Nach Maduro – von wem träumt er als Nächsten? Trumps Drohungen gegen Grönland, Kuba und Kolumbien

VonRainer Hofmann

Januar 5, 2026

Einen Tag nach dem militärischen Zugriff der USA in Venezuela verschärft Donald Trump den Ton – und erweitert den Kreis der Adressaten. Während Nicolás Maduro in US-Gewahrsam ist, spricht der Präsident offen über eine Übernahme Grönlands, stellt Kuba als nächsten Krisenherd dar und richtet unverhohlene Drohungen gegen Kolumbien. Was als punktuelle Operation verkauft wurde, wirkt inzwischen wie eine grundsätzliche Neuordnung der westlichen Hemisphäre nach amerikanischen Vorstellungen., Diktatorenshopping eben.

Trump: „Wir brauchen Grönland aus Sicht der nationalen Sicherheit, und auch die Europäische Union braucht, dass wir es haben. Und das wissen sie.“

Trump erneuerte seine Forderung nach einer Kontrolle des zu Dänemark gehörenden Grönlands und begründete sie mit Sicherheitsinteressen. Die arktische Insel sei von russischen und chinesischen Schiffen umgeben, die USA „bräuchten Grönland“, sagte er. Auf die Frage, was der Venezuela-Einsatz für Grönland bedeute, antwortete er ausweichend, die Betroffenen müssten das selbst einschätzen. Klarer wurde die strategische Linie im kürzlich veröffentlichten Sicherheitsdokument seiner Regierung, das die Wiederherstellung amerikanischer Vormachtstellung in der westlichen Hemisphäre ausdrücklich zum Ziel erklärt.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte in einer Stellungnahme als Reaktion auf Trumps Äußerungen zu Grönland:

„Ich muss das gegenüber den Vereinigten Staaten sehr direkt sagen:
Es ergibt absolut keinen Sinn, über die angebliche Notwendigkeit zu sprechen, dass die Vereinigten Staaten Grönnland übernehmen.

Die Vereinigten Staaten haben kein Recht, eines der drei Länder im Königreich zu annektieren.
Das Königreich Dänemark – und damit auch Grönland – ist Teil der NATO und fällt somit unter die Sicherheitsgarantie des Bündnisses. Wir haben bereits heute ein Verteidigungsabkommen zwischen dem Königreich und den Vereinigten Staaten, das den USA weitreichenden Zugang zu Grönland gewährt. Und wir haben auf Seiten des Königreichs erheblich in die Sicherheit in der Arktis investiert.

Ich fordere die Vereinigten Staaten daher nachdrücklich auf, die Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten sowie gegen ein anderes Land und ein anderes Volk zu beenden, die sehr klar erklärt haben, dass sie nicht zum Verkauf stehen.“ (Noch in der Nacht vom 5. Januar 2026 reagierte Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf Trumps Drohungen)

In Kopenhagen lösten diese Aussagen Alarm aus. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen stellte unmissverständlich klar, dass die USA kein Recht hätten, Grönland zu annektieren, und erinnerte daran, dass Washington bereits umfassenden militärischen Zugang zur Insel habe. Auch der dänische Botschafter in den USA, Jesper Møller Sørensen, forderte öffentlich Respekt für die territoriale Integrität des Königreichs. Die Reizung wuchs weiter, als Katie Miller, Ehefrau von Trumps einflussreichem Berater Stephen Miller, ein Bild veröffentlichte, das Grönland in US-Flaggenfarben zeigt – versehen mit dem Wort „Bald“.

Und die EU? Europa verhält sich wie ein Kontinent in politischer Narkose. Man sieht, was passiert, man versteht die Tragweite, und trotzdem entscheidet man sich fürs Wegschauen. Drohungen werden relativiert, Grenzfantasien kleingeredet, Machtmissbrauch mit diplomatischem Schweigen beantwortet. Dieses Verhalten ist nicht vorsichtig, es ist feige. Europa lässt sich treiben, hofft, nicht das nächste Ziel zu sein, und verkauft Passivität als Besonnenheit den Bürgern. In Wahrheit ist es ein kollektives Versagen der satten politischen Führung. Wer in einer solchen Lage nicht klar spricht, nicht gemeinsam handelt und nicht öffentlich widerspricht, verzichtet freiwillig auf Gestaltungsmacht. Das ist keine Realpolitik, das ist Unterwerfung durch Untätigkeit. Und wenn Politiker lieber den Status quo verwalten, statt ihn zu verteidigen, dann verlieren sie ihre Legitimation. Demokratien sind kein Schonraum für Angsthasen.

Neben Dinner- und Galaabenden sollte die EU endlich begreifen, dass sie stärker ist, als sie es selbst zeigt. Stattdessen wirkt die politische und diplomatische Qualität vieler Reaktionen erschreckend schwach. Die Geschichte liefert dafür eine Warnung: Die Weimarer Republik zerbrach nicht allein an ihren erklärten Feinden, sondern an einem System, das sich in Verfahren, Zuständigkeiten und formaler Ordnung verlor, während antidemokratische Kräfte entschlossen vorgingen. Konservative Eliten beschwichtigten, Verwaltungen funktionierten weiter, Gerichte hielten an Neutralität fest, und das politische Zentrum hoffte, die Dinge würden sich von selbst beruhigen. Dieses Abwarten erwies sich als fatal. Demokratie ging nicht unter, weil sie keine Regeln hatte, sondern weil niemand bereit war, sie rechtzeitig zu verteidigen. Wer Machtverschiebungen aussitzt, statt ihnen offen entgegenzutreten, macht sie möglich. Europa sollte diese historische Lektion nicht nur zitieren, sondern endlich danach handeln. Sollten einige Politikerinnen und Politiker dazu nicht fähig sein, ist Rücktritt nur die Konsequenz.

„Für Venezuela sind wir bereit, sogar unser eigenes Blut zu geben!“

Bei einer massiven Kundgebung in Havanna, nur wenige Schritte von der US-Botschaft entfernt, verurteilte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel heute Trumps Bombardierung von Caracas scharf als Akt des Terrorismus und als Verletzung des Völkerrechts. Zugleich warf er Washington vor, Präsident Nicolás Maduro „entführt“ zu haben, und rief seine Anhänger dazu auf, „gegen den Faschismus Stellung zu beziehen“.

Parallel dazu richtet sich der Blick nach Kuba. Außenminister Marco Rubio erklärte, die kubanische Führung stecke in ernsten Schwierigkeiten. Er behauptete, Maduro sei in Venezuela von kubanischen Sicherheitskräften geschützt worden, die auch die interne Überwachung organisiert hätten. Trump selbst setzte nach und bezeichnete Kuba als scheiternden Staat, über den man bald sprechen werde. In Havanna reagierte die Regierung mit einer Kundgebung zur Unterstützung Venezuelas und warnte, die Bedrohung betreffe die gesamte Region. Viele Menschen verfolgen die Entwicklung mit Sorge. Die Einwohner sprechen von einem Angriff auf einen souveränen Staat und davon, dass so etwas auch Kuba treffen könne.

Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro widerspricht Donald Trump offen und erklärt:

„Wenn Sie mich ins Gefängnis bringen wollen, dann versuchen Sie es. Wenn Sie mir einen orangefarbenen Overall anziehen wollen, dann versuchen Sie es. Das kolumbianische Volk wird auf die Straße gehen, um mich zu verteidigen.“

Schließlich gerät Kolumbien ins Visier. Trump beschimpfte Präsident Gustavo Petro als Mann, der Kokain produziere und in die USA verkaufe, und erklärte offen, eine militärische Aktion klinge für ihn „gut“. Bereits zuvor hatte seine Regierung Sanktionen gegen Petro und dessen Umfeld verhängt und Kolumbien erstmals seit Jahrzehnten auf eine Liste unkooperativer Staaten im Drogenkrieg gesetzt. Die Drohungen fügen sich ein in eine Politik, die mit tödlichen Angriffen auf mutmaßliche Schmuggelboote begann und nun ganze Staaten ins Visier nimmt.

Was bleibt, ist eine wachsende Unsicherheit unter Verbündeten und Gegnern gleichermaßen. Grönland, Kuba, Kolumbien – sie alle hören aus Washington Signale, die weniger nach Diplomatie als nach Machtausübung klingen. Nach Maduro ist die Frage nicht mehr, ob die USA ihre Rolle ausweiten wollen, sondern wo die nächste Grenze gezogen wird.

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