Nach zwei Tagen Verhandlungen in Abu Dhabi haben Vertreter Russlands, der Ukraine und der Vereinigten Staaten die Gespräche am 5. Februar 2026 bereits nach wenigen Stunden beendet. Öffentlich erklärten alle Seiten die Treffen erwartungsgemäß für konstruktiv und kündigten weitere Gesprächsrunden an. Greifbare Ergebnisse blieben jedoch weitgehend aus. Ist man ehrlich, würde das Wort „gescheitert“ diese ganze Farce besser beschreiben. Einzig ein Gefangenenaustausch wurde verkündet, während die entscheidenden Streitpunkte weiterhin ungelöst bleiben und der Krieg sich seinem fünften Jahr nähert.

Die Delegationen hatten sich mit dem pressetauglichen Ziel getroffen, Fortschritte bei den beiden zentralen Konfliktlinien zu erzielen: der Zukunft der von Russland besetzten Gebiete im Osten der Ukraine sowie Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem möglichen Kriegsende. Hinter verschlossenen Türen blieb unklar, welche Positionen konkret ausgetauscht wurden. Eine deutliche Botschaft kam stattdessen unmittelbar vor Beginn der Gespräche aus Russland selbst, als massive Angriffe auf das ukrainische Stromnetz während eines eisigen Winters die Verwundbarkeit der zivilen Infrastruktur erneut offenlegten.
Vertreter der ukrainischen Seite bezeichneten die Gespräche zwar als konstruktiv, konzentrierten sich in ihren öffentlichen Äußerungen jedoch stärker auf die Organisation und Vermittlung durch die Vereinigten Arabischen Emirate und die Vereinigten Staaten als auf konkrete Verhandlungsergebnisse. Auch die US-Seite versuchte, das Resultat als Erfolg darzustellen. Der Sondergesandte Steve Witkoff erklärte, Russland und die Ukraine hätten sich auf den Austausch von 314 Kriegsgefangenen geeinigt. Kurz nach Abschluss der Gespräche tauschten beide Seiten tatsächlich jeweils 157 Gefangene aus. Solche Austauschaktionen finden allerdings seit Jahren regelmäßig statt und gelten nicht als politischer Durchbruch.
Parallel kündigte das US-Europakommando an, den hochrangigen militärischen Dialog mit Russland wieder aufzunehmen. Diese Entscheidung unterstreicht, dass Washington weiterhin versucht, Kommunikationskanäle offen zu halten, obwohl sich auf politischer Ebene kaum Fortschritte abzeichnen. Gleichzeitig steht diese Entwicklung im Spannungsfeld zwischen militärischer Abschreckung und diplomatischer Annäherung.
Die Erwartungen an die Gespräche waren ohnehin gedämpft. Russland sieht sich trotz hoher Verluste militärisch im Vorteil und verspürt daher kaum Druck zu Zugeständnissen. Rund zwanzig Prozent des ukrainischen Staatsgebiets befinden sich weiterhin unter russischer Kontrolle. Die territorialen Fortschritte der russischen Armee verlaufen langsam, haben sich jedoch in den letzten Monaten des vergangenen Jahres leicht beschleunigt.
Der Kreml hält unverändert an den Zielen fest, die bereits zu Beginn der groß angelegten Invasion formuliert wurden. Russland fordert die vollständige Kontrolle über den Donbas, bestehend aus den Regionen Luhansk und Donezk, obwohl die Ukraine weiterhin Teile des Gebiets hält. Während der Gespräche in Abu Dhabi bekräftigten russische Vertreter diese Position erneut und verlangten zusätzlich, dass die internationale Gemeinschaft den Donbas als russisches Staatsgebiet anerkennt. Diese Forderung bleibt für die Ukraine und ihre Unterstützerstaaten bislang unannehmbar und markiert einen der größten Blockadepunkte auf dem Weg zu einem möglichen Friedensabkommen.
Die aktuellen Verhandlungen verdeutlichen die Grenzen diplomatischer Initiativen der Trump-Regierung. Während Trump im Wahlkampf versprochen hatte, den Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden zu können, dauern die Gespräche inzwischen seit Monaten an, ohne dass eine Annäherung bei den grundlegenden Konfliktfragen sichtbar wird. Statt konkreter politischer Lösungen dominieren symbolische Fortschritte und technische Vereinbarungen, die den Kriegsverlauf selbst kaum beeinflussen.
Die Situation zeigt, wie weit die Positionen der Konfliktparteien weiterhin auseinanderliegen. Russland verfolgt eine Strategie, die militärische Realität auf dem Schlachtfeld in politische Verhandlungsmacht umzuwandeln. Die Ukraine wiederum fordert Sicherheitsgarantien, die langfristig ihre staatliche Existenz sichern sollen, während sie gleichzeitig den Verlust weiterer Gebiete verhindern will. Die Vereinigten Staaten versuchen, zwischen beiden Seiten zu vermitteln, ohne bisher eine Grundlage für einen umfassenden Waffenstillstand schaffen zu können.
Die Gespräche in Abu Dhabi stehen damit exemplarisch für den derzeitigen Zustand der internationalen Diplomatie im Ukrainekrieg. Fortschritte werden öffentlich betont, während die grundlegenden Fragen ungelöst bleiben. Der Gefangenenaustausch bringt einzelnen Familien Erleichterung, verändert jedoch weder die militärische Lage noch die politischen Frontlinien. Solange Russland seine territorialen Forderungen nicht aufgibt und die Ukraine keine Sicherheitsgarantien erhält, bleibt ein umfassendes Friedensabkommen in weiter Ferne. Das ist die endgültige und wichtigste Erkenntnis einer Gesprächsrunde, die eines Tages als Lüge in die Geschichte eingehen wird.
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