Drohnen über Saudi-Arabien, Tote im Libanon, ein Absturz im Irak und Washington lockert Russlands Öl-Sanktionen

VonRainer Hofmann

März 13, 2026

Der Krieg um Iran greift immer weiter über die Region hinaus. Während im Libanon Menschen unter Trümmern sterben, in Saudi-Arabien Dutzende Drohnen aus dem Himmel geholt werden und im Irak ein amerikanisches Tankflugzeug abstürzt, lockert Washington ausgerechnet jetzt die Sanktionen gegen russisches Öl. Militärische Eskalation, wirtschaftliche Folgen und politische Kehrtwenden greifen ineinander und zeigen, wie weit sich dieser Konflikt inzwischen ausgedehnt hat.

Saudi-Arabien hat 28 iranische Drohnen zerstört, nachdem sie in den saudischen Luftraum eingedrungen waren.

Saudi-Arabien meldete in der Nacht auf Freitag einen ungewöhnlich großen Angriff aus der Luft. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden innerhalb weniger Stunden mehrere Dutzend Drohnen abgefangen, die auf die ölreiche Ostprovinz des Königreichs zuflogen. In ersten Berichten war von 38 Flugkörpern die Rede, in späteren Meldungen von 28 abgeschossenen Drohnen, nachdem sie in den saudischen Luftraum eingedrungen waren. Zu den möglichen Zielen gehörten Einrichtungen der Ölindustrie, eine Militärbasis mit amerikanischen Soldaten sowie die US-Botschaft in Riad. Selbst für ein Land, das seit Jahren mit regionalen Bedrohungen konfrontiert ist, gilt eine derart große Zahl von Drohnen in so kurzer Zeit als außergewöhnlich.

US-Angriffsdrohne greift eine Anlage einer vom Iran unterstützten Miliz im Norden des Irak an

Auch im Irak hat der Krieg tödliche Folgen. Frankreich bestätigte, dass bei einem Angriff auf die nordirakische Stadt Erbil ein französischer Soldat getötet wurde. Präsident Emmanuel Macron identifizierte ihn als Stabsfeldwebel Arnaud Frion vom 7. Bataillon der Gebirgsjäger aus Varces. „Seiner Familie und seinen Kameraden spreche ich die Zuneigung und Solidarität der Nation aus“, erklärte Macron. Mehrere weitere französische Soldaten wurden verletzt. Zuvor hatte das französische Militär berichtet, dass sechs Soldaten bei einem Drohnenangriff in der Region verwundet worden waren. Französische Einheiten sind im Irak Teil einer multinationalen Mission, die lokale Kräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat unterstützt.

Ein französischer Soldat wurde bei einem Drohnenangriff auf eine Militärbasis in Erbil in der Region Kurdistan im Irak getötet. Fünf weitere französische Soldaten verwundet.

Fast zeitgleich wurde bekannt, dass ein amerikanisches Tankflugzeug des Typs KC-135 im Westen des Irak abgestürzt ist. Das Flugzeug war Teil der Operationen gegen Iran. Mindestens fünf Besatzungsmitglieder befanden sich an Bord. Das US-Zentralkommando erklärte, der Absturz stehe weder mit feindlichem Beschuss noch mit Eigenbeschuss in Verbindung. Rettungsmaßnahmen wurden eingeleitet. Ein zweites Flugzeug, das an dem Einsatz beteiligt war, konnte sicher landen. Tankflugzeuge dieses Typs werden normalerweise von drei Personen geflogen. Warum sich mehr Besatzungsmitglieder an Bord befanden, blieb zunächst unklar.

Im Libanon setzt Israel seine Angriffe mit voller Härte fort. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei Luftangriffen im Süden des Landes mindestens 15 Menschen getötet. Im Dorf Erkay im Bezirk Sidon starben neun Menschen, darunter fünf Kinder. Sieben weitere Personen wurden verletzt. Zwei weitere Angriffe auf andere Orte im Süden forderten sechs zusätzliche Todesopfer. Rettungskräften suchen in vollständig zerstörten Gebäuden und Trümmern nach Überlebende. Seit der neuen Eskalation Anfang März wurden im Libanon nach offiziellen Angaben bereits 687 Menschen getötet, darunter 98 Kinder und 62 Frauen. Achtzehn Sanitäter und Rettungskräfte kamen ebenfalls ums Leben, mehr als 1.700 Menschen wurden verletzt.

Beirut

Ein israelischer Luftangriff traf am Freitagmorgen ein Auto im Küstenviertel Jnah im Südwesten von Beirut und tötete nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums eine Person. Ein weiterer Angriff zerstörte eine Wohnung im Viertel Nabaa im dicht besiedelten Bezirk Burj Hammoud im Norden der Stadt; das Gebäude stand in Flammen, Opfer wurden zunächst nicht gemeldet. Parallel dazu wurden bei einem Raketenangriff auf die israelische Stadt Zarzir rund 30 Menschen verletzt, die meisten durch zerborstene Fensterscheiben.

Auch innerhalb Irans richtet sich ein Teil der Angriffe gezielt gegen Strukturen der inneren Kontrolle. Die Konfliktbeobachtungsorganisation ACLED dokumentierte an einem einzigen Tag mindestens 18 Angriffe auf Kontrollpunkte der Basij-Milizen. Insgesamt seien seit Beginn des Krieges rund 30 Prozent der registrierten amerikanischen und israelischen Angriffe auf Einrichtungen gerichtet gewesen, die für die innere Kontrolle des Staates wichtig sind, darunter Polizeistationen und Standorte von Geheimdiensten sowie Einheiten der Revolutionsgarden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte offen, solche Angriffe könnten Bedingungen schaffen, unter denen sich Iraner gegen ihre Regierung erheben.

Wer jedoch nur ein wenig Ahnung über die Strukturen des Iran hat, weiß, dass innerhalb der iranischen Sicherheitsstrukturen mindestens 350.000 Menschen arbeiten und deren Loyalität ein entscheidender Faktor für die Stabilität des Regimes ist. Wir haben selbst genug Dokumentation über den Iran gemacht. Daher ist dieser immer wieder vorgeschobene Kriegsgrund vollkommen unrealistisch oder noch mehr. Die Vorstellung, man könne durch Luftschläge auf Kontrollpunkte nebenbei einen politischen Umsturz auslösen, wirkt daher eher wie eine nachträgliche Rechtfertigung als wie eine realistische Strategie.

Parallel dazu gerät auch die amerikanische Militärführung selbst unter Druck. Das Pentagon bestätigte, dass seine Strukturen zur Verringerung ziviler Schäden derzeit einer strategischen Neubewertung unterzogen werden. Kritiker werfen dem Militär vor, veraltete Geheimdienstinformationen hätten wahrscheinlich zu einem amerikanischen Raketenangriff auf eine iranische Grundschule geführt, bei dem mehr als 165 Menschen getötet wurden, viele von ihnen Kinder. Recherchen ergaben, dass das Gebäue der Schule auf der Liste der zu attackierenden Gebäude als militärische Einrichtung stand. Das Verteidigungsministerium reagierte auf diese Berichte nicht direkt, räumte jedoch ein, dass eine organisatorische Neuordnung stattfinde und die entsprechenden Aufgaben stärker in die militärischen Kommandostrukturen integriert würden.

Israel meldete gleichzeitig einen weiteren Schlag gegen das iranische Atomprogramm. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, israelische Angriffe hätten einen führenden iranischen Nuklearwissenschaftler getötet und mehrere weitere getroffen. Eine frühere Eilmeldung hatte zunächst fälschlich von mehreren getöteten Wissenschaftlern gesprochen und wurde später korrigiert. Während militärische Angriffe die Region erschüttern, verschieben sich zugleich die wirtschaftlichen Frontlinien. Die Regierung von Donald Trump hat Schritte eingeleitet, um Sanktionen gegen russisches Öl teilweise zu lockern. Das US-Finanzministerium erteilte eine Genehmigung, die den Verkauf bestimmter russischer Öl- und Erdölprodukte für einen Monat erlaubt. Betroffen ist Rohöl, das sich bereits auf Tankern auf See befindet. Analysten schätzen das Volumen auf etwa 125 Millionen Barrel. Zum Vergleich: Unter normalen Umständen passieren täglich rund 20 Millionen Barrel Öl die Straße von Hormus.

Der Schritt steht im direkten Zusammenhang mit dem Krieg. Durch Angriffe auf Schiffe und die massive Unsicherheit in der Straße von Hormus ist ein zentraler Transportweg für Energie faktisch blockiert. Die Lockerung der Sanktionen soll offenbar helfen, die Ausfälle auszugleichen. Zuvor hatte die amerikanische Regierung bereits Indien erlaubt, weiterhin russisches Öl zu kaufen. Die Auswirkungen auf die Märkte sind bereits sichtbar. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl überschritt zeitweise die Marke von 100 Dollar und erreichte bis zu 101,59 Dollar. Gleichzeitig gerieten die amerikanischen Börsen unter Druck. Der S&P 500 verlor 1,5 Prozent, der Dow Jones Industrial Average 1,6 Prozent und der Nasdaq-Index 1,8 Prozent. Investoren fürchten steigende Inflation und eine verzögerte Zinspolitik der amerikanischen Zentralbank.

Der Krieg bringt auch die politische Rhetorik in Washington ins Wanken. Noch vor wenigen Wochen hatte Donald Trump niedrige Benzinpreise als Erfolg seiner Politik gefeiert und in seiner Rede zur Lage der Nation einen Preis von 2,30 Dollar pro Gallone hervorgehoben. Inzwischen liegt der landesweite Durchschnitt laut AAA bei rund 3,60 Dollar pro Gallone – ein Anstieg von mehr als fünfzig Prozent. Trump reagierte mit einer bemerkenswerten Kehrtwende. Die Vereinigten Staaten seien der größte Ölproduzent der Welt, erklärte er nun, und wenn die Ölpreise steigen, verdiene das Land viel Geld.

Auch in anderen Aussagen zeigt sich der politische Ton dieses Krieges. Über Irans neuen obersten Führer Mojtaba Chamenei sagte Trump in einem aufgezeichneten Interview mit dem Fox-News-Moderator Brian Kilmeade, er glaube, Chamenei sei wahrscheinlich am Leben. „Ich denke, er ist beschädigt, aber wahrscheinlich noch am Leben, in irgendeiner Form“, sagte der Präsident.

Während Politiker über Führer und Ölpreise sprechen, bleiben die menschlichen Folgen des Krieges sichtbar. In der nordirakischen Region Kurdistan, im Dorf Sarkand, setzen Arbeiter ihre tägliche Arbeit fort, während wenige hundert Kilometer entfernt Raketen einschlagen. Männer stapeln Holz in Erdgruben, aus denen langsam Holzkohle entsteht. Während der Pausen verrichten einige ihr Gebet zum Ramadan. Einer kniet auf einem Felsen im Fluss, ein anderer betet neben einem Fahrzeug, das gerade mit Säcken voller Holzkohle beladen wurde.

Auch kulturelle Verluste werden spürbar. Die iranisch-amerikanische New Yorkerin Shabnam Emdadi reagierte erschüttert auf Berichte über Schäden am Safawiden-Palast Chehel Sotoun in Isfahan. Sie hatte den Ort einige Jahre zuvor gemeinsam mit ihrem Vater besucht. „Diese Reisen nach Iran gehören zu meinen schönsten Erinnerungen an ihn“, sagte sie. Wenn sie nun Bilder der beschädigten Gebäude sehe, habe sie das Gefühl, einen Teil dieser Erinnerungen zu verlieren. Das Pentagon äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Das israelische Militär erklärte lediglich, man kenne die Berichte über Schäden an UNESCO-Stätten nicht.

Auch eine der zentralen strategischen Fragen bleibt offen. Der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani erklärte, sein Land werde die Straße von Hormus nicht zwingend schließen, schloss diesen Schritt aber ausdrücklich nicht aus. Schon jetzt ist der Schiffsverkehr dort massiv eingeschränkt.

In Erbil wurden eine Militärbasis und deren Infrastruktur von Drohnen getroffen, wie im Hintergrund zu erkennen

Während Drohnen über Saudi-Arabien abgeschossen werden, Soldaten im Irak sterben, Städte im Libanon bombardiert werden und Ölpreise weltweit steigen, zeigt sich immer deutlicher, dass dieser Krieg längst weit über Iran hinausgewachsen ist. Seine Auswirkungen reichen inzwischen vom Persischen Golf über den Mittelmeerraum bis in die Finanzmärkte und politischen Entscheidungen in Washington.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt. Wir sind dort, wo es wehtut. Aber wir hören nicht beim Schreiben auf. Wir helfen konkret. Wir setzen uns für Menschenrechte und Völkerrecht ein — als Haltung. Gegen Machtmissbrauch. Gegen eine Politik, die mit Angst regiert und Schwächere opfert, um Stärkere zu bedienen. Wegsehen war noch nie neutral. Es hat immer denen genutzt, die darauf zählen, dass niemand hinschaut.
Wir haben keinen Verlag im Rücken, keine institutionelle Hand, die uns trägt, kein Abo-Modell, das uns absichert. Unsere Unabhängigkeit hängt ausschließlich von regelmäßiger Unterstützung ab – nur so können wir diejenigen zur Verantwortung ziehen, die längst glauben, unangreifbar zu sein.
Kaizen unterstützen

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x