Teheran – Trump schrieb heute Morgen, dass eine ganze Zivilisation heute Nacht untergehen werde. Er wolle das nicht, aber es werde wahrscheinlich passieren. Dann wartete er.
In Budapest versuchte JD Vance, den Präsidenten ans Telefon zu bekommen, vor einer jubelnden Menge, die für Viktor Orban gekommen war. Beim ersten Versuch meldete sich die Mailbox. Nicht eingerichtet. Die Menge lachte. Beim zweiten Versuch klappte es, und Trump sagte den Ungarn, er liebe ihr Land. Orban sei ein Mann, der sein Land stark gehalten habe. Zwölf Stunden vor dem Ende der Welt, die er angekündigt hatte.

Irgendwo in Teheran packte eine junge Designerin ihre Katze ins Auto. Ihre Eltern waren schon zu Beginn des Krieges an die Kaspi-Küste gefahren. Sie selbst war geblieben, wegen des Tieres. Heute hat die Angst die Zuneigung zur eigenen Wohnung überholt. Wenn die Kraftwerke fallen, fällt das Wasser aus, sagt sie, weil die Pumpen in Teheran elektrisch laufen. In der Steinzeit, die Trump versprochen hat, sei die Natur an der Küste wenigstens noch da. Sie sagt das nicht dramatisch. Sie packt einfach.

Menschen als Schutzschilde vor den Krafwerkanlagen
Die Bevölkerung in Buschehr ist auf die Straßen gegangen, um das Kraftwerk zu schützen. Ob diese Aktion freiwillig erfolgt, ist in diesem Moment zweitrangig. Entscheidend ist, dass Menschen dort stehen und ungeschützt ihr Leben riskieren (müssen).
Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte, weitere Angriffe in der Nähe des Atomkraftwerks Bushehr könnten einen radiologischen Unfall auslösen – mit Folgen für Menschen heute, für ihre Kinder, für eine Umwelt, die keine Staatsgrenzen kennt. Hunderte Arbeiter wurden dort bereits evakuiert. An keinem Entscheidungstisch schien das jemanden langsamer zu machen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres ließ durch seinen Sprecher Stephane Dujarric ausrichten, er sei tief beunruhigt. Es gebe kein militärisches Ziel, das die vollständige Zerstörung der Infrastruktur einer Gesellschaft rechtfertige. Er nannte Trump nicht beim Namen. Manche Dinge sind deutlicher, wenn man sie nicht ausspricht. Die Wahl zwischen Gespräch und Zerstörung müsse jetzt getroffen werden, sagte Dujarric. Jetzt, nicht später.
Papst Leo XIV. verließ sein Landhaus in Castel Gandolfo und sagte Journalisten auf einem Feldweg südlich von Rom, Trumps Drohung gegen das iranische Volk sei wirklich inakzeptabel. Angriffe auf zivile Infrastruktur verletzten internationales Recht. Er bat Amerikaner und alle Menschen guten Willens, ihre Abgeordneten anzurufen und Frieden zu fordern. Es waren die schärfsten Worte, die er seit Beginn des Krieges gefunden hat, kurz bevor die Frist ablief.


Russland und China blockierten im Sicherheitsrat eine Resolution zur Straße von Hormuz, die so oft abgeschwächt worden war, dass von ihr kaum noch etwas übrig geblieben war. Sie hätte Länder lediglich ermutigt, ihre Schutzbemühungen abzustimmen. Das reichte trotzdem nicht. Elf Stimmen dafür, zwei dagegen. Pakistan und Kolumbien enthielten sich.

Benjamin Netanyahu bestätigte, dass israelische Kampfflugzeuge acht Brückenabschnitte in Teheran, Karaj, Täbris, Kashan und Qom getroffen haben. Die Revolutionsgarden hätten sie für Waffentransporte genutzt, sagte er. Verteidigungsminister Israel Katz hatte die Angriffe mitgenehmigt. Das sei nicht mehr dasselbe Iran, und nicht mehr dasselbe Israel. Brücken in fünf Städten gleichzeitig zu treffen trifft zuerst die Frau, die morgens ihre Kinder zur Schule bringt. Das weiß Netanyahu auch.

Das iranische Regime führte den Vorsitzenden der kleinen jüdischen Gemeinschaft Teherans durch die beschädigte Rafie-Nia-Synagoge, die ein israelischer Angriff getroffen hatte. Was nach Mitgefühl aussehen soll, ist ein Bild für Kameras. Das Regime benutzt seine jüdische Minderheit seit Jahrzehnten, je nach Bedarf. Die iranischen Juden haben in diesem Krieg keine Wahl, auf welcher Seite sie stehen. Diese Entscheidung wird für sie getroffen.
Iran feuerte bis zum Abend sieben Raketensalven auf Israel. Sirenen in Tel Aviv, im Süden, in Zentralisrael, in Teilen des besetzten Westjordanlands. In Haifa wurden heute ein älteres Ehepaar und ihr Sohn begraben, die bei einem Angriff gestorben waren. Der Dienstagabend markierte den Beginn des letzten Tages von Pessach. Nördliche israelische Gemeinden kamen weiter unter Beschuss der Hisbollah.
Ein iranischer Diplomat in Kairo, Mojtaba Ferdousi Pour, antwortete auf Trumps Drohung mit dem Bild eines Baumes. Irans Zivilisation habe den Westen ernährt. Kein Vernünftiger säge den Ast ab, auf dem er sitzt. Es ist das ruhigste Bild des Tages, und vielleicht auch das traurigste.
US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete Irans Vorgehen in der Meerenge als Terrorismus, weigerte sich aber, Trumps Ankündigung vom Ende einer Zivilisation zu kommentieren. Senator Chuck Schumer nannte Trump einen extrem kranken Menschen und forderte Republikaner auf, gegen den Krieg zu stimmen. Senator Ron Johnson aus Wisconsin sagte, er hoffe und bete, dass die Drohungen nur Bluff seien. Er wolle nicht, dass zivile Infrastruktur zerstört werde. Die Demokraten planen weitere Abstimmungen, sobald der Kongress nächste Woche aus der Pause zurückkehrt. Bis dahin wartet auch Washington.
Im irakischen Kurdistan tötete eine iranische Drohne ein Ehepaar im Schlaf. Ihre Kinder im Nebenzimmer überlebten. Saudi-Arabien meldete vier abgefangene Drohnen. Die König-Fahd-Brücke zwischen Saudi-Arabien und Bahrain wurde zum zweiten Mal gesperrt. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif sprach mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und lobte dessen Zurückhaltung. Pakistan versuche, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Kanadas Premierminister Mark Carney forderte alle Seiten auf, internationale Gesetze einzuhalten.
Nach UN-Angaben tötete ein israelischer Panzer am 29. März einen indonesischen Blauhelm im Libanon. Zwei weitere starben einen Tag später durch einen Sprengsatz, wahrscheinlich von der Hisbollah gelegt. UNIFIL hatte den israelischen Streitkräften die Koordinaten aller eigenen Stellungen mitgeteilt, zweimal, im März. Im Libanon sind inzwischen mehr als 1.500 Menschen getötet worden, darunter 130 Kinder und 57 Sanitäter. Mehr als eine Million wurden vertrieben.

Die amerikanische Journalistin Shelly Kittleson, vergangene Woche in Bagdad entführt, wurde von Kataib Hezbollah freigelassen – als Geste gegenüber dem scheidenden irakischen Premierminister Mohammed Shia al-Sudani. Frankreich und Iran tauschten Gefangene aus. Cécile Kohler und Jacques Paris, seit Jahren in iranischer Haft, dürfen gehen. Frankreich lässt im Gegenzug Mahdieh Esfandiari frei, die wegen ihrer Inhalte in sozialen Netzwerken inhaftiert war. Frankreich lässt sein Verfahren gegen Iran fallen.

Auf Israels Konsulat in Istanbul wurde ein Angriff verübt. Israels Außenministerium verurteilte ihn und lobte das Eingreifen türkischer Sicherheitskräfte. Terror werde sie nicht abschrecken, schrieb das Ministerium.
In Gaza wateten Menschen durch überschwemmte Straßen zu Brotausgabestellen, weil die Kanalisation zerstört ist. Ein Dollar pro Brot reicht für große Familien nicht. Jamal Hamad aus Nordgaza sagt, der Krieg gegen Iran überlagert inzwischen alles – auch das, was hier seit zwei Jahren passiert. Er sagt das ohne Bitterkeit. So klingt jemand, der sich ans Warten gewöhnt hat.
Der S&P 500 fiel um 0,5 Prozent. Der Dow Jones verlor 271 Punkte. Die Märkte glaubten offenbar noch daran, dass um acht Uhr abends irgendjemand nachgibt. Das ist für viele besonders wichtig an diesem Tag.
Und dann noch das:
Pakistan bittet Trump, die Frist um zwei Wochen zu verlängern, um den diplomatischen Bemühungen Raum zu geben, die laut Premierminister Shehbaz Sharif Fortschritte zeigen und zu greifbaren Ergebnissen führen könnten. Gleichzeitig fordert Islamabad Iran auf, die Straße von Hormus für diesen Zeitraum zu öffnen, und ruft alle Konfliktparteien zu einer zweiwöchigen Waffenruhe auf, um eine endgültige Beendigung des Krieges zu ermöglichen.
Vielleicht wissen sie etwas, das der Rest der Welt nicht weiß. Vielleicht glauben sie es einfach, weil die Alternative zu schwer wiegt.
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