am ersten Tag trafen die Schläge die Spitze des iranischen Machtapparates. Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei wurde bei einem Angriff in Teheran getötet. Das bestätigte das staatliche Fernsehen selbst. Wenige Tage später bestimmten einflussreiche religiöse Kreise seinen Sohn Mojtaba Chamenei zum Nachfolger — religiöse Autorität und Oberbefehl über die Streitkräfte in einer Hand, von einem Tag auf den anderen.

Iran antwortet seitdem. Raketen und Drohnen fliegen auf Israel, auf amerikanische Militärbasen in der Region, auf Staaten am Persischen Golf. Israel wiederum intensiviert seine Angriffe im Libanon gegen die Hisbollah. Der Krieg, der als Luftkampagne begann, hat längst eine eigene Dynamik entwickelt, die sich schwer bremsen lässt. Verteidigungsminister, oder wie er liebevoll in Trump-Kreise genannt wird, Kriegsminister, Pete Hegseth kündigte an, die nächste Angriffswelle werde die größte der gesamten Kampagne werden. Mehr Einsätze, mehr Bombardements als an jedem bisherigen Tag des Krieges. Washington rüstet militärisch auf und erhöht gleichzeitig den Druck auf anderem Weg.

Was in 3 Minuten bei Kriegsminister/Verteidigungsminister, Ex-Fox-Moderator Hegseth so alles passieren kann …
Linkes Bild: Hegseth: Ein weiteres Beispiel für eine falsche Schlagzeile, die ich gestern gesehen habe: „Der Krieg weitet sich aus.“ Hier ist eine echte Schlagzeile für eine tatsächlich patriotische Presse: Iran schrumpft, zieht sich unter die Erde zurück. Das Einzige, was sich ausweitet, ist unser Vorteil, ganz zu schweigen davon, dass unsere Partner am Golf jetzt noch stärker eingreifen und in die Offensive gehen.
Rechtes Bild: Hegseth: Heute wird erneut das bisher größte Volumen an Angriffen stattfinden, das Amerika über dem Iran und über Teheran geflogen hat. Die Zahl der Einsätze und der Bombardements wird die bisher höchste sein, sie wird weiter hochgefahren und nur noch steigen. Und Quantität hat ihre ganz eigene Qualität.
Kurz gesagt: Innerhalb weniger Minuten erklärt er zuerst, der Krieg weite sich nicht aus, und kündigt dann gleichzeitig an, dass so viele Angriffe geflogen werden wie noch nie zuvor. Ob dieser Mann kompetent ist?

Über das Programm Rewards for Justice setzt die US-Regierung Prämien von bis zu zehn Millionen Dollar auf Informationen über führende Mitglieder der Islamischen Revolutionsgarden aus. Die Fahndung richtet sich gegen zehn Personen aus dem Inneren des iranischen Machtapparates. Gesucht werden Hinweise auf den neuen Revolutionsführer Mojtaba Chamenei selbst, auf Ali Asghar Hejazi, stellvertretender Stabschef im Büro des Revolutionsführers, sowie auf Geheimdienstminister Esmail Khatib, der den gesamten Sicherheitsapparat leitet. Darüber hinaus sucht Washington Informationen über den Sekretär des Verteidigungsrates, den Kommandeur der Revolutionsgarden sowie mehrere Berater des Revolutionsführers.

Militärischer Druck, Geheimdienstoperationen und internationale Fahndungen laufen gleichzeitig. Das ist keine Reaktion mehr. Das ist eine Strategie, die auf mehreren Ebenen gleichzeitig arbeitet. Was genau noch kommt, weiß niemand. Aber die Struktur, die hier gerade gebaut wird — Marines aus dem Indo-Pazifik, die größte Angriffswelle in Vorbereitung, Millionenprämien auf die Köpfe der iranischen Führung — lässt sich nicht mehr mit dem Wort Vorsicht erklären. Sie sieht aus wie eine Vorbereitung auf etwas, für das es noch keinen Namen gibt.

Man ist hier. Man sieht es. Und genau deshalb kann man nicht einfach wieder gehen. Wir werden bleiben, im Wechsel, weiter berichten, weiter dokumentieren und nebenbei, in Stunden, die kaum dafür gemacht scheinen, an einer großen Dokumentation arbeiten. Eine Aufarbeitung dieses Krieges. Mehr als notwendig. Vielleicht auch mehr als das: vielleicht ein kleiner Anstoß. Vielleicht gar nichts. Aber die Stille, die entsteht, wenn man schweigt, wäre lauter.
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