Russland verschiebt seinen Exportweg. Nicht offen, nicht direkt, sondern über Umladungen auf offener See. Tanker treffen sich vor Küsten, laden um und trennen sich wieder. Was danach ankommt, hat einen anderen Ursprung, zumindest auf dem Papier. Die Sanktionen bleiben, der Handel läuft weiter. Der Druck kommt von mehreren Seiten. Die Europäische Union hat ihre Embargos durchgesetzt, klassische Routen sind weggebrochen. Gleichzeitig sorgte der Winter dafür, dass nur noch eisverstärkte Schiffe russische Häfen anlaufen dürfen. Andere Tanker bleiben draußen. Wer fahren will, braucht Begleitschutz durch Eisbrecher. Das verlangsamt alles.
Die Lösung ist ein Umweg. Eisfähige Tanker fahren kurze Strecken von russischen Häfen wie Ust-Luga. Die Ladung wird dann auf See übergeben. Vor Port Said, vor der Küste Togos, später auch vor Marokko. Von dort geht es weiter nach Asien, vor allem nach Singapur. Im Januar wechseln so 240.000 Tonnen Naphtha den Besitzer. Im Februar sind es über 200.000 Tonnen. Im März steuern weitere Schiffe auf Umladepunkte bei Augusta in Italien zu. Der Effekt ist sichtbar. Routen werden kürzer, Schiffe effizienter eingesetzt. Der Engpass bei Tankern wird umgangen. Gleichzeitig entsteht ein System, das weniger kontrolliert ist. Die Übergaben finden auf offener See statt, oft unter schwierigen Wetterbedingungen.
Diese Entwicklung war klar. Umladungen sind nichts Neues. Doch die Häufigkeit nimmt zu, die Bedingungen würden schlechter und die Herkunft der Ladung wird gezielt verschleiert. Damit steigt das Risiko auf mehreren Ebenen. Mehr Unfälle, mehr Kollisionen, mehr Verstöße gegen Sanktionen.
Die Gefahren sind bekannt. Bereits 2020 schlägt Russlands damaliger Umweltminister Dmitry Kobylkin vor, diese Praxis zu verbieten. In einem Schreiben an Wladimir Putin verweist er auf über 600 Zwischenfälle im Schwarzen Meer. Öl tritt aus, Meeresleben stirbt, chemische Stoffe gelangen ins Wasser. Besonders große Tanker gelten als Risiko. Ein Unfall würde Schäden verursachen, die nicht rückgängig zu machen sind. Trotz dieser Warnungen wird die Methode jetzt ausgeweitet. Was früher ein kontrollierter Vorgang war, wird zu einem Werkzeug, um Einschränkungen zu umgehen. Die Transporte laufen weiter, nur anders organisiert.
Am Ende steht ein System, das funktioniert, aber auf Kosten von Sicherheit und Umwelt. Die Ware kommt an. Die Risiken bleiben auf See, die Recherchen in den nächsten Wochen auch.
Fortsetzung folgt …
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