Gelöscht, verteidigt, abgeschoben – und wieder ein Stück Glaubwürdigkeit verloren

VonRainer Hofmann

Februar 6, 2026

Der rassistische Beitrag, in dem Barack und Michelle Obama als Affen dargestellt wurden, ist verschwunden. Gelöscht nach massiver Kritik aus beiden politischen Lagern. Selbst republikanische Senatoren und Bürgerrechtsorganisationen forderten die Entfernung. Doch der Ablauf dieser Affäre sagt mehr als das bloße Löschen.

Am Donnerstagabend war der Clip über Trumps Konto auf Truth Social verbreitet worden. Die Obamas, das erste schwarze Präsidentenpaar der Vereinigten Staaten, mit überblendeten Gesichtern auf animierten Affenkörpern im Dschungel, tanzend zu „Der Löwe schläft heut Nacht“. Einfach online gestellt. Parallel dazu wurden erneut falsche Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug bei der Präsidentschaftswahl 2020 verstärkt, obwohl Gerichte im ganzen Land sowie sein eigener Justizminister aus der ersten Amtszeit keinerlei Belege für einen relevanten Betrug fanden. Als die Kritik anschwoll, reagierte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, zunächst mit Abwehr. Es handle sich um ein Internet-Meme, der Präsident sei als „König des Dschungels“ dargestellt worden, die Empörung sei „falsch“. Man solle über Themen berichten, die für die amerikanische Öffentlichkeit wirklich wichtig seien. Diese Worte stehen im Raum. Und sie stehen im Widerspruch zur späteren Darstellung.

Wenige Stunden später war der Beitrag gelöscht. Nun hieß es, ein Mitarbeiter habe das Video irrtümlich veröffentlicht. Nicht der Präsident soll verantwortlich gewesen sein, sondern angeblich ein Mitarbeiter. Die Verantwortung wanderte nach unten. Zum Glück hat der Mitarbeiter, der sich scheinbar frei auf dem Präsidentenaccount bewegen darf, Europa nicht den Krieg erklärt. Genau hier liegt das Problem. Es ist einfach nicht glaubwürdig. Wenn ein offizielles Konto Inhalte verbreitet, trägt der Amtsinhaber politische Verantwortung, unabhängig davon, wer technisch den Knopf gedrückt hat. Die Verteidigung durch die Sprecherin und die spätere Schuldzuweisung passen nicht zusammen. Wer am Vormittag von „falscher Empörung“ spricht, kann am Nachmittag schwer glaubhaft erklären, der Beitrag sei ein Versehen gewesen.

Eine Sprecherin des früheren Präsidenten Obama erklärte, es gebe dazu keinen Kommentar. Auch das ist ein Signal. Während im Weißen Haus erst relativiert, dann gelöscht und schließlich delegiert wird. Die Episode zeigt erneut ein Muster: Provokation, Verteidigung, Rückzug. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass Standfestigkeit vor allem dort gilt, wo es keinen ernsthaften Gegenwind gibt. Sobald Kritik aus den eigenen Reihen laut wird, wird korrigiert – aber ohne klare Übernahme der Verantwortung.

Der Beitrag ist gelöscht. Die Aussagen davor nicht. Und genau darin liegt der bleibende Schaden.

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