Sie nennen es einen Umfragerekord – dabei ist es eher ein Offenbarungseid. 32 Prozent für die AfD in Brandenburg, gemessen von Infratest dimap im Auftrag des RBB, sind nicht bloß ein politisches Signal, sie sind ein Alarmzeichen für das demokratische Gefüge eines Landes, das gerade versucht, sich nach rechts zu immunisieren und dabei an seinen eigenen Reflexen scheitert. Alice Weidel, Fraktionschefin im Bundestag und unangefochtene Leitfigur einer Partei, die lieber inszeniert als erklärt, feiert diesen Umstand mit einem Tweet, der alles will – außer präzise sein. Die AfD, so Weidel, vereine mehr Stimmen auf sich als die „Regierungsparteien zusammen“. Das Problem? Das ist falsch. Und zwar auf eine Art, die man entweder als absichtliche Irreführung oder als erschreckende Unkenntnis bezeichnen muss. Denn Brandenburg wird aktuell von einer Kenia-Koalition regiert – SPD, CDU und Grüne. Rechnet man die Werte der jüngsten Umfrage zusammen, ergibt sich: SPD 23 % + CDU 14 % + Grüne 5 % = 42 %. Die AfD steht bei 32 %. Selbst wenn man, aus einer sehr schrägen Logik heraus, die CDU als Oppositionspartei begreift – was sie faktisch nicht ist – bleibt es dabei: Weidels Vergleich funktioniert nur, wenn man großzügig Fakten ignoriert. Und genau das ist die Strategie. Eine Partei, die sich permanent als Opfer inszeniert, muss ihre eigenen Siege überhöhen. Alles andere würde die Illusion sprengen.

