Die Tage der seltsamen Dinge und ein Todesfall

VonRainer Hofmann

Februar 22, 2026

Zwei Vorfälle innerhalb von fünf Tagen zeichnen ein Bild von einer Nation, die unter Druck steht. Am Dienstag, dem 17. Februar, hielt die Kapitolspolizei in Washington einen 18-jährigen Mann auf, der mit einer geladenen Schrotflinte auf das Kapitol zusteuerte. Am frühen Sonntagmorgen, dem 22. Februar, wurde ein 21-Jähriger vor Mar-a-Lago, Trumps Resort in Palm Beach, erschossen. Die Details unterscheiden sich, aber die Botschaft ist ähnlich: Jemand handelt.

Festnahmen von Carter Camacho

Carter Camacho aus Smyrna, Georgia, parkte einen Mercedes-SUV in der Nähe des Kapitols und rannte dann etwa 300 Meter mit einer geladenen Schrotflinte auf das Gebäude zu. Er trug eine Weste, Handschuhe, hatte einen Helm und eine Gasmaske im Fahrzeug. Die Kapitolspolizei unter Leitung von Chief Michael Sullivan stoppte ihn, bevor er das Gebäude erreichte. Sullivan sagte später, die Polizei habe in den Monaten zuvor Drills an genau dieser Stelle durchgeführt. Die Zeitplanung war günstig. Der Polizeichef fragte rhetorerisch: Wer weiß, was passiert wäre, wenn die Beamten dort nicht gestanden hätten? Camacho war den Behörden nicht bekannt, das Fahrzeug war nicht auf ihn registriert, er hatte mehrere Adressen. Die Ermittlungen zu seinem Motiv liefen noch, offene Frage war, ob Kongressmitglieder das Ziel waren. Der Kongress war nicht in Sitzung. Camacho sitzt nun in Haft wegen illegaler Aktivitäten, unerlaubtem Waffenbesitz, nicht registrierter Waffe und Munition.

Fünf Tage später, früh am Sonntagmorgen, fuhr Austin Tucker Martin durch das Nordtor von Mar-a-Lago, als gerade ein anderes Fahrzeug das Anwesen verließ. Martin war 21 Jahre alt, kam aus North Carolina und war Tage zuvor von seiner Familie als vermisst gemeldet worden. Ermittler glauben, dass er nach Süden fuhr und unterwegs eine Schrotflinte aufgegriffen hatte. Er trug eine Benzinkanister bei sich.

Secret-Service-Agenten und ein Deputy des Palm Beach County Sheriff’s Office konfrontierten Martin am Nordtor. Man befahl ihm, die Waffe und die Kanister fallen zu lassen. Martin ließ die Kanister fallen, hob dann die Schrotflinte in Schussposition. Die Agenten und der Deputy feuerten. Martin war tot. Sheriff Rick Bradshaw beschrieb die Szene sachlich: Der Mann wurde befohlen zu entwaffnen, legte das eine Ding ab, hob die Waffe. Sie schossen, um die Bedrohung zu neutralisieren. Das FBI bat Anwohner, ihre Sicherheitskameras zu überprüfen. Das Motiv war unklar. Ermittler arbeiteten an einem psychologischen Profil.

Trump war nicht in Mar-a-Lago. Er war am Vorabend im Weißen Haus bei Gouverneuren. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, kommentierte: Der Secret Service habe schnell und entschlossen einen bewaffneten Mann neutralisiert. In demselben Statement kritisierte sie, dass Demokraten einen Shutdown des Homeland Security Department verursacht hätten – ein politischer Schuss, der wenig mit dem Vorfall selbst zu tun hatte.

Was bleibt: zwei bewaffnete Männer, zwei verschiedene Orte, die beide unter extremem Schutz stehen. Der eine war 18, der andere 21. Keiner war den Behörden bekannt. Keiner hatte ein klares, kommuniziertes Motiv. Sie handeln einfach. Das Merkwürdige in diesen Tagen ist nicht die Spektakulärität der Ereignisse, sondern ihre Alltäglichkeit. Ein junger Mann mit Schrotflinte am Kapitol. Ein anderer vor dem Golfclub des Präsidenten. Routine-Eingriffe der Sicherheitskräfte. Alle gehen nach Hause, außer zwei jungen Männern.

Dazwischen, fast nebenbei, rief jemand bei C-SPAN an und nannte sich John Barron. Die Stimme klang wie Trump.

Der Anrufer beschwerte sich über eine Entscheidung des Supreme Court zu Zöllen und nannte Hakeem Jeffries einen Deppen. John Barron ist ein Pseudonym, das Trump schon lange Zeit benutzt, wenn er mit Journalisten spricht. Niemand weiß genau, ob es Trump war. Aber in diesen Tage der merkwürdigen Dinge passte es perfekt dazu.

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Mignon Kleinbek
Mignon Kleinbek
5 Stunden zuvor

Es war fast erwartbar, dass irgendwann jemand durchdreht und meint, das in die Hand nehmen zu müssen.
Selbstjustiz ist leider keine Lösung.

Zuletzt bearbeitet am 5 Stunden zuvor von Mignon Kleinbek
Ela Gatto
Ela Gatto
5 Stunden zuvor

„..300 Meter mit einer geladenen Schrotflinte auf das Gebäude zu. Er trug eine Weste, Handschuhe..“

Gemäß Trump (in Bezug auf die Personen vom 6. Januar) wäre er doch nur ein friedlicher Tourist auf Sightseeing Tour 🙈

Ich bin gespannt, ob er sein Motiv preis gibt.
Wenn er schweigt, hat er bessere Chance.
Ohne Vorstrafen sind die Anklagepunkte nicht schwerwiegend.

Und der junge Mann in Mar-a-Lago ist tot.
Als vermisst gemeldet.. seine Familie wusste nichts. Freunde offensichtlich auch nicht.
Wenn ich raten müsste (reine Spekulation), wird das FBI etwas passendes kreiren, wenn ein mögliches Motiv nicht „passt“.

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