Mehr als 100 große europäische Banken, Versicherer, Fonds und Pensionskassen haben ihre Beteiligungen an Palantir innerhalb eines Jahres massiv ausgebaut. Der Gesamtwert liegt inzwischen bei mindestens 27 Milliarden Dollar. Ein Anstieg von fast 70 Prozent. Während gleichzeitig seit Jahren Vorwürfe im Raum stehen, dass die Software des Unternehmens bei Abschiebungen durch ICE eingesetzt wird und in militärischen Operationen, unter anderem durch die israelische Armee, eine Rolle spielt. Amnesty International hatte bereits 2020 darauf hingewiesen, dass Palantir seinen menschenrechtlichen Prüfpflichten nicht ausreichend nachkommt. Eine aktuelle Bewertung durch MSCI vergibt nur zwei von zehn Punkten bei Bürgerrechten und Menschenrechtsrisiken.
Trotzdem fließt das Geld weiter. Norges Bank hält inzwischen 29 Millionen Aktien im Wert von über 5 Milliarden Dollar. Amundi kommt auf rund 3 Milliarden, Legal & General auf etwa 2,5 Milliarden. Barclays, Deutsche Bank und BNP Paribas bewegen sich jeweils im Milliardenbereich. Viele dieser Investoren berufen sich auf OECD-Leitlinien, die genau für solche Fälle eine sorgfältige Prüfung verlangen. Doch die Praxis zeigt etwas anderes. Wer investiert, trägt Verantwortung. Tara Van Ho sagt klar, dass bei glaubwürdigen Hinweisen auf Menschenrechtsverletzungen Einfluss ausgeübt werden muss. Wenn sich nichts ändert, müsse man sich zurückziehen.
Woher kommen
Palantirs europäische
Investoren?
Die Gewinne erklären, warum das nicht passiert. Die Aktie hat sich 2025 vervielfacht, die Beteiligungen sind nahezu explodiert. Selbst ein Rückgang von rund 15 Prozent im Jahr 2026 ändert daran wenig. Für viele zählt die Rendite mehr als die Frage, wo die Technologie eingesetzt wird. Dabei geht es längst nicht nur um Geld. Palantir ist tief in den amerikanischen Sicherheitsapparat eingebunden. Die CIA war über In-Q-Tel früh beteiligt. Das Unternehmen verfügt über höchste Sicherheitsfreigaben und verarbeitet Daten aus Militär und Geheimdiensten. Mitgründer Peter Thiel unterstützte Donald Trump bereits 2016 und war eng mit JD Vance verbunden. Rund 150 Personen aus dem Umfeld der Trump-Regierung halten laut Auswertungen Anteile an Palantir, darunter Stephen Miller. Gleichzeitig sichert sich das Unternehmen milliardenschwere Regierungsaufträge, zuletzt ein Vertrag mit dem US-Militär, der bis zu 10 Milliarden Dollar umfassen kann.
Diese Nähe sorgt in Europa für wachsende Unruhe. Sophie in ’t Veld spricht davon, dass Politik, Wirtschaft und Ideologie in einem Kreis zusammenlaufen, in dem amerikanische Interessen dominieren. Marietje Schaake warnt, dass Europa Palantir zu oft nur als wirtschaftliche Chance sieht und dabei eigene Alternativen schwächt. Konstantin von Notz nennt die Entwicklung einen Widerspruch zu den Werten, für die Europa steht. Die Cyberabwehr der Bundeswehr hat intern vor Risiken gewarnt. Auf nationaler Ebene ist die Nutzung eingeschränkt, gleichzeitig setzen Polizeibehörden in einzelnen Bundesländern weiterhin auf die Software.
Auch praktisch zeigen sich die Zweifel. Die Schweizer Armee hat mehrfach eine Zusammenarbeit abgelehnt. In Dänemark wird ein Ausstieg geprüft, obwohl man stark abhängig ist. Francesca Bria geht noch weiter und beschreibt Palantir als Teil eines geopolitischen Instruments. Wer diese Systeme einkauft, kauft nicht nur Technologie, sondern gibt Einfluss ab. Sie spricht von einer Entwicklung, in der zentrale staatliche Infrastruktur zunehmend von privaten Akteuren kontrolliert wird, die nicht an demokratische Regeln gebunden sind. Palantir weist alle Vorwürfe zurück. Das Unternehmen betont, man unterstütze demokratische Staaten und arbeitet unabhängig von politischen Wechseln mit US-Regierungen zusammen. Man nehme Bedenken ernst und tausche sich mit Organisationen aus dem Bereich Menschenrechte aus. Für viele Kritiker reicht das nicht. Sie sehen eine Abhängigkeit entstehen, die politisch kaum noch zu kontrollieren ist.
Europa steht damit vor einer einfachen, aber unbequemen Frage. Wer investiert, entscheidet mit. Nicht nur über Renditen, sondern über Macht, Einfluss und darüber, wie Technologie eingesetzt wird. In diesem Fall geht es nicht um irgendein Unternehmen. Es geht um die Infrastruktur von Sicherheit, Überwachung und Krieg. Und darum, wer am Ende darüber bestimmt.
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Die Schweizer Armee lehnte ab, dafür zahlten Schweizer Banken enorme Summen zu Gunsten von Palantier!
… das hat was, oder?