Es gibt Momente, in denen man als Journalist inne hält. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil das, was man gerade liest, so offen und so unverfroren ist, dass man sich fragt, ob die Welt einfach aufgehört hat, sich zu schämen. Brooks Potteiger ist Pastor. Pilgrim Hill Reformed Fellowship, Nashville. Und er ist der geistliche Berater von Pete Hegseth – dem Mann, der das amerikanische Verteidigungsministerium leitet. Derselbe Potteiger, den Hegseth im August ins Pentagon einlud, um dort zu beten. Vor Soldaten. Im Namen Gottes.

Pete Hegseth mit dem Pastor seines Vertrauens: Brooks Potteiger
Letzte Woche saß Potteiger im Podcast Reformation Red Pill bei Joshua Haymes – kein Zufall, kein fremdes Format, sondern Hegseth ist dort mindestens viermal aufgetreten. Haymes ist ebenfalls Mitglied der Pilgrim Hill Gemeinde. Man kennt sich, man denkt gleich, man betet zusammen. Das Gespräch kam auf James Talarico. Demokratischer Staatsabgeordneter in Texas, gerade gewonnene Vorwahl für den US-Senat. Talarico ist Christ – aber er lehnt christlichen Nationalismus ab. Und das, so scheint es, ist Grund genug.
Haymes sagte es ohne zu zögern: „Ich bete, dass Gott ihn tötet.“
Potteiger antwortete: „Richtig. Wir wollen, dass er mit Christus gekreuzigt wird.“
Haymes legte nach: „Und wenn es nicht Gottes Wille ist – dann halte ihn auf, mit allen Mitteln, o Gott.“
Man sitzt damit eine Weile. Lässt es wirken. Der Pastor des amerikanischen Verteidigungsministers begrüßt öffentlich den Todeswunsch gegen einen gewählten Politiker – und findet das so selbstverständlich, dass er nicht einmal zögert. Kein Innehalten, kein Nachdenken, kein einziger Moment des Zweifels. Einfach: Richtig. Das ist nicht Glaube. Glaube zweifelt, trägt, hält aus. Was hier passiert, ist etwas anderes. Gottes Name wird genommen und über einen politischen Gegner gelegt wie ein Urteil, das keiner Rechtfertigung mehr bedarf. Und weil es als Gebet verpackt ist, soll es unangreifbar sein.
Aber es ist nicht unangreifbar. Es ist das Gegenteil von dem, wofür Religion in einer freien Gesellschaft stehen sollte. Hegseth schweigt. Das Pentagon schweigt. Und Potteiger sitzt weiter dort, wo Hegseth ihn hingesetzt hat – nah am Zentrum der amerikanischen Militärmacht, nah genug um zu beten, nah genug um gehört zu werden.
Im November trifft Talarico auf den Sieger der republikanischen Vorwahl – entweder Senator John Cornyn oder Generalstaatsanwalt Ken Paxton. Bis dahin bleibt eine Frage, die sich nicht wegbeten lässt: Wie viele solcher Momente braucht es noch, bis jemand in Washington aufsteht und sagt, dass das nicht normal ist. Dass es das nie war. Und dass ein Verteidigungsminister, dessen engster geistlicher Berater öffentlich den Tod politischer Gegner begrüßt, in diesem Amt nichts verloren hat.
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Wenn man das ohne Ton ansieht, hat man den Eindruck, als ob sich in einer amerikanischen Sitcom zwei Leute gerade über die Wahl der neuen Farbe für den Gartenzaun einig geworden sind. So nebensächlich, man lächelt – oh cool,so machen wir das…
Es werden immer mehr Verbrecher nach oben gespült, bejubelt, gewählt. Was ist, verdammt nochmal, passiert?!
Oh man, ich hoffe nicht, dass das einer der Anhänger dieser radikalen Christen als Aufforderung auffässtt.
Extremismus und Fanatismus ist immer gefährlich 😡