Benjamin Netanjahu stellt sich vor die Öffentlichkeit und widerspricht dem Vorwurf, er habe Donald Trump in diesen Krieg gedrängt. Niemand sei getäuscht worden, sagt er, Trump habe die Gefahr selbst erkannt. Iran habe sein Atomprogramm unter die Erde verlagert und arbeite an Raketen, die auch die Vereinigten Staaten erreichen könnten. Es habe keine Überzeugungsarbeit gebraucht. Diese Darstellung fällt in einem Moment, in dem der Druck wächst. In Washington tritt ein hochrangiger Beamter mit Joe Kent, Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, zurück und macht Israel mitverantwortlich für die Eskalation. Gleichzeitig sorgt der Angriff auf das Gasfeld South Pars für eine neue Welle iranischer Angriffe auf Energieanlagen in der Region. Die Lage verschärft sich sichtbar, nicht nur militärisch, sondern auch politisch.
Netanjahu: „Ich möchte diese einleitenden Bemerkungen mit einer weiteren Falschmeldung beenden, nämlich der Behauptung, Israel habe die USA irgendwie in einen Konflikt mit dem Iran hineingezogen. Glaubt wirklich jemand, dass man Präsident Trump sagen kann, was er tun soll? Komm schon.“
Netanjahu versucht, den Rahmen zu erweitern. Er spricht über amerikanische Soldaten, über Verluste, über Familien, die betroffen sind, und nennt den Preis hoch. Gleichzeitig dämpft er wirtschaftliche Sorgen. Die steigenden Energiepreise seien nur vorübergehend. Auch bei der Straße von Hormus zeigt er sich sicher, dass die Vereinigten Staaten sie wieder öffnen werden. Zwischen diesen Aussagen entsteht ein Spannungsfeld, das sich nicht glätten lässt. Denn während Netanjahu eine gemeinsame Linie betont, zeigen andere Stimmen ein anderes Bild.
„Das habe ich. Ich habe ihm gesagt: Mach das nicht. Und er wird das nicht tun. Gelegentlich macht er etwas, und wenn es mir nicht gefällt, dann machen wir es danach nicht mehr.“
Donald Trump sagt: „Ich habe ihm gesagt: Mach das nicht.“ Netanjahu sagt: Israel habe eigenständig gehandelt. Zwei Aussagen, die nebeneinanderstehen und sich nicht auflösen lassen. Der Angriff auf South Pars, das Herzstück der iranischen Energieversorgung, hat nicht nur eine militärische Reaktion ausgelöst, sondern auch offengelegt, dass Washington und Jerusalem nicht mehr im Gleichschritt handeln. Kurz nach dem Schlag griff Iran Energieanlagen in anderen Staaten der Region an. Die Preise stiegen weiter, Partner am Golf forderten von Trump, Netanjahu zu bremsen. Aus einem militärischen Schritt wurde ein politischer Belastungstest.
Im Oval Office, neben Japans Premierministerin Sanae Takaichi, erklärt Trump, der Angriff sei weder gebilligt noch unterstützt worden. Man verstehe sich gut, sagt er, es sei abgestimmt, aber manchmal mache Netanjahu Dinge, die ihm nicht gefallen. Dann werde man das nicht mehr tun. Gleichzeitig erklärt Netanjahu in Jerusalem, man habe eigenständig gehandelt, fügt aber hinzu, man habe Trumps Wunsch akzeptiert, vorerst keine weiteren Angriffe auf das Gasfeld durchzuführen. Dann folgt der Satz, der die Hierarchie festlegt: „Er ist der Anführer. Ich bin sein Verbündeter. Amerika ist der Anführer.“
„Ich glaube nicht, dass zwei Anführer jemals so abgestimmt waren wie Trump und ich.
Trump ist der Anführer, und ich bin sein Verbündeter.“
Diese Darstellung bekommt Risse. Trump hatte unmittelbar nach dem Angriff erklärt, die USA hätten nichts gewusst. Gleichzeitig berichten Personen mit Einblick in die Abläufe, dass Washington sehr wohl informiert gewesen sei und Ziele zwischen beiden Seiten abgestimmt würden. Zwischen öffentlicher Darstellung und interner Abstimmung liegt eine Lücke, die nicht kleiner wird.
Auch inhaltlich gehen die Ziele auseinander. Tulsi Gabbard macht vor dem Geheimdienstausschuss deutlich, dass die Vereinigten Staaten andere Prioritäten setzen als die israelische Regierung. Während Washington auf Raketenprogramme, Marine und nukleare Infrastruktur zielt, geht Israel weiter. Die gezielten Tötungen innerhalb der iranischen Führung und die Perspektive eines Machtwechsels zeigen, dass Netanjahu den Krieg als Chance sieht, die Ordnung in Teheran grundlegend zu verändern.
Trump hat sich davon entfernt. Zu Beginn sprach er davon, Iranern die Möglichkeit zu geben, das bestehende System abzuschütteln. Später klingt er zurückhaltender. Ohne Waffen sei ein Aufstand kaum möglich, sagt er mit Blick auf die Basij-Milizen. Auf die Frage, ob er Netanjahus Linie unterstütze, antwortet er knapp: „Ich denke, Bibi versteht das auch.“
Das Verhältnis zwischen beiden gilt seit Jahren als eng. Netanjahu hat Trump wiederholt als verlässlichen Partner dargestellt. Trump hat ihm mehr Spielraum gegeben als viele seiner Vorgänger. Genau dieser Spielraum zeigt jetzt seine Grenzen. Israel kann militärisch weiter gehen, getragen von einer Bevölkerung, die den Krieg stärker unterstützt. In den Vereinigten Staaten wächst der Druck. Steigende Energiepreise, wirtschaftliche Unsicherheit und ein Wahljahr verändern die Lage. Selbst innerhalb der Republikaner wird darauf verwiesen, dass die Folgen dieses Krieges im Alltag ankommen.
Joel Rubin, ehemaliger Mitarbeiter im Außenministerium unter Barack Obama, sieht die Differenzen bislang als begrenzt. Doch er verweist auf die entscheidende Frage: Wann wird dieser Krieg beendet und wer trifft diese Entscheidung. Sie wird nicht in Jerusalem fallen, sondern in Washington. Genau dort könnten die Unterschiede sichtbar werden. Der Angriff auf das Gasfeld hat mehr offengelegt als eine militärische Strategie. Er zeigt, dass Abstimmung nicht bedeutet, dass beide Seiten dasselbe Ziel verfolgen. Und dass selbst enge Verbündete in einem Krieg beginnen können, unterschiedliche Wege zu gehen.
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