Ein Friedensrat gegen die Vereinten Nationen? – Trumps „Board of Peace“ zwischen Gaza, Machtanspruch und globalem Alleingang

VonRainer Hofmann

Februar 19, 2026

Donald Trump versammelt heute in Washington Vertreter aus mehr als zwei Dutzend Staaten zu einer ersten Sitzung seines neu geschaffenen „Board of Peace“. Offiziell geht es um den Wiederaufbau des zerstörten Gazastreifens und um die Bildung einer internationalen Stabilisierungs- und Polizeitruppe. Fünf Milliarden Dollar seien zugesagt, sagt Trump. Benötigt werden nach Schätzungen rund siebzig Milliarden. Die Lücke ist gewaltig, der Anspruch ebenso. Was als Bestandteil eines zwanzig Punkte umfassenden Plans zur Beendigung des Gaza-Krieges angekündigt wurde, hat inzwischen eine größere Reichweite bekommen. Trump spricht davon, dass dieses Gremium nicht nur zwischen Israel und der Hamas für dauerhaften Frieden sorgen, sondern künftig weltweit Konflikte lösen könne. Er nennt es die „folgenreichste Versammlung aller Zeiten“. Parallel dazu kritisiert er die Vereinten Nationen, sie hätten ihr Potenzial nicht ausgeschöpft und müssten „in die Gänge kommen“. Die Botschaft ist eindeutig: Hier entsteht ein Format, das neben der bestehenden Weltordnung steht – oder sie herausfordert.

Donald Trump hatte am 22. Januar 2026 in Davos seine neueste Kreation vorgestellt: einen „Board of Peace“, einen Friedensrat, der nach seinen Worten eines Tages die Vereinten Nationen überflüssig machen soll.

Mehr als vierzig Staaten und die Europäische Union schicken Vertreter. Deutschland, Italien, Norwegen und die Schweiz nehmen als Beobachter teil, sind aber nicht formell beigetreten. Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wurde die Lage in Gaza kurzfristig vorgezogen beraten, nachdem klar war, dass die Termine kollidieren würden. Aus dem Vatikan kam der Hinweis, internationale Krisen sollten vor allem von den Vereinten Nationen gemanagt werden. Das Weiße Haus wies die Bedenken zurück und bezeichnete das Board als legitime Organisation mit breiter internationaler Beteiligung. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen erklärte, man rede nicht nur, man handle – und die alten Wege hätten nicht funktioniert. Im Zentrum der Beratungen steht die Frage der Entwaffnung der Hamas. Israel fordert sie als Voraussetzung für jede stabile Ordnung in Gaza. Bisher hat lediglich Indonesien eine feste Zusage für eine Beteiligung an einer möglichen internationalen Truppe gemacht. Aus Jakarta heißt es, man wolle mit führenden islamischen Staaten zusammenarbeiten, um einen dauerhaften Frieden in Palästina zu erreichen, auch wenn Hindernisse bestehen. Die US-Regierung macht keinen Hehl daraus, dass die Entmilitarisierung schwierig wird. Man habe keine Illusionen, heißt es, sei aber durch Rückmeldungen von Vermittlern ermutigt.

Neben Trump werden unter anderem Außenminister Marco Rubio, der Sondergesandte Steve Witkoff, Jared Kushner, der frühere britische Premierminister Tony Blair, der Leiter des operativen Exekutivgremiums Nickolay Mladenov sowie der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen sprechen. Das Exekutivgremium soll über Fortschritte beim Aufbau funktionierender Verwaltungsstrukturen und öffentlicher Dienste in Gaza berichten. Die Skepsis vieler Partner richtet sich weniger gegen den Wiederaufbau selbst als gegen die unklare Mandatsausweitung. Ohne eindeutige völkerrechtliche Grundlage über Gaza hinaus wirkt das Board wie ein politisches Instrument, das Washington flexibel einsetzen kann. Staaten mit starkem Engagement im Nahen Osten hoffen offenbar, durch ihre Teilnahme Einfluss zu sichern und Trump dazu zu bewegen, seinen Hebel gegenüber Israel für konkrete Schritte zu nutzen.

Ob dieses „Board of Peace“ zu einer tragfähigen Struktur wird oder als Parallelarchitektur zur bestehenden internationalen Ordnung endet, entscheidet sich nicht an Schlagworten, sondern an Ergebnissen. Fünf Milliarden sind ein Anfang. Die Entwaffnung einer bewaffneten Organisation, der Aufbau funktionierender Institutionen und die Einbindung regionaler Akteure sind die eigentliche Bewährungsprobe. Der Waffenstillstand in Gaza ist brüchig. Ein neues Gremium ändert daran nichts – solange Machtfragen, Sicherheitsgarantien und politische Perspektiven nicht belastbar geregelt sind.

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Wuschitz
Wuschitz
1 Stunde zuvor

Das Ganze dient nur der Schwächung der UNO und dem Größenwahn Trumps, samt Konsorten. Schon die Struktur mit Konzentration auf die eine Person zeigt dies. Gefährlich wird aber diese Organisation allemal, da sie eine Schwächung der Demokratien darstellt. Wenn ich an den anderen Artikel denke mit all den möglichen Einfluß der Kontrolle der Staaten durch Überwachungssysteme kann einem schlecht werden. Danke für Eure penibel Arbeit

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