Öl, Drohnen, Feuer – und ein Präsident, der gleichzeitig lügt und eskaliert

VonRainer Hofmann

März 19, 2026

Die Welt soll Danke sagen, heißt es aus Washington. Während Tankerpreise explodieren, Gasterminals brennen und Drohnen über Raffinerien einschlagen, klingt dieser Satz wie aus einer anderen Realität. Tatsächlich versucht die US-Regierung gerade, eine Energiekrise einzudämmen, die sie selbst mit ausgelöst hat.

Die Welt, unsere undankbaren Verbündeten in Europa, selbst Teile unserer eigenen Presse sollten Präsident Trump eines sagen: Danke. (Für was? – Anmerkung der Redaktion)

Finanzminister Scott Bessent spricht offen darüber, dass Washington neue Schritte prüft, um den Markt zu stabilisieren. Im Raum steht, bereits verschifftes iranisches Öl wieder freizugeben. Rund 140 Millionen Barrel könnten so kurzfristig verfügbar werden. Gleichzeitig denkt die Regierung darüber nach, die strategischen Ölreserven der USA anzuzapfen. Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Eingeständnis: Die Lage ist vollkommen außer Kontrolle geraten.

Die Preise reagieren sofort. Brent-Rohöl springt um fast zehn Prozent auf 118 Dollar pro Barrel. In Europa schießen die Gaspreise zeitweise um 30 Prozent nach oben. Märkte brechen ein, der STOXX 600 verliert, der DAX fällt, auch in Asien gehen die Kurse nach unten. Die wirtschaftlichen Folgen laufen längst parallel zum militärischen Geschehen.

South Pars, Irans größtes Erdgasfeld der Welt, brennt, nachdem israelisch-amerikanische Angriffe zentrale Verarbeitungsanlagen außer Betrieb gesetzt haben. Die Schäden für Mensch- und Umwelt sind auch hier noch überhaupt nicht absehbar

Auslöser ist eine Kette von Angriffen. Israel trifft das iranische Gasfeld South Pars, das Herzstück der Energieversorgung des Landes. Iran reagiert mit Schlägen gegen Infrastruktur im gesamten Golf. Katar meldet Schäden am Ras-Laffan-Terminal, der größten LNG-Anlage der Welt. In Kuwait brennen Raffinerien nach Drohnenangriffen. In Saudi-Arabien stürzt ein Flugkörper auf ein Exportterminal. In den Vereinigten Arabischen Emiraten schlagen Trümmer abgefangener Raketen in Energieanlagen ein.

Gleichzeitig erklärt Donald Trump, er wolle keine weiteren Angriffe auf iranische Energieziele. Das steht im Widerspruch zu dem, was vorher geschah. Denn der Angriff auf South Pars war bekannt, abgesprochen, gewollt und politisch getragen. Abgesprochen mit Israel, nicht erst seit gestern. Er sollte eine Botschaft senden, insbesondere im Zusammenhang mit der Straße von Hormus. Jetzt, nachdem die Antwort gekommen ist, soll plötzlich Zurückhaltung gelten. Trump macht das, was er immer macht: Die Welt belügen.

Hegseth: „Wir haben beschlossen, uns den Ozean mit dem Iran zu teilen. Wir haben ihnen die untere Hälfte überlassen.“

Verteidigungsminister Pete Hegseth zeichnet ein völlig anderes Bild. Irreal, bedenklich, politisch untragbar. Er spricht davon, man gewinne „klar und zu eigenen Bedingungen“. Über 7.000 Ziele seien im Iran angegriffen worden, mehr als 120 Schiffe zerstört oder beschädigt. Iranische Militärhäfen seien „lahmgelegt“. Gleichzeitig weist er jede Diskussion über eine mögliche Ausweitung des Krieges als Nebensache zurück. Die Realität zeigt das Gegenteil. Der Konflikt hat längst die gesamte Region erfasst. In Washington macht Tulsi Gabbard deutlich, wie unübersichtlich die Lage geworden ist: Der neue iranische Führer Mojtaba Khamenei sei nach einem israelischen Angriff schwer verletzt, Entscheidungen an der Spitze deshalb derzeit kaum einschätzbar. Gleichzeitig beschreibt sie eine klare Trennung der Kriegsziele – Israel ziele auf die Führung, die USA auf Militär und Raketen. Währenddessen warnt Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan nach Raketen über Riad vor militärischen Konsequenzen und erklärt, das letzte Vertrauen in Teheran sei zerstört.

Abgeordneter Carson: Gibt es irgendeinen Beweis dafür, dass Iran einen präventiven Angriff auf die USA geplant hat?

Tulsi Gabbard: Die Antwort auf diese Frage muss einer nicht-öffentlichen Anhörung vorbehalten bleiben. Letztlich ist der Präsident dafür verantwortlich, zu beurteilen, was eine unmittelbare Bedrohung darstellt.

Die Welthandelsorganisation schlägt Alarm: Schon vor den aktuellen Energieerschütterungen war das Wachstum im Warenhandel für 2026 auf 1,9 Prozent abgesackt – nach 4,6 Prozent im Jahr zuvor. Bleiben Öl- und Gaspreise hoch, droht ein weiterer Einbruch auf nur noch 1,4 Prozent. Besonders hart würde es energieabhängige Regionen wie Europa und Asien treffen, deren Handel deutlich stärker zurückgeht. Förderländer hingegen könnten kurzfristig profitieren, weil höhere Einnahmen ihre Importkraft stützen. Die Energiepreise werden damit zum entscheidenden Faktor für den globalen Handel.

Straße von Hormus

Auch Europa reagiert. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt vor einer Eskalation, die langfristige Folgen für die globale Energieversorgung haben wird. Wenn zentrale Anlagen zerstört werden, endet die Krise nicht mit dem Krieg. Sie zieht sich durch Jahre. Iran kündigt unterdessen weitere Angriffe an. Jede weitere Attacke auf eigene Anlagen werde beantwortet – auch gegen die Infrastruktur der Gegner und ihrer Verbündeten. Die Straße von Hormus bleibt dabei der gefährlichste Punkt. Europa und Japan erhöhen den Druck auf Teheran. Keir Starmer erklärte gemeinsam mit den Regierungschefs aus Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Japan, dass die Angriffe auf Schifffahrt sowie Öl- und Gasanlagen sofort enden müssen. Gleichzeitig fordern sie die Wiederöffnung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Routen für den globalen Energiemarkt. Die Staaten signalisieren Bereitschaft, selbst zur Sicherung der Passage beizutragen. Konkrete militärische Schritte stehen jedoch noch ganz am Anfang.

Teheran weiter unter Dauerfeuer

Parallel dazu zeigt sich, wie weit dieser Krieg reicht. Teheran war und ist aktuell von massiven Angriffen, zerstörten Gebäuden und wachsender Angst gezeichnet. Militärische Ziele liegen oft mitten in Wohngebieten. Die Grenze zwischen Front und Alltag existiert kaum noch.

Teheran weiter unter Dauerfeuer

Und während Regierungen über Märkte, Reserven und Strategien sprechen, trifft der Krieg auch diejenigen, die ihn dokumentieren. Im Süden des Libanon werden zwei Journalisten während einer Live-Berichterstattung verletzt. Steven Sweeney steht vor der Kamera, als wenige Meter entfernt ein Einschlag erfolgt. Kameramann Ali Reda Sbeiti wird ebenfalls getroffen. Beide überleben mit leichten Verletzungen. Der Ort liegt nahe dem Litani-Fluss, wo israelische Angriffe auf Infrastruktur stattfinden. Mehrere Teams berichten von dort.

Journalist und Kollege Steven Sweeney sowie der Kameramann Ali Reda Sbeiti wurden im Süden des Libanon während einer Live-Berichterstattung glücklicherweise nur leicht verletzt

Diese Bilder passen nicht zu den Sätzen aus Washington. Sie zeigen, was dieser Krieg wirklich ist: ein Konflikt, der sich ausbreitet, wirtschaftliche Systeme erschüttert und selbst diejenigen trifft, die ihn sichtbar machen.

Trump wollte Geschichte schreiben. Das hat er geschafft. Nur nicht so, wie es in Reden klingt.

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Lea
Lea
3 Stunden zuvor

Gute Besserung den Verletzten!

Ela Gatto
1 Stunde zuvor

Erstmal gute Besserung an Eure verletzten Kollegen.

Es trifft so viele Zivilisten.

Dazu die Umwelt.

Und Trump steht da und sagt „.. der Rest der Welt ist undankbar..“
Wofür zum Teufel sollen wir dankbar aein?
Dafür, dass er die Welt seit einem Jahr ins Chaos stürzt?
Völkerrechtswidrig Maduro entführt und quasi die Regierung (zumindest die Gewinne aus den Rohstoffen) übernimmt.
Damit droht Grönland zu übetnehmen?
Damit droht Kuba zu übernehmen, weil er alles machen kann?
Und als i-Tüpfelchen den Nahen Osten in Brand gesetzt hat?

Herzlichen Dank aber auch 🤮🤮🤮🤮

Wenn es Verhandlungen mit dem Iran gibt, dann -so traurig es klingt- ohne die USA.
Die NATO und Europa und auch der Nahe Osten mussen deutlich machen, richtig deutlich machen, dass sie NICHT hinter Trump und Israel stehen, was diesen Krieg angeht.

Sondern, dass man an einer diplomatischen Lösung interessiert ist.
Vor allem an einer Waffenruhe gegenüber den Golfstaaten.
Dazu sichere Fahrt durch die Strasse von Hormus.

Leider interessiert sich das Mullah-Regime genau so wenig für Menschenleben, wie Trump.😞
Macht und Rache gehen Beiden über alles….

Danke Trump, dass Du uns knapp vor den 3. Weltkrieg geführt hast und für eine der größten Weltsmwirtschaftskrisen gesorgt hast.
Starke Leistung 🤬🤬🤬🤬

Der einzige Gewinner ist Putin.
Sollte man im Kopf behalten.

Carolina
Carolina
1 Stunde zuvor

Wie abhängig man doch von so einer dreckigen, klebrigen Brühe ist. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt endlich über erneuerbare Energien nachzudenken. Aber nein, man verlangt jetzt sogar wieder Russland anzubetteln.

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